Gestrandet in Altenhundem: Intercity steht fünf Stunden im Bahnhof
Am Ende mussten Reisende aussteigen
- Lennestadt, 27.11.2023
- Verschiedenes
- Von Wolfgang Schneider
Altenhundem. Eine Reise im Intercity ist schnell – eigentlich. Doch auf eine Geduldsprobe wurden am Samstag, 25. November, etwa 200 Reisende im Intercity 2322 von Frankfurt nach Norddeich gestellt. Sie mussten in Altenhundem eine Zwangspause einlegen, die bis zu fünf Stunden dauerte. Eine der Betroffenen war Gisela Mauer, die sich bei LokalPlus meldete und über das ihrer Meinung nach nicht vorhandene Krisenmanagement der Bahn beklagte.

Die 77-Jährige aus Neu-Isenburg bei Frankfurt wollte am Samstag zu einer Familienfeier nach Gütersloh reisen, wo sie allerdings nie ankam. Das gebuchte Hotel musste sie stornieren und nach einer fast zwölfstündigen „Reise“ mit reichlich Leerlauf war sie abends um 20.45 Uhr wieder zu Hause.
Alles begann wie geplant. Um 9.26 Uhr startete der IC 2322 in Frankfurt. Über Siegen ging es weiter Richtung Norden und um 11.30 Uhr fuhr der Zug im Bahnhof Altenhundem ein. Dort war aber erst einmal Endstation, denn bei Grevenbrück war ein Baum in die Oberleitung gefallen und hatte diese beschädigt (LokalPlus berichtete).

Der Zug stand und stand, doch die Informationen, die die Bahnreisenden erhielten, waren sehr spärlich. „Mir hat der Zugführer leid getan. Man hatte den Eindruck, der bekam von der Leitstelle fast weniger Informationen als die Leute, die ein Smartphone hatten“, so Gisela Mauer.
Die Mittagszeit verging und der IC stand immer noch im Bahnhof Altenhundem – besetzt unter anderem mit zahlreichen Fans, die zum BVB-Heimspiel nach Dortmund wollten. Draußen war vorsorglich schon Polizei angerückt, wohl weil man befürchtete, es könnte zu Unruhen kommen. „Alle Reisenden waren sehr ruhig und besonnen und auch die Fußballfans warteten geduldig“, erzählt die 77-Jährige.

Gegen 14.30 Uhr habe es dann geheißen, dass der Zug nur bis Dortmund fahren werde und nicht wie geplant über Münster bis nach Norddeich-Mole. Später seien die noch verbliebenen Reisenden, die nicht auf eigene Faust das Weiterkommen organisiert hatten, dann informiert worden, der Zug fahre zurück nach Frankfurt.


Doch das bewahrheitete sich nicht. Gisela Mauer: „Um 16.15 Uhr kam dann schließlich die Durchsage, der Zug werde nicht zurückfahren und alle Fahrgäste müssten aussteigen.“ Es habe geheißen, das Personal sei zu lange im Dienst und deshalb dürfe der Zug keine Fahrgäste befördern, wenn er wieder losfahre.

So standen Gisela Mauer und etwa 50 weitere Reisende auf dem Bahnsteig in Altenhundem. Als die Bahnstrecke gegen Abend wieder freigegeben wurde, fuhr die Rentnerin mit Regionalzügen wieder zurück nach Frankfurt. „Solche Vorfälle können passieren und dafür kann niemand was. Der Zugführer war sehr kompetent, aber er bekam kaum Informationen. Das Krisenmanagement der Deutschen Bahn ist katastrophal. Die haben keine Notfall- und Krisenpläne“, kritisiert die 77-Jährige im Gespräch mit LokalPlus.
Bahnsprecher Dirk Pohlmann räumte auf LP-Nachfrage ein, dass der Intercity tatsächlich circa fünf Stunden im Bahnhof Altenhundem gestanden habe. Er sagte, der Oberleitungsschaden bei Grevenbrück sei umfangreicher gewesen als zunächst vermutet. „Das ist nicht so wie auf der Straße. Da räumt man einen umgestürzten Baum weg und alles ist gut.“
Warum der IC angesichts der stundenlangen Streckensperrung bei Grevenbrück nicht frühzeitig zurück nach Frankfurt oder zumindest nach Siegen gefahren sei, erklärt Pohlmann so: „Was bei solchen Störungen mit den wartenden Zügen passiert, das entscheiden die Disponenten.“ Viele Strecken seien stark frequentiert. Da könne man nicht mal eben einen Zug außerhalb des Fahrplans von Altenhundem zurück nach Frankfurt fahren lassen.
