Messerschmieden im Pferdestall in Halberbracht
Ingo Trudewind lässt alte Handwerkskunst wieder aufleben
- Lennestadt, 02.04.2023
- Verschiedenes
- Von Marita Sapp
Halberbracht. Lauter Krach tönt aus dem Pferdestall auf der Wiese in Halberbracht, am Samstag, 1. April. Schon im Unterstand vor der Stalltür stehen Männer ins Gespräch vertieft, eine Frau sitzt in warmer Plüschjacke in einem Klappstuhl, einen Kaffee in der Hand. Zwei Hunde begrüßen mich freundlich. Als ich die Tür zum Stall aufziehen will, hält mich ein Mann zurück: „Bitte erst die Schutzbrille aufsetzen!“

Warum das nötig ist, sehe ich dann gleich. Im alten Pferdestall wird geschmiedet. Die Funken sprühen durch die Luft, jedes Mal, wenn einer der Männer mit einem der schweren Hämmer auf das Schmiedegut schlägt. Immer in gleichmäßigen Schlägen und nur so oft, bis jemand laut „Stopp“ ruft.
Das ist Ingo Trudewind. Der 41-Jährige hat sich in dem Pferdestall eine Schmiede eingerichtet. Esse, Amboss, Hämmer, Zangen … Alles, was man so braucht, um aus Stahl selbst Damastmesser schmieden zu können.

Der Maschinenbau-Ingenieur aus Elspe entdeckte 2019 seine Leidenschaft für die alte Handwerkskunst an einem verregneten Sonntag vor dem Fernseher, wo eine Reportage über das Damastmesserschmieden von Hand gezeigt wurde. Nach vielfältiger Recherche, einem Schmiedekurs und einigen Fehlversuchen klappte es dann hervorragend, so dass er die Kunst jetzt an andere weitergeben kann. Jedes Messer ist ein handgemachtes Unikat.
15 Mitglieder der Flamongos, eine internationalen Outdoor-Gruppe, haben ihr Wochenendcamp auf der Pferdewiese in Halberbacht aufgeschlagen und lassen sich von Ingo Trudewind die Kunst des Messerschmiedens vorführen.
Wer Interesse und genügend „Muckis“ hat, kann direkt mitmachen. Ein Damastmesser zu schmieden braucht Zeit und Kraft. „Mehrere Tage, wenn man allein ist“, erklärt Ingo Trudewind. Immer wieder muss der „Knüppel“, hier ein Schweißverbund aus Mangan- und Nickelstahl, in der heißen Esse zum Glühen gebracht und anschließend wieder geschlagen werden.



21 Lagen ist das Startpaket groß. Dieses wird durch Feuerverschweißen in mehreren Faltvorgängen auf über 300 Lagen gebracht. Erst dann kann ein Messer daraus geformt werden.

Die Outdoor-Gruppe ist begeistert. Selbst das Wetter kann die Stimmung nicht trüben. Benny Franz aus Hamburg, Gründer der Flamongos sowie Mitbegründer Mario Fäßler zeigen sich beeindruckt: „Ingo ist ein super Kerl und mit uns auf einer Wellenlänge. Hier kann man sehen, was an harter Arbeit dahintersteckt und welche Schönheit dann entsteht.“
Der Kontakt zu den Flamongos entstand über soziale Medien. Die Messerschmiede-Aktion wurde am Samstag, 1. April, via Livestream ins Internet übertragen. PM-Veranstaltungstechnik aus Lennestadt sorgte für die technische Umsetzung. Zuschauer aus aller Welt, vor allem in den USA (Michigan), folgten dem Schmiedekurs durch mehrere Kameraeinstellungen und Perspektiven.
