Spezialbohrer für Mega-Projekt „Südlink“ entsteht im Lennetal

Gigant aus Langenei


  • Lennestadt, 05.05.2026
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Ein Spezialbohrer mit gigantischem Durchmesser ist jetzt in Langenei fertiggestellt worden. von Nils Dinkel
Ein Spezialbohrer mit gigantischem Durchmesser ist jetzt in Langenei fertiggestellt worden. © Nils Dinkel

Langenei. Es ist ein Projekt, das wohl selbst erfahrene Fachleute aufhorchen lässt: In einer Werkstatt in Langenei ist jetzt ein Spezialbohrer mit einem Durchmesser von 1,05 Metern fertiggestellt worden – gebaut für die sogenannte grabenlose Rohrverlegung. Für Inhaber Mario Rinke ist klar: „Das ist nichts Alltägliches. Solche Dimensionen sieht man hier im Lennetal so gut wie nie.“


Rinke, gelernter Werkzeugmacher, ist seit 2008 selbstständig und hat sich mit seiner Lohnschweißerei auf HDD-Bohrzubehör spezialisiert. Üblich seien in der Branche Bohrdurchmesser zwischen 20 und 45 Zentimetern. „Alles, was über einen Meter geht, ist schon eine echte Besonderheit“, erklärt der 52-Jährige.

Einsatz für großes Infrastruktur-Projekt

Der Bohrer ist für die sogenannte Südlink-Trasse bestimmt – ein Großprojekt, das künftig Windstrom aus Norddeutschland bis nach Bayern transportieren soll. Dafür werden über hunderte Kilometer Leerrohre unterirdisch verlegt, in die später Stromleitungen eingezogen werden.

Mario Rinke hat einen Spezialbohrer mit einem Durchmesser von 1,05 Metern produziert. von Nils Dinkel
Mario Rinke hat einen Spezialbohrer mit einem Durchmesser von 1,05 Metern produziert. © Nils Dinkel

„Solche Werkzeuge kommen überall dort zum Einsatz, wo große Leitungen unterirdisch verlegt werden – etwa bei Gas-, Wasser- oder Stromprojekten“, so der Selbstständige. Während kleinere Durchmesser laut Rinke auch häufig im Glasfaserausbau genutzt werden, sind diese Dimensionen eher bei Großvorhaben gefragt.

Unterirdische und präzise Technik

Das Prinzip der grabenlosen Rohrverlegung klingt zunächst unspektakulär, ist technisch aber hochkomplex. Statt Straßen oder Landschaften aufzureißen, wird unterirdisch gearbeitet. Ein steuerbarer Bohrkopf wird durch den Boden geführt und kann dabei exakt kontrolliert werden.

„Der Bohrkopf sendet Signale, über die wir Tiefe und Position bestimmen können“, erklärt Rinke. „Über eine Steuerfläche lässt sich die Richtung verändern – ähnlich wie bei einer Uhr: 12 Uhr bedeutet nach oben, 6 Uhr nach unten.“ So lasse sich präzise bestimmen, wo der Bohrer wieder an die Oberfläche kommt.

Ein großer Vorteil: Straßen, Wege oder Naturflächen bleiben unversehrt. „Man sieht von oben kaum etwas – das Loch entsteht komplett unterirdisch“, sagt Rinke.

Enorme Kräfte wirken im Verborgenen

Die eigentliche Herausforderung liegt in der Konstruktion. „Bei einem Durchmesser von über einem Meter wirken enorme Zugkräfte und Drehmomente“, erklärt der Unternehmer. Der sogenannte Backreamer – so die Fachbezeichnung – muss diesen Belastungen standhalten. Dafür wird er im Inneren aufwendig verstärkt und stabilisiert.

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Ein Spezialbohrer mit gigantischem Durchmesser ist jetzt in Langenei fertiggestellt worden.

Auch der Bau selbst ist anspruchsvoll, wenn auch vergleichsweise schnell umgesetzt: Rund 60 Stunden hat die Fertigung gedauert – inklusive Planung. „Wir bauen solche Körper ja regelmäßig in kleineren Dimensionen. Das hier ist quasi die große Variante, aber mit zusätzlichen Verstrebungen und Verstärkungen“, so der Inhaber.

Schritt für Schritt zum großen Durchmesser

Bevor der Bohrer seine volle Größe ausspielen kann, erfolgt die Aufweitung des Bohrlochs in mehreren Etappen. „Man kann nicht einfach direkt ein Loch mit 1,05 Metern Durchmesser bohren“, erklärt Rinke.

Stattdessen wird der Durchmesser schrittweise – meist in rund zehn Zentimeter großen Schritten – erweitert. Dabei kommen verschiedene kleinere Bohrer zum Einsatz.

Entscheidend ist auch die Bodenbeschaffenheit. Für besonders harte Untergründe sind die Werkzeuge mit speziellen Hartmetallzähnen ausgestattet. „Die sorgen dafür, dass wir auch bei schwierigen Bedingungen vorankommen“, sagt Rinke.

Stolz auf ein besonderes Projekt

Zum Einsatz kommt der Bohrer später an sogenannten Horizontalbohranlagen, die je nach Leistung in Tonnenklassen eingeteilt werden. „Für solche Dimensionen bewegen wir uns im Bereich von 40 bis 50 Tonnen“, erklärt er.

Für Mario Rinke ist der Auftrag mehr als nur ein weiterer Job. „Ich bin schon stolz darauf, so ein Teil mit meinen Mitarbeitern gebaut zu haben“, sagt er. Schon in der kommenden Woche soll der Bohrer ausgeliefert werden. Dann verschwindet er – im wahrsten Sinne des Wortes – unter der Erde. Sichtbar wird er erst wieder, wenn er am Zielpunkt aus dem Boden kommt.

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