Zulassungsstopp gefährdet Integrationskurse im Kreis Olpe

20 Teilnehmer betroffen


Symbolfoto zu Sprachkursen. von Caritas in Südwestfalen
Symbolfoto zu Sprachkursen. © Caritas in Südwestfalen

Kreis Olpe. Der bundesweite Zulassungsstopp für Integrationskurse hat auch im Kreis Olpe konkrete Auswirkungen. Beim Bildungsträger IN VIA Olpe sind derzeit 20 Teilnehmer betroffen – genug für einen kompletten Kurs. Verantwortliche warnen, dass dadurch nicht nur einzelne Angebote, sondern langfristig auch gewachsene Strukturen der Integrationsarbeit in der Region gefährdet sein könnten.


„Der Zulassungsstopp für Integrationskurse durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat für unsere Region weitreichende Folgen – und diese gehen deutlich über Zahlen und Statistiken hinaus“, sagt Helena Fleischer, Leitung von IN VIA Olpe.

Wenn Kurse wegen zu geringer Teilnehmerzahlen nicht mehr stattfinden könnten, sei das für Menschen mit Migrationshintergrund „ein enormer Rückschlag“. Die Integrationskurse werden im Kreis Olpe bewusst dezentral angeboten – unter anderem in Attendorn, Lennestadt, Finnentrop und Kirchhundem.

Gerade dort seien stabile Teilnehmerzahlen entscheidend, um die Angebote wirtschaftlich aufrechterhalten zu können. Für die Verantwortlichen stehen hinter den Zahlen vor allem persönliche Geschichten.

„Jede einzelne Teilnehmer ist für uns nicht nur eine Zahl, sondern eine ganz konkrete Lebensgeschichte!”
— Claudia Willeke

„Jede einzelne Teilnehmer ist für uns nicht nur eine Zahl, sondern eine ganz konkrete Lebensgeschichte“, erklärt Claudia Willeke, sozialpädagogische Begleitung der Integrationskurse bei IN VIA Olpe. Hinter den 20 Betroffenen stünden „20 individuelle Lebensgeschichten, 20 Chancen auf gesellschaftliche und berufliche Teilhabe“.

Die Verantwortlichen betonen zudem, dass Integration nicht mit dem Ende eines Sprachkurses aufhöre. Wenn ein Mensch Deutsch lerne, profitierten ganze Familien – etwa Kinder in Schule und Kita oder Angehörige im Kontakt mit Behörden, Ärzten und Arbeitgebern.

Einschränkungen beim Zugang zu Sprachkursen könnten daher weitreichende Folgen für den Alltag vieler Familien haben. Auch für die Einrichtungen selbst ist die Situation kritisch.

Strukturen gefährdet

Arbeitsplätze von Lehrkräften, Mitarbeitern in der Verwaltung und in der sozialpädagogischen Begleitung seien eng mit den Kursangeboten verbunden. Gleichzeitig seien über Jahre gewachsene Strukturen entstanden, die sich nicht einfach pausieren und später unverändert wieder aufnehmen ließen.

IN VIA Olpe versteht seine Stellungnahme deshalb auch als politischen Appell. „Wir wollen verdeutlichen, dass integrationspolitische Entscheidungen nicht abstrakt bleiben dürfen. Sie haben konkrete Auswirkungen in unseren Städten und Gemeinden“, so Helena Fleischer.

Der Beitrag sei ein „Weckruf an die politischen Verantwortlichen“, tragfähige Lösungen zu schaffen, damit Integrationsangebote vor Ort erhalten bleiben.

Hintergrund

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) verhängte im Februar einen vorläufigen Zulassungsstopp für neue Integrationskurse. Grund hierfür sind Haushaltskürzungen.

Es werden keine neuen, freiwilligen Teilnahmen mehr bewilligt, was besonders Asylbewerber, Geduldete und EU-Bürger betrifft. Bestehende Kurse werden weitergeführt.

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