Ukraine-Helferinnen der ersten Stunde blicken auf bewegende Monate zurück
Sabine Schöpf und Simone Budde nehmen Abschied aus der ersten Reihe
- Lennestadt, 20.11.2023
- Verschiedenes
- Von Kerstin Sauer
Lennestadt. Sie sind Helferinnen der ersten Stunde: Seit Beginn des Ukraine-Krieges haben Sabine Schöpf und Simone Budde im Rahmen von „Lennestadt hilft“ gepowert – sowohl hier vor Ort als auch in der Ukraine selbst. Jetzt, nach mehr als anderthalb Jahren, ziehen sich die beiden Ehrenamtlerinnen aus der ersten Reihe zurück. Mit vielen Erinnerungen, neuen Freunden an der Seite und vor allem viel Dankbarkeit blicken sie auf bewegende Monate zurück.

Im Februar 2022 beginnt der ehrenamtliche Einsatz der beiden Lennestädter Frauen. Eher spontan als geplant, wie sie im Gespräch mit LokalPlus lachend berichten: „Ich wollte nur Sachen für die Sammelaktion von Natalja Volk in Kirchveischede abgeben. Es wurde Hilfe gebraucht, und so habe ich einfach mit angepackt“, erzählt Simone Budde.
Dort lernt sie auch Sabine Schöpf kennen, der es ähnlich ergeht: Aus dem simplen „Hilfsgüter abgeben“ wird ein langer, intensiver Einsatz für Menschen in und aus der Ukraine.
Der Umzug der Sammelstelle nach Altenhundem, die Begleitung von Menschen, die aus dem Kriegsgebiet nach Lennestadt kommen, packen, sortieren, organisieren und vermitteln: Je länger der Krieg dauert, desto mehr wachsen die Aufgaben, die das „Lennestadt hilft“-Team in Angriff nimmt.
Dabei ist Simone Budde vor allem hier vor Ort im Einsatz. Mit ihren Mitstreitern sucht sie Wohnungen für die Geflüchteten, tapeziert, putzt und richtet ein. Sie begleitet die Menschen zu den Ämtern und bei Arztbesuchen, unterstützt bei den Planungen für Weihnachtsmarkt-Stände, Weihnachtsfeiern in den Flüchtlingsunterkünften und bei der Wunschbaum-Aktion im WohnGut Saalhausen.
Ein monatliches Kaffeetrinken in der Saalhauser Unterkunft, eine „Pinkelfete“ zur Geburt eines Kindes, Gespräche mit den teilweise traumatisierten Menschen und immer ein offenes Ohr: Jede freie Minute, 24/7 sind Simone Budde, Sabine Schöpf und ihre Mitstreiter im Einsatz.
Warum? Simone Budde antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Ich habe immer daran gedacht, wie es mir in dieser Situation gehen würde. Alleine in einem fremden Land, aus der Heimat geflüchtet, Menschen und alles Hab und Gut verloren.“
Sabine Schöpf kann ihr nur zustimmen. Auch sie hat mehr als anderthalb Jahre geholfen und unterstützt, wo sie nur konnte. Vier Mal hat sie in dieser Zeit einen Hilfstransport ins Kriegsgebiet begleitet – Erfahrungen, die sie geprägt, erschüttert, aber auch mit einer tiefen Dankbarkeit erfüllt haben: „Zu sehen, wie viele Menschen hier in Lennestadt geholfen haben und wie die Augen der Menschen im Kriegsgebiet strahlten – das werde ich niemals vergessen.“

Bis heute hält Sabine Schöpf engen Kontakt zu den Menschen in der Ukraine, die sie kennen und lieben gelernt hat. Eine Verbindung, die auch jetzt, nach dem Rückzug aus der aktiven Flüchtlingshilfe, bestehen bleiben wird, betont sie: „Die Menschen dort, und auch die Geflüchteten hier in Lennestadt sind unsere Freunde geworden.“
Mehr als 2.500 Fotos in ihrem Handy erzählen ihre bewegende Geschichte als Ukraine-Helferin. Und zeugen von ergreifenden, erschütternden Momenten. So wie das Foto aus Charkiw, das Sabine Schöpf und eine ukrainische Seniorin in deren von Bombenangriffen gezeichneten Haus zeigt. „Wir sprachen nicht die Sprache des anderen. Aber sie ließ für mich übersetzen: ‚Du verstehst mich mit dem Herzen.‘ Dieser Satz hat mich über die Monate immer begleitet.“
Doch für die beiden Frauen ist es nun Zeit, einen Cut zu machen. Auch wenn die Arbeit der vergangenen anderthalb Jahre sie mit viel Freude erfüllt hat, „so geht es doch an die Substanz. Den Gedanken, uns aus der aktiven Arbeit zurückzuziehen, hatten wir schon länger“, sagen Sabine Schöpf und Simone Budde, die im Laufe der Monate enge Freundinnen geworden sind.

Sie gehen mit einem guten Gefühl. „Wir wissen, dass die Ukraine-Hilfe im neuen Verein ‚Viele Hände für die Hoffnung‘ in guten Händen liegt.“ Bis nach Trier und Luxemburg, sogar in Richtung Süden Deutschlands erstreckt sich dieser Verein heute. Und auch im Kreis Olpe wird es mit dem Vorstand Sauerland, Michael Bock aus Attendorn (sauerland@vhfdh.de), weiterhin einen Ansprechpartner geben.
„Wir sind nicht aus der Welt“, betonen die beiden Ehrenamtlerinnen, die wissen: Die Menschen in der Ukraine brauchen weiterhin Hilfe und Unterstützung. So wie in den vergangenen anderthalb Jahren, wie Simone Budde und Sabine Schöpf abschließend voller Dankbarkeit betonen: „So viele Menschen haben uns hier unterstützt, Privatpersonen ebenso wie Firmen und die Stadt Lennestadt. Jeder war ein Puzzleteil, zusammen haben wir soviel geschafft. Dafür sagen wir allen von Herzen Danke!“
Letzter Einsatz bei 999 + 1
Zum letzten Mal offiziell im Einsatz sind Sabine Schöpf und Simone Budde am Dienstag, 28. November, von 15 bis 17 Uhr im Pfarrheim Meggen: Dann werden dort für die große Weihnachts-Aktion „999+1“ von Christoph „Ozzy“ Weingarten Geschenke für Kinder in der Ukraine gesammelt (LokalPlus berichtete).
