Es ist das Thema im Kreis Olpe: Bis Freitag, 16 Uhr, soll der Kreis Olpe 400 weitere Flüchtlinge aufnehmen. Noch wissen die Bürgermeister der sieben Kommunen nicht, was auf die zukommt. Dennoch zuversichtlich zeigte sich während der Pressekonferenz von "EiL" in den Pyramiden in Meggen Lennestadts Bürgermeister Stefan Hundt.
Mit Verspätung kommt Stefan Hundt zur Pressekonferenz. Geht eiligen Schrittes zu seinem Platz, die Unruhe ist ihm deutlich anzusehen. EiL-Sprecher Hartmut Schweinsberg übergibt dem Bürgermeister das Wort. Der sich erstmal bei allen ehrenamtlichen Helfern in Lennestadt bedankt: "Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir zusammenhalten."
Und ist schon mittendrin. In dem Thema, das Deutschland derzeit umtreibt, Politiker beschäftigt, Menschen zur Mithilfe auffordert: Flüchtlinge. Bürgermeister Hundt erklärt: "Die Regierungspräsidentin nimmt Landrat Frank Beckehoff in die Pflicht, in Zusammenarbeit mit den Kommunen bis Freitag, 16 Uhr, weitere 400 Flüchtlinge im Kreis Olpe aufzunehmen." (siehe LokalPlus-Rubrik Kreis Olpe)
Mehr wisse er derzeit noch nicht. Die Kommunen seien in diesen Vorgang bisher nicht weiter eingebunden. Doch Hundt weiß schon jetzt: "Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, von der wir bis vor einem Vierteljahr noch nicht einmal etwas geahnt haben."
Die Auswirkungen auf die Infrastruktur seien derzeit noch nicht abzuschätzen. Derzeit liefe noch alles nach Plan. Hundt: "Die "Hardware" läuft: Dank der Unterstützung aus der Bevölkerung haben wir mal noch ein Polster an Unterbringungsmöglichkeiten." Bei der "Software", der Integration der Flüchtlinge, sei man jedoch auf Hilfe angewiesen: "Das können wir alleine nicht bewältigen."
Vor allem wenn man die Zahlen betrachtet, die Stefan Hundt in den Raum wirft: "Bis Ende nächster Woche leben in Lennestadt um die 100 Flüchtlinge, die jünger sind als 18 Jahre. Mindestens die Hälfte davon ist unter sechs Jahre alt."
Wie Schulen und Kindergärten diese Situation bewältigen wollen, steht derzeit in den Sternen: Die meisten Kindergärten sind voll belegt, viele Schulklassen schon am oberen Limit. Um die Situation zu entschärfen, rechnet Hundt schon bald mit Gesetzentwürfen zu diesem Thema.
Trotz aller Sorgen dankt Stefan Hundt auch bei der EiL-Pressekonferenz für die Unterstützung von Ehrenamtlichen, der katholischen und evangelischen Kirche und der muslimischen Mitbürger, die schon jetzt ihre Hilfe zugesagt haben. "Wir sitzen alle in einem Boot. Oberste Priorität hat jetzt, dass keine Obdachlosigkeit entsteht, zweite Priorität ist, die Flüchtlinge gut zu betreuen."