30 Jahre Kindergarten Schatzkiste: Interview zum Geburtstag und zum Abschied
Erzieherin Anita Behrensmeyer im Gespräch
- Lennestadt, 07.06.2020
- Von Kerstin Sauer
Altenhundem. Der Kindergarten Schatzkiste in Altenhundem feiert in diesen Tagen seinen 30. Geburtstag. Von Anfang an dabei war Erzieherin Anita Behrensmeyer, die sich jetzt, nach drei Jahrzehnten Schatzkiste, in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hat – mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie sie im Gespräch mit LokalPlus über den Alltag einer Erzieherin im Wandel der Zeit erzählt.

Ich liebe es seit meiner Jugend, mit Kindern zu arbeiten und sie in ihrem Entwicklungsprozess begleiten zu dürfen. Ich hatte das Glück, mit dem ersten Vorstand der Schatzkiste die Gründung des Elternvereins hautnah mitzuerleben.
Durch die Nähe meiner Wohnung zum Kindergarten erlebte ich auch den Bau der Schatzkiste vom ersten Spatenstich an mit. Der Kindergarten ist sozusagen mein „zweites Zuhause“ geworden. Man müsste die Stunden, die ich in der Schatzkiste verbracht habe, mal zusammenzählen.

Am 7. Januar 1991 öffnete der Kindergartenbetrieb mit 20 Kindern und 3 Erzieherinnen seine Pforten in Räumlichkeiten der St.-Agatha-Grundschule. Das Kindergartenpersonal traf sich einige Wochen vor der Eröffnung, um den Neuanfang vorzubereiten, Mobiliar wurde ausgepackt und aufgebaut und die Räume gestaltet. Ich erinnere mich noch sehr genau an die 20 selbst gebastelten Schneemänner als Einladungskarten, mit denen die Kinder zu ihrem ersten Kindergartentag eingeladen wurden.
Wie waren die Anfänge der Schatzkiste?
Der Marien-Kindergarten war überlastet. Besorgte Eltern trafen sich deshalb im Pfarrzentrum und gründeten am 9. Mai 1990 den Elternverein. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Jürgen Struwe, Jürgen Beckmann, Karl-Joseph Baumhoff, Maria Trapp, Friedericke Spangenberg-Hensel, Martina Bassenhoff und Jochen Dolle. Die erste Leitung hatte Barbara Büdenbender inne, als Ergänzungskräfte wurden Gisela Krist und ich eingestellt.
Kurze Zeit später wurde ein altersgerechter Spielplatz hinter der Grundschule gebaut. Von Beginn an waren sich die Verantwortungsträger einig, dass ein eigenständiges Gebäude für den Kindergarten sobald wie möglich errichtet werden muss.
Als Mutter zweier Kinder wurde ich von Jürgen Beckmann, dem damaligen Vorsitzenden, eingestellt. Meine älteste Tochter wurde eingeschult, meinen vierjährigen Sohn konnte ich in die Einrichtung mitnehmen. Nach acht Jahren Beschäftigung in Teilzeit wurde 1994 mein drittes Kind geboren. Nach der Elternzeit begann ich wieder in der Schatzkiste zu arbeiten. Die letzten fast elf Jahre durfte ich dann in der U3-Arbeit (Krippengruppe) meinen Dienst tun.
Wie hat sich der Beruf der Erzieherin verändert?
Das Berufsbild der Erzieherin hat sich bis heute stark verändert. Die Konzeption der Einrichtung wird ständig überarbeitet und angepasst. Das Wohl des einzelnen Kindes, die religiöse Prägung, der Umgang mit der Natur und die Vorschularbeit standen vor einigen Jahren im Zentrum der Arbeit. Heute legt die Bildungspolitik eine immer wieder auch wechselnde Messlatte an. Die Fachkräfte sind damit herausgefordert, mit viel Kreativität und Kompetenz diesem Auftrag jeweils gerecht zu werden, Entwicklungsdokumentationen zu schreiben und den Alltag an wachsende Sicherheitsstandards anzupassen.
Sehr bewegend war für mich die Zeit, als zunehmend die Gruppenräume von Tischen und Stühlen befreit wurden, damit die Kinder durch viel Bewegung näher dem Ziel ihrer ganzheitlichen Entwicklung kommen. Einige Jahre später entdeckten die Fachleute wieder, dass auch Ruhephasen und konzentriertes Arbeiten auf Stühlen und an Tischen lernfördernd wirken.
In der Schatzkiste arbeitet ein großes Team. 20 pädagogische Mitarbeiterinnen, der Vorstand des Elternvereins und die Leitung verantworten miteinander die Arbeit. Das besondere Profil der Arbeit in der Schatzkiste zeigt sich in der bewussten Wahrnehmung und Unterstützung der emotionalen Intelligenz bei den Kindern. Dazu gehören auch regelmäßige Elterngespräche und die Offenheit für spontan geäußerte Wünsche der Eltern. Das Wichtigste aber ist ein hohes Maß an „Nestwärme“ für die Kinder. Regeln sind gut und wichtig – aber liebevolle Zuwendung ist unser Aushängeschild. Beziehung ist Erziehung!
In den vielen Jahren meiner Arbeit habe ich eine gute Kooperation mit sehr unterschiedlich zusammengesetzten Vorständen des Elternvereins erlebt. Die aktuell im Vorstand engagierten Personen zeigen eine besondere Verbundenheit mit der Arbeit in der Schatzkiste. Die Erzieherinnen finden immer ein offenes Ohr für ihre Anliegen, Fortbildungen werden unterstützt, Projekte und Wettbewerbe werden umgesetzt.
Was wünschen Sie der Schatzkiste zum 30. Geburtstag und sich selbst zum wohlverdienten Ruhestand?
„Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: Kinder, die Natur mit allen Lebewesen und die Sterne am Himmel.“ Was gibt es Schöneres, als fröhliche, lernfreudige kleine Menschenkinder, die wir für eine bestimmte Zeit auf ihrem Lebensweg begleiten dürfen, um sie auf ihr Leben, das zum größten Teil noch vor ihnen liegt, vorbereiten zu dürfen?
Der Kindergarten Schatzkiste ist in den vielen Jahren zu meinem Zuhause geworden. Ich wünsche der Schatzkiste etwas weniger Verwaltungsaufwand und dafür noch mehr Zeit für jedes einzelne Kind und die Pflege des Teams zur Verfügung zu haben.
Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge in den Ruhestand. Das fröhliche Miteinander mit meinen Kolleginnen, der Austausch und vor allem die Begegnungen mit den Kindern und Eltern werden mir sehr fehlen. Ich freue mich auf viel selbstbestimmte Zeit, in der ich meine Hobbys und Interessen verwirklichen kann. Das Reisen, die Kultur, das Lesen und die Pflege meines Gartens werden nicht zu kurz kommen. Mein Mann, meine drei erwachsenen Kinder und mein zweijähriges Enkelkind Hannah werden mich mehr genießen können.
LokalPlus wünscht Anita Behrensmeyer nur das Beste zum wohlverdienten Ruhestand und der Schatzkiste alles Gute zum 30. Geburtstag!
