Nach tödlichem Brand: „Wir lassen niemanden mit so einem Einsatz allein“
Interview mit Christopher Hendrichs von der Feuerwehr
- Lennestadt, 14.01.2026
- Blaulicht
- Von Nils Dinkel
Altenhundem. Als am Freitag, 9. Januar, der Brand im Dachgeschoss eines von elf Menschen bewohnten Hauses in Altenhundem ausbricht, kämpft die Feuerwehr nicht nur mit Flammen, sondern auch um Leben: Zwei Männer werden aus der Wohnung geholt, reanimiert – vergeblich. Im Interview erklärt Christopher Hendrichs, Brandinspektor und Pressesprecher der Feuerwehr Lennestadt, wie die Feuerwehr mit solch belastenden Einsätzen umgeht.

Welche besonderen Herausforderungen gab es bei diesem Einsatz?
Beim Eintreffen war eine massive Rauchentwicklung aus der betroffenen Wohnung festzustellen. Aus einem Zimmer schlugen bereits Flammen, die auf den Dachstuhl übergegriffen hatten. Die Wohnung war verschlossen, sodass sich die Trupps zunächst gewaltsam Zutritt verschaffen mussten.
Im Inneren herrschte durch den dichten Rauch keinerlei Sicht, was sowohl die Personensuche als auch die Brandbekämpfung erheblich erschwerte. Mit fortschreitendem Brand wurde die Standsicherheit des Dachstuhls kritisch, weshalb ein Fachberater hinzugezogen wurde, um die Sicherheit unserer Einsatzkräfte zu gewährleisten.
Wie lief die Menschenrettung ab?

Unmittelbar nach dem Eintreffen wurde mit mehreren Trupps unter Atemschutz die Menschenrettung eingeleitet. Parallel dazu führten wir einen sogenannten Fensterimpuls durch – eine taktische Maßnahme, bei der über eine Fensteröffnung gezielt ein kurzer Löschimpuls abgegeben wird.
Ziel dabei ist es, die Brandintensität und die Temperatur kurzfristig zu senken und die Ausbreitung von Feuer und Rauchgasen zu begrenzen. Diese Maßnahme diente insbesondere dazu, die Menschenrettung zu unterstützen und die Bedingungen für die eingesetzten Trupps zu verbessern.
Welche Gefahren bestanden für die Einsatzkräfte?
Ein Innenangriff ist grundsätzlich mit hohen Risiken verbunden: starke Hitze, Rauch, giftige Brandgase, eingeschränkte Sicht sowie mögliche Durchzündungs- oder Einsturzgefahr. In diesem Einsatz waren mehrere dieser Gefahren gleichzeitig gegeben.

Daher haben wir umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen, darunter die frühzeitige Bereitstellung eines Sicherheitstrupps, der ausschließlich zur Absicherung der vorgehenden Trupps bereitsteht. Zusätzlich wurde eine konsequente Atemschutzüberwachung ausgeführt, um Einsatzdauer, Luftvorrat und Aufenthaltsort der Trupps jederzeit im Blick zu behalten.
Wie geht es den Einsatzkräften nach einem solchen Einsatz – und wie wird er aufgearbeitet?
Gerade im ländlichen Raum kennen sich viele Kameradinnen und Kameraden persönlich, was den offenen Austausch erleichtert. Nachdem die Fahrzeuge wieder einsatzbereit waren, nutzten viele die Gelegenheit, das Erlebte in kleiner Runde zu besprechen.
„Bei einem Einsatz mit Todesopfern sind die Emotionen stark. Die Reaktionen reichen von Schock und Trauer bis hin zu Stress und hoher innerer Belastung.”
Bei besonders belastenden Einsätzen erfolgt später eine strukturierte Nachbesprechung mit Führungskräften und beteiligten Organisationen. Dabei geht es sowohl um die psychische Entlastung als auch um taktische und organisatorische Erkenntnisse für zukünftige Einsätze.
Wie haben die Beteiligten die Situation emotional erlebt?
Bei einem Einsatz mit Todesopfern sind die Emotionen stark. Die Reaktionen reichen von Schock und Trauer bis hin zu Stress und hoher innerer Belastung. Solche Situationen sind für niemanden alltäglich.
Umso wichtiger ist es, dass wir auf professionelle Unterstützung zurückgreifen können – etwa durch die Psychosoziale Unterstützung oder die Notfallseelsorge.
Gab es direkt im Anschluss eine Betreuung?
Ja. Bereits während des Einsatzes haben wir die Psychosoziale Unterstützung angefordert. Vor Ort konnten Gespräche mit den betroffenen Kameradinnen und Kameraden geführt werden.
Woran erkennen Führungskräfte, wenn ein Einsatz jemanden besonders belastet?
Wir achten sehr genau auf Verhaltensänderungen, emotionale Reaktionen oder körperliche Anzeichen. Wenn deutlich wird, dass jemand besonders betroffen ist, wird frühzeitig die Psychosoziale Unterstützung hinzugezogen. Dass wir uns untereinander gut kennen, hilft dabei sehr.
Und wenn Belastungen erst Tage oder Wochen später auftreten?
Auch dann stehen Unterstützungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die Psychosoziale Unterstützung kann jederzeit eingebunden werden, es gibt Gespräche und Nachsorgetermine. Diese Angebote sind wichtig, um Erlebtes zu verarbeiten und die seelische Gesundheit langfristig zu schützen.
Hier erhaltet ihr weitere Informationen zum Thema.
Bei dem Brand waren auch Notfallseelsorger im Einsatz. Dazu könnt ihr hier mehr lesen.

