Zum Weltkindertag: So helfe ich meinem Kind, stark zu werden
LP-Interview mit Peter und Lena Gehle von SMART Family
- Kreis Olpe, 20.09.2026
- Verschiedenes
- Von Kerstin Sauer
Kreis Olpe. Der Weltkindertag am Sonntag, 20. September, steht unter dem Thema „Starke Kinder, starke Zukunft!“. Doch was bedeutet in der heutigen Zeit Stärke – und wie können Eltern, Kitas und Schulen die Kinder unterstützen, stark zu werden? Darauf geben Peter und Lena Gehle von SMART Family (siehe Infokasten) im LokalPlus-Interview Antworten und Tipps für den Alltag.

„Starke Kinder, starke Zukunft“: Dabei geht es nicht um Fitness oder Muskelkraft – was bedeutet „starke Kinder“?
Starke Kinder sind in der Lage, mit Konflikten umzugehen, eigenständig Grenzen zu setzen und – wenn nötig – Hilfe zu holen und anzunehmen. Starke Kinder macht aus, dass sie mit den Herausforderungen des Lebens umgehen können.
Stärke wird oft mit Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen verbunden. Welche anderen Formen von Stärke gibt es?




Andere Formen von Stärke sind, ruhig zu bleiben, Hilfe annehmen zu können und auch mal „Nein“ zu sagen. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, seine eigene Meinung zu vertreten. Aber andersherum ist es genauso wichtig, die Meinung eines anderen Menschen hinnehmen zu können. Stark sein bedeutet auch, Fehler zuzugeben, dazu zu stehen und sich entschuldigen zu können.
Eine große Stärke ist außerdem die Empathie: zu bemerken, wann eine Grenze überschritten wurde, und mitzubekommen, wie es meinem Gegenüber gerade geht. Selbstbewusstsein bedeutet, ich bin mir meiner Gefühle und Bedürfnisse bewusst, und Selbstvertrauen bedeutet, ich vertraue meinen eigenen Fähigkeiten. Das kann schon der Schulweg sein, den das Kind alleine meistert, oder das Brötchen, das es sich alleine beim Bäcker holt.
Was „frisst“ an der Stärke der Kinder?
Dauerhafter Stress, hoher Leistungsdruck, ständige Vergleiche, Konflikte, Ausgrenzung oder schlicht das Gefühl, nicht richtig zu sein. Um selbstbewusst und sicher aufwachsen zu können, brauchen Kinder Sicherheit und Zutrauen. Sie brauchen Eltern und Erwachsene, die die Kinder sehen, sie und ihre Gefühle ernst nehmen und gleichzeitig Freiräume, um sich ausprobieren zu können.
Wie können Eltern ihre Kinder dabei unterstützen, stark zu werden?
Zum einen dürfen Eltern nicht jedes Problem für das Kind lösen. Kinder müssen selbst Erfahrungen sammeln und dann lernen: Ok, es war schwierig, aber ich habe es geschafft. Daraus entsteht die Selbstwirksamkeit: Ich kann selbst etwas bewirken, ich bin kein Opfer, sondern habe Handlungsspielraum.
Es gibt immer Höhen und Tiefen im Leben, das können wir nicht verhindern – wir müssen unseren Kindern beibringen, damit umgehen zu können. Und je besser sie damit umgehen können, desto glücklicher werden sie.
Zum anderen sollte man Kindern nicht immer sofort eine Lösung vorgeben. Eltern können es oft nicht ertragen, wenn Kinder unangenehme Gefühle haben – aber wir und die Kinder müssen lernen, diese Gefühle auszuhalten. Eltern können ihr Kind begleiten, gemeinsam mit ihm nach einer Lösung suchen und ihm das Vertrauen geben: Ich glaube, dass du das schaffen kannst, und wenn du mich brauchst, dann bin ich da.
„Kinder müssen Entscheidungen treffen und Fehler machen dürfen.”
Wie wichtig ist es, Kindern auch Fehler und Rückschläge zu erlauben?

Absolut wichtig. Kinder müssen Entscheidungen treffen und Fehler machen dürfen. Denn sie lernen über die Erfahrungen und nicht, weil Mama etwas sagt. Ein Beispiel: Wenn das Kind im Winter unbedingt ohne Mütze aus dem Haus gehen möchte, dann soll es das tun – wenn es ihm kalt ist, wird es beim nächsten Mal eine Mütze aufziehen. Fehler sind ganz, ganz wichtig für unser Leben. Stellt man die Buchstaben im Wort „FEHLER“ um, haben wir das Wort „HELFER“: Fehler können Helfer sein, durch sie entwickeln wir Lösungskompetenzen.
Viele Kinder wachsen heute mit einem hohen Leistungs- und Erwartungsdruck auf. Wie können wir sie mental stärken?
Indem wir Kindern vermitteln, dass ihr Wert nicht von ihrer Leistung abhängt. Eine schlechte Note darf enttäuschen und ein verlorenes Spiel darf ärgern. Entscheidend ist, was danach passiert: Was hat schon funktioniert? Was kann ich verändern? Und was liegt vielleicht gar nicht in meiner Hand? So lernen Kinder, mit Rückschlägen umzugehen, statt an sich selbst zu zweifeln. Und genau daraus entstehen Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeit und Resilienz.

SMART Family
Peter und Lena Gehle von SMART Family mit Sitz in Altenhundem begleiten Kinder, Jugendliche und Familien in den Bereichen Mobbingprävention, Selbstbehauptung, Resilienz und 1:1-Begleitung für Familien. Sie bieten Trainings in Kindergärten, Schulen und Vereinen sowie für Eltern, Pädagogen und Erzieher an. Dabei werden Situationen konkret geübt. Prävention als A und O: Kinder und Jugendlichen Handlungsstrategien an die Hand zu geben, die sie in der Kita, Schule oder im Verein – dort, wo sie die meiste Zeit verbringen – anwenden können.
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