Erste Frau, erste Grüne: Christa Orth-Sauer nimmt Abschied von der Politik

Lennestädter Ratsvertreterin im LP-Interview


  • Lennestadt, 25.09.2025
  • Politik
  • Von Kerstin Sauer
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Christa Orth-Sauer (Mitte) und ihr grünes Team: Andreas Verbeek, Dr. Gregor Kaiser, Gerd Schäfer und Carsten Heße (v.l.). von Kerstin Sauer
Christa Orth-Sauer (Mitte) und ihr grünes Team: Andreas Verbeek, Dr. Gregor Kaiser, Gerd Schäfer und Carsten Heße (v.l.). © Kerstin Sauer

Lennestadt. Sie war die erste weibliche Fraktionsvorsitzende im Lennestädter Rat – jetzt verlässt sie die politische Bühne: Neben zahlreichen verdienten Ratsmitgliedern ist am Mittwochabend, 24. September, Christa Orth-Sauer offiziell verabschiedet worden. Mit LokalPlus blickt die 74-Jährige auf bewegende, nicht immer einfache Jahre zurück.


Abschied nach vielen Jahrzehnten Ratsarbeit – mit einem lachenden oder einem weinenden Auge?

Christa Orth-Sauer: Das lachende Auge überwiegt: Ich merke einfach, dass die Arbeit in jüngere Hände gelegt werden muss. Viele Dinge, zum Beispiel mich in gewisse Themen einzuarbeiten, fallen mir schwerer als früher.

Ein Blick zurück: Sie waren die erste weibliche Fraktionsvorsitzende im Lennestädter Rat und haben die Interessen einer noch recht neuen Partei vertreten. Wie war das?

Christa Orth-Sauer: Schwierig. Die ersten fünf Jahre habe ich einfach nur durchgehalten. Ich war Fraktionsvorsitzende, hochschwanger, voll im Dienst – es war einfach viel. Und die Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen, CDU und SPD, war mehr als schwierig: Man kannte uns nicht, wusste nicht, wer da kommt, und hat uns sehr kritisch angesehen. Selbst den Rathausschlüssel wollte man uns anfangs nicht geben, den haben wir erst bekommen, als jemand sagte: Die beiden sind verbeamtet. Erst da konnte man uns wohl vertrauen. Nach fünf Jahren hatte ich die Nase voll – ich wollte so einfach nicht mehr und habe aufgehört. Obwohl ich sagen muss, dass der damalige Bürgermeister Willi Sömer immer angenehm und fair uns gegenüber war.

„Haben uns Respekt und Anerkennung erarbeitet“

Wie hat sich das Verhältnis im Rat entwickelt?

Christa Orth-Sauer: Inzwischen haben wir Grüne uns Respekt und Anerkennung erarbeitet. Heute sind die Grünen mit fünf Ratsmitgliedern vertreten, das ist gut, dass man die Arbeit jetzt auf mehrere Schultern verteilen kann.

Und wie hat sich die Ratsarbeit im Laufe der Jahre verändert?

Christa Orth-Sauer: Das Miteinander hat sich sehr verbessert: Ich habe nicht mehr den Eindruck, dass wir ganz kritisch beäugt werden. Ich denke, dass man unsere Meinung respektiert – anfangs hat man uns gar nicht zugehört. Ich weiß noch, dass ich oft zu anderen Ratsmitgliedern gesagt habe: Ich habe Ihnen zugehört, also erwarte ich, dass Sie mir auch zuhören. Kritisch sehe ich, dass wir immer die einzigen waren, die eine Art Opposition gebildet haben. Mir fehlte oft das Profil, dass gewisse Themen differenzierter betrachtet werden. Meiner Meinung nach gehören ausführliche Diskussionen in den Ratssaal.

Welche Themen lagen und liegen Ihnen besonders am Herzen?

Christa Orth-Sauer: Die Schulentwicklung und der kulturelle Bereich waren schon immer meine Herzensthemen. Und die halte ich immer noch für sehr wichtig.

Was fehlt? „Frauen, die mitwirken“

Und was hat besonders genervt?

Christa Orth-Sauer: Ganz eindeutig: der Frauenmangel. Sowohl bei den Ratsmitgliedern als auch bei der Verwaltung. Es war und ist für mich ganz wichtig, dass auch Frauen mitwirken.

Wie kamen Sie zur Politik?

Christa Orth-Sauer: Seit meiner Zeit am Gymnasium war ich politisch sehr interessiert. Ich stamme aus einem CDU-Haushalt – und wusste daher immer, dass ich das nicht wollte. Was zu der Zeit unheimlich schwierig war, es war ja fast eine Sünde, wenn man so katholisch aufgewachsen ist und nicht die CDU wählte. Sehr wichtig war für mich die Zeit um Willy Brandt, da habe ich auch mal an der SPD überlegt. Als dann die Grünen kamen, habe ich gedacht: Das ist es. Der Umweltschutzgedanke war Anfang der 80er-Jahre stark verbreitet, ich hatte das Gefühl, das ist für mich das Richtige.

Was wünschen Sie sich – auch im politischen Ruhestand - für die Zukunft?

Christa Orth-Sauer: Das Allerwichtigste ist, gegen Rechts zu arbeiten. Das sollte wichtiger sein als alles andere. Die momentane Entwicklung macht mir Angst, auch mit Blick auf meine Enkelkinder.

Ein politischer Lebenslauf in Zahlen
  • 1984 kandidierte Christa Orth-Sauer erstmals für die recht junge Fraktion der Grünen, die knapp mit zwei Sitzen in den Lennestädter Rat kamen.
  • Von 1984 bis 1989 war sie Fraktionsvorsitzende und vertrat gemeinsam mit Fred-Josef Hansen die Interessen der Grünen.
  • Von 1994 bis 2004 war Christa Orth-Sauer sachkundige Bürgerin im A2.
  • 2004 kehrte sie wieder in den Lennestädter Rat zurück.
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