„Chirurgische Basisnotfallversorgung geht vollständig verloren“

SPD-Fraktion wendet sich an Gesundheitsminister Laumann


  • Lennestadt, 13.03.2026
  • Politik , Gesundheit & Medizin
In einem offenen Brief wendet sich die SPD-Fraktion Lennestadt an NRW-Gesundheitsminister Laumann. Thema ist die Ankündigung der GFO-Kliniken Südwestfalen, dass es am St.-Josefs-Hospital Lennestadt vorerst keine planbaren ambulanten Operationen mehr geben soll. von Nils Dinkel
In einem offenen Brief wendet sich die SPD-Fraktion Lennestadt an NRW-Gesundheitsminister Laumann. Thema ist die Ankündigung der GFO-Kliniken Südwestfalen, dass es am St.-Josefs-Hospital Lennestadt vorerst keine planbaren ambulanten Operationen mehr geben soll. © Nils Dinkel

Lennestadt. In einem offenen Brief wendet sich die SPD-Fraktion Lennestadt mit ihrem Vorsitzenden Heinz Vollmer und dem sachkundigen Bürger Martin Wagner an NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Anlass ist die Bekanntgabe der GFO-Kliniken Südwestfalen, im St.-Josefs-Hospital Lennestadt vorerst keine planbaren ambulanten Operationen mehr anzubieten (LokalPlus berichtete).


„Sehr geehrter Herr Minister Laumann, bereits seit Anfang 2025 gibt es am St. Josefs-Hospital in Altenhundem keine rund um die Uhr besetzte Chirurgie mehr. Ab dem 1. März 2026 werden nun gar keine chirurgischen Operationen mehr durchgeführt.

Nur Eingriffe wie etwa Wundversorgungen, die Entfernung von Fremdkörpern oder das Anlegen von Verbänden und Gipsschienen bleiben erhalten. Wir wenden wir uns an Sie, da diese Entwicklung unserer Meinung nach im Widerspruch zu den Zielen der Krankenhausreform steht, die ausdrücklich eine wohnortnahe medizinische Grundversorgung vorsieht.

Wohnortnahe medizinische Grundversorgung?

Die ist allerdings nicht mehr gegeben, da nun etwa 35.000 Menschen länger als 30 Minuten zur nächsten Einrichtung fahren müssen. Letztendlich geht also nun auch noch die chirurgische Basisnotfallversorgung vollständig verloren.

Im Rahmen der Planungen für die Krankenhausreform hatte der Betreiber des St. Josef-Hospitals die Leistungsgruppe 09.1 – Allgemeine Chirurgie – formell beantragt. Das Ministerium hatte diese im Rahmen einer Anhörung vom 15. Mai 2024 genehmigt (Zuteilung von 1.500 Fällen). Im endgültigen Feststellungsbescheid vom 16. Dezember 2024 erscheint diese Leistungsgruppe allerdings nicht mehr! Warum nicht? Eine nachvollziehbare Begründung wurde nicht veröffentlicht.

„Chirurgische Abteilung war voll funktionsfähig“

Laut Qualitätsbericht 2024 des Gemeinsamen Bundesausschusses (Gremium, das die Gesundheitsversorgung nach wissenschaftlichen Kriterien beurteilt) war die chirurgische Abteilung am St. Josefs-Hospital an 365 Tagen im Jahr voll funktionsfähig. Hier finden sich keinerlei Hinweise auf strukturelle, personelle oder qualitative Engpässe, die einen solchen Schritt rechtfertigen könnten.

Sehr geehrter Herr Minister, wir bitten Sie um

  • eine transparente und nachvollziehbare Begründung für den Wegfall der Leistungsgruppe der allgemeinen Chirurgie im ministeriellen Feststellungsbescheid,
  • um eine Erläuterung, welche Alternativen einer wohnortnahen medizinischen Grundversorgung geprüft und aus welchen Gründen diese verworfen wurden,
  • um die Offenlegung der zugrunde liegenden Erreichbarkeits- und Versorgungsanalysen,
  • um eine Darstellung, wie die chirurgische Basisversorgung, einschließlich OP-Saal und OP-Team, für die betroffene Bevölkerung von rund 35.000 Menschen konkret sichergestellt werden soll.


„Maßnahmen zur Basisversorgung ergreifen“

Sehr geehrter Herr Minister, wir bitten Sie dringend darum, Maßnahmen zu ergreifen, die die chirurgische Basisversorgung – als wichtiger Teil der medizinischen Grundversorgung – am St.-Josefs-Hospital in Lennestadt-Altenhundem weiterhin gewährleisten.“

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