Pfarrer Leber über die Adventszeit zwischen Trubel, Trost und Tradition
LokalPlus-Serie „Alle Hände voll zu tun“
- Lennestadt, 24.12.2025
- Glaube & Religion , Verschiedenes
- Von Nils Dinkel
Lennestadt. Weihnachten, das bedeutet für viele Menschen vor allem Besinnlichkeit und zur Ruhe kommen. Für einige wird es jedoch gerade in der Vorweihnachtszeit und um die Feiertage trubelig. In der Serie „Alle Hände voll zu tun“ stellt LokalPlus Berufe vor, die alles geben, damit es beim Weihnachtsfest an nichts fehlt. Heute: Ein Einblick in die Arbeit von Pfarrer Markus Leber.

In den Wochen vor dem Fest laufen im Pastoralen Raum Lennestadt die Vorbereitungen auf Hochtouren. Pfarrer Markus Leber ist hier seit vier Jahren tätig. Zwar sei es früher durch zahlreiche unterschiedliche Adventsfeiern stressiger gewesen, doch trotzdem bleibe die Organisation in der Vorweihnachtszeit anspruchsvoll: Gottesdienste müssen abgestimmt, Kinderkrippenfeiern vorbereitet und Ehrenamtliche koordiniert werden.
Dass das Einzugsgebiet größer geworden ist, macht die Aufgabe nicht leichter: „Gerade jetzt nach den Gremienwahlen treffe ich mich abends mit Kirchenvorständen, stimme mich mit meinen Mitbrüdern ab und schaue, wer welchen Dienst übernehmen kann. Zum Glück bin ich nicht allein – wir haben gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aber die Koordination bleibt eine Herausforderung.“

Ein Termin, der jedes Jahr über allem schwebt, ist die Weihnachtspredigt. „Das Damoklesschwert“, sagt Leber lachend. „Aber Stress stellt sich trotzdem nicht ein – man geht da auch etwas entspannter heran, weil man weiß: Die vergangenen Jahre hat es auch gut funktioniert.“
Einen wichtigen Ausgleich findet der Pfarrer in der Musik. „Ich bin ein großer Klassik-Fan. Weihnachten ohne das Weihnachtsoratorium von Bach – das geht eigentlich nicht.“ Besonders genießt er Konzerte in den Kirchen der Region, aber auch Ausflüge mit Freunden in Konzerthäuser. „Diese Zeiten versuche ich mir freizuhalten. Musik schenkt mir Ruhe und Freude.“
Auch gemeinsame Mahlzeiten und Gebetszeiten mit seinem indischen Kollegen und Mitbewohner und fünf indischen Ordensschwestern, seien wertvolle Ruhepunkte. „Wir wollen nicht nur als Funktionäre unterwegs sein, sondern auch geistlich.“
Trotz aller Routine gibt es Momente, die schwerer wiegen – vor allem Beerdigungen kurz vor Weihnachten. „Wenn da noch tragische Umstände hinzukommen, dann empfinde ich die Tage vor dem Fest manchmal als sehr belastend“, erzählt Leber offen. „Mit dem Tod kann man keine Termine machen. Dann heißt es: Augen zu und durch.“
Die wirkliche Erholung komme für ihn meist erst „zwischen den Jahren“. Seit Jahrzehnten verbringt er diese Tage mit einem Freund: „Wir gehen spazieren, schauen uns Krippen an – das sind für mich die ruhigsten Tage im Jahr.“



Eine kuriose Begebenheit hat sich dem Pfarrer besonders eingeprägt. „Heiligabend kam nach der Messe eine Frau zu mir und bedankte sich herzlich – sie habe sich 100 Mark aus dem Kollektenkörbchen genommen. Das hätte ihr Weihnachten gerettet.“ Irrtümlich hatte sie angenommen, die Kollekte sei eine Art Hilfe zur Selbstbedienung.
„Ich musste ihr erklären, dass man normalerweise etwas hineinlegt“, erinnert sich Leber schmunzelnd. „Aber in ihrem Fall war es gut so – sie war völlig mittellos.“ Daneben nutzten viele die Zeit, um sich bei dem Pfarrer zu bedanken, ihm kleine Geschenke zu machen oder sich zu melden, weil sie einsam sind.
Für dieses Weihnachtsfest hofft Leber, dass „etwas überspringt“ – dass Menschen spüren, dass Glaube und Kirche ihnen etwas geben können. Auch der Wunsch nach Frieden begleitet ihn: „Gerade wegen der ukrainischen Flüchtlinge hier vor Ort. Wir stehen in engem Kontakt mit einem ukrainischen Pastor. Es wäre schön, wenn sie wieder eine Perspektive hätten.“

Persönlich wünscht sich der Pfarrer vor allem Gesundheit. „Letztes Jahr hatte ich einen schweren gesundheitlichen Rückschlag. Dieses Jahr soll besser werden!“
Heiligabend selbst ist geprägt von Traditionen und festen Abläufen. Zunächst stehen eine Krippenfeier und eine frühe Weihnachtsmesse. Zuerst verbringen die Seelsorger den Abend gemeinsam – allerdings nur kurz, denn dann geht es in die Kirche.
Um 22 Uhr wird eine der für Leber schönsten Messen in Oedingen gefeiert. Kulinarisch bleibt es Heiligabend schlicht: „Ganz klassisch sauerländisch – Bockwurst mit Kartoffelsalat“, sagt Leber lachend.
