Ihr Frischmarkt Saalhausen schließt noch vor Weihnachten
Mehr als ein Jahrhundert Familiengeschichte endet
- Lennestadt, 02.12.2025
- Verschiedenes
- Von Nils Dinkel
Saalhausen. Es ist das Ende einer Ära: Der Frischmarkt Schütte schließt am Samstag, 20. Dezember, für immer seine Tür. Seit 1911 ist das Geschäft in Familienhand, gegründet wurde es sogar um 1850 – ein Stück gelebte Dorfgeschichte, das nun zu Ende geht.

Wenn Ute und Stephan Schütte über die vergangenen Jahrzehnte sprechen, schwingt viel Stolz mit. Besonders eindrücklich bleibt ihnen die Coronazeit. „Sie war anstrengend“, sagt Ute Schütte.
„Aber die beste Zeit unseres Lebens“, ergänzt ihr Mann Stephan. „Die Wertschätzung, dass wir immer vor Ort waren, haben wir deutlich gespürt.“
Der Laden entwickelte sich in den vergangenen Jahrzehnten stetig weiter. „Das Sortiment wächst ständig“, erzählt Ute Schütte. Als die beiden das Geschäft 1980 im Jahr ihrer Hochzeit übernahmen, bauten sie die Fleischtheke ein – ein großer Schritt.

Früher sei vieles anders gewesen: „Da wurde mit den Bauern getauscht – Butter gegen dieses oder jenes.“ Auch die Bedienungstheke prägte lange das Bild des Ladens.
Dass die Schließung unausweichlich geworden ist, hat aber auch strukturelle Gründe. „Die Bürokratie ist unverhältnismäßig gewachsen“, sagt Ute Schütte deutlich. „Ich habe manchmal keine Zeit, Waren einzuräumen, weil ich am Rechner sitze und Formulare ausfülle.“
Für den kleinen Familienbetrieb sei das auf Dauer nicht mehr leistbar gewesen. Dazu kamen wachsende Energiekosten, sinkende Gewinnspannen im Lebensmittelhandel und das veränderte Einkaufsverhalten vieler Menschen.





Der Frischmarkt war nicht nur ein Lebensmittelgeschäft, sondern ein Ort der Begegnung. „Für uns war der Kontakt zu den Kunden das A und O“, so Ute Schütte. „Viele kamen nicht nur zum Einkaufen. Die holten ein Teilchen – und hofften darauf, jemanden zu treffen.“
Manche Kunden kamen jeden Freitag, weil sie dort „die Hälfte der Nachbarschaft“ trafen. „Das fanden wir immer sehr süß.“


Viel Zeit, um zur Ruhe zu kommen, hatte die Familie während ihrer Selbstständigkeit nicht: „Kein Urlaub, kein Krankfeiern, nichts. Wir waren immer da, immer parat“, beschreibt Stephan Schütte den Alltag. Mit seinen 70 Jahren möchte er nun endlich mehr Zeit für sich haben: „Leben.“ Auch Ute Schütte sagt: „Wir beide mussten eigentlich immer da sein.“
Ganz besonders freuen sich die beiden auf etwas, das für viele selbstverständlich ist: ein ruhiges Weihnachtsfest. Bisher begann ihr Heiligabend um 6 Uhr morgens. Um 12.30 Uhr wurde geschlossen – und oft stand Ute Schütte sogar um 14.30 Uhr zur Andachtsglocke noch im Laden.

„Wir haben die Kinder nebenbei großgezogen. Es war nicht immer einfach. Ich musste immer jemanden organisieren, der mit meinen Kindern zur Andacht ging. Jemand musste ja auch das Christkind sein“, erinnert sie sich. In diesem Jahr wird alles anders: „Wir freuen uns sehr darauf, mit unseren Enkelkindern in die Andacht gehen zu können.“
Der letzte Öffnungstag wird schwer. „Einfach nur traurig“, sagen beide. „Es deprimiert die leeren Regale zu sehen. Jahrzehnte lang haben wir aufgebaut – und in ein paar Wochen baut man alles zurück“, so Stephan Schütte.
„Auf die andere Art freut man sich auf die Zeit danach!”
Und weiter: „Aber auf die andere Art freut man sich auf die Zeit danach. Ballast fällt ab. Die Verpflichtung – die Verantwortung – ist dann weg.“ Auch ein jahrzehntelanger Kampf gegen immer steigende Kosten ende nun. Familie Schütte hofft, dass am Ende möglichst wenig in den Regalen bleibt.
Die Öffnungszeiten des Frischemarktes sind bereits reduziert worden. Die Mitarbeiter haben neue Beschäftigungen gefunden. Einen Nachfolger im eigenen Haus wollten sie jedoch nicht. Stattdessen entstehen in den Räumen nun zwei ebenerdige Wohnungen.
Dennoch hoffen sie, dass die Nahversorgung im Dorf weiterhin Bestand hat. „Wir möchten ja auch nicht für jedes Päckchen Butter nach Altenhundem fahren“, sagt Ute Schütte.
Mit der Eröffnung des neuen und ohne Personal geführten Dorfladens nur wenige Meter weiter blicken die Schüttes jedoch zuversichtlich in die Zukunft der Nahversorgung.
Während Stephan Schütte künftig mehr Zeit seiner Vogelzucht widmen möchte – „frei sein, nur frei sein“ –, wird Ute Schütte noch einige Jahre berufstätig sein. Allerdings nicht mehr im Einzelhandel.
„Wir haben viele tolle Stammkunden gehabt. Wir wohnen in einem wunderbaren Dorf. Der Kurpark, die Struktur, dass die Hauptstraße geblieben ist – das hat Saalhausen gutgetan“, sagt Ute Schütte. „Wir danken unseren unseren Kunden und wünschen ihnen alles Gute.“
