Das Leben in einem Erstaufnahmelager

SERIE, Teil 2: Siyer Kasra - Ein Flüchtling erzählt


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Siyer Kasra.
Siyer Kasra.

Siyer Kasra ist 18 Jahre alt, wohnt in Elspe und besucht seit Anfang des Jahres das Gymnasium Maria Königin. Was ihn von seinen Mitschülern unterscheidet: Weil in Afghanistan der Krieg tobt, musste der gebürtige Iraner Siyer Kasra aus der Heimat seiner Eltern fliehen. Mittlerweile habe er sich in Elspe gut eingelebt und auch seine Deutschkenntnisse würden immer besser. Bei LokalPlus schreibt er ab sofort in unregelmäßigen Abständen über das, was er hier erlebt, was er fühlt und denkt und was er aus seiner Heimat mitbekommt.


„Es ist schwer, sich das Leben in einem Erstaufnahmelager vorzustellen. Dort leben viele Menschen unter einem Hallendach zusammen. Bei dem Essen ist immer größer Lärm, und es ist nicht möglich, allein mit meiner Familie zu essen. Es ist schwierig, einen ruhigen Schlaf zu finden, weil nachts viele Kinder weinen und die Männer schnarchen. Das ist schwer vorstellbar, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt. Aber das größte aller Probleme dort war, mit Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenzuleben. Ich habe dort viele Kulturen kennengelernt, über die ich vorher nur in Büchern gelesen habe. Ich war verwirrt, weil ich bisher nie in einer solchen Situation war. Viele Menschen waren aus Asien, Afrika und Europa. In unserer Nähe hat eine Familie gewohnt. Wir haben zwei Monate zusammen gelebt, aber wir haben nie zusammen geredet. Sie sind immer alleine gewesen, und sie haben uns nie die Hand zur Begrüßung gegeben. Das ist nicht schlecht. Das ist eben nur eine andere Kultur. Aber auf der anderen Seite war eine Familie ganz anders. Sie hat uns immer ganz glücklich gemacht. Sie war ein Grund dafür, dass die Menschen für einen Augenblick alle Trauer vergessen haben.“
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