Multi-Kulti: 20 junge Menschen sind jetzt „Fit in Deutsch“

Zweiwöchiger Kurs in der Sekundarschule Hundem-Lenne


  • Lennestadt, 13.08.2021
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  • Von Kerstin Sauer
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Am vorletzten Tag ihres Kurses lernten die jungen Leute alles über das Thema Journalismus. Zu Besuch waren Martin Steinberg (Öffentlichkeitsarbeit der Stadt, 2.v.l.) und Kerstin Sauer (LokalPlus, 3.v.r.). von privat
Am vorletzten Tag ihres Kurses lernten die jungen Leute alles über das Thema Journalismus. Zu Besuch waren Martin Steinberg (Öffentlichkeitsarbeit der Stadt, 2.v.l.) und Kerstin Sauer (LokalPlus, 3.v.r.). © privat

Lennestadt/Meggen. Zwei Wochen lang haben sich 20 Mädchen und Jungen zwischen 10 und 17 Jahren in der Sekundarschule Hundem-Lenne getroffen: „Fit in Deutsch“ heißt das Programm, dass schon zwei Mal an einer Grundschule und jetzt erstmals für Schüler weiterführender Schulen angeboten wurde. Dabei lernten die jungen Menschen mit Migrationshintergrund nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch viel über das Leben in ihrer neuen Heimat.


Es ist Donnerstag, der zweitletzte Tag des Kurses. In den vergangenen zwei Wochen haben die Mädchen und Jungen schon alles über Notrufe und Feuerwehren gelernt, waren zu Besuch im Meggener Bergbaumuseum und haben die Stadt Siegen erkundet. Nicht zu vergessen die 20 Arbeitsblätter, durch die sie sich wühlen mussten: Zeitformen, Nomen, Adjektive, Verben – jede noch so kleine Hürde der deutschen Sprache kam hier zur Sprache und wurde gemeinsam bewältigt.

Alter und Sprachstand im Blick

„Wir haben die Schüler in zwei Gruppen aufgeteilt, nach Alter und Sprachstand“, erzählt Svetlana Ruschke, die den Kurs „Fit in Deutsch“ zum nunmehr dritten Mal organisiert hat. Sie ist bei der Stadt Lennestadt in der Organisationsstruktur „Flüchtlinge & Integration“ u.a. für den Bereich Sprachförderung zuständig.

Ihr zur Seite stehen die (angehenden) Lehrerinnen Judith Schneider und Lena Vogt. Nach zwei Wochen haben sie ihre jungen Schüler schon gut kennen gelernt, wissen, wer eher zurückhaltend und schüchtern, wer forsch und sicher ist. Alle Schüler, so erzählt Lena Vogt, gehen auf die Sekundarschule Hundem-Lenne, aus jeder Jahrgangsstufe sind Teilnehmer vertreten.

Ein multikulturelles Miteinander

Und alle Schüler haben Migrationshintergrund. Bei der Vorstellungsrunde sagen sie, woher sie kommen. Und schnell wird klar: Diese jungen Menschen leben in diesen zwei Wochen ein multikulturelles Miteinander: Syrien, Irak, Kosovo, Italien, Moldavien, Polen – die Liste der Herkunftsländer ist lang.

Und die Zeiten, die die Schüler bereits in Deutschland leben, auch: Da sind die „alten Hasen“, die schon seit vier Jahren in Deutschland leben. Und die neuen Gesichter, die erst vor sechs Monaten ihr Zuhause in der Lennestadt gefunden haben, aber schon jetzt ganz fantastisch Deutsch sprechen.

Journalismus von A bis Z

Heute, am vorletzten Tag es Kurses, geht es um das Thema „Journalismus“. Gemeinsam haben sie Fragen ausgearbeitet, die sie den beiden Besuchern Martin Steinberg (Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadt Lennestadt) und Kerstin Sauer (LokalPlus) stellen. Zeigen sich die jungen Leute anfangs zurückhaltend, so tauen sie schnell auf und bombardieren die Gäste mit ihren Fragen: „Wie wird man Journalist“, ruft Mustafa, während Lana (12) aus Syrien sich vor allem dafür interessiert, was an dem Beruf Spaß macht und was weniger.

Mostafa (11), ebenfalls aus Syrien, erzählt währenddessen, was seine Gruppe in den letzten zwei Wochen alles erlebt hat – und betont stöhnend: „Wir haben 20 Arbeitsblätter bekommen!“ Und er und die anderen freuen sich besonders auf den letzten Tag des Kurses: Dann bauen, sägen und entwerfen die Schüler ihre eigenen Holzspiele: Tic Tac Toe, ein Würfelspiel, eine Murmelbahn und den heißen Draht.

„Ich möchte Lehrerin werden“

Besonders wissbegierig ist die zwölfjährige Alia aus Syrien: „Wann beginnt Ihr Arbeitstag? Wo wohnen Sie? Wie viele Menschen arbeiten bei Ihnen? Wollten Sie schon immer Journalistin werden?“ Sie selbst, erzählt Alia, wisse schon genau, was sie einmal werden möchte: Lehrerin. Fünf Sprachen spricht das Mädchen, und sie möchte einmal anderen Kindern helfen, Sprachen zu lernen.

„Fit in Deutsch“ zu werden, das ist das Ziel dieser jungen Schüler. Sie „Fit in Deutsch“ zu machen, das möchten Svetlana Ruschke, Judith Schulte und Lena Vogt. Denn die 10- bis 17-Jährigen sind ihnen in den vergangenen zwei Wochen ans Herz gewachsen und sie möchten, dass die deutsche Sprache kein Hindernis ist, um hier anzukommen, sich zu integrieren und vor allem: Um in der Lennestadt eine zweite Heimat zu finden.

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