Wirtschaftliche Herausforderungen: Heimische Industrie kriselt
Weniger Neuaufträge
- Kreis Olpe, 07.11.2023
- Wirtschaft
Siegen/Olpe. Die heimische Industrie steht vor ernsthaften Herausforderungen, wie sich in einer aktuellen Umfrage der IHK verdeutlicht. Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der IHK, warnt vor einem schleichenden Exodus und einem möglichen Schaden für die starke Industrieprägung des heimischen Wirtschaftsraumes.

„Der Auftragseingang lahmt derzeit in weiten Teilen der heimischen Industrie. Das Neugeschäft schrumpft sowohl im Inland als auch im Ausland. Die Investitionsneigung ist deutlich rückläufig“, so Gräbener.
Noch schlimmer sei, dass fast jedes fünfte Unternehmen konkret über Standort- oder Teilverlagerungen nachdenke. Klaus Gräbener: „Bleibt es so, können wir uns warm anziehen. Dann droht ein schleichender Exodus, an dessen Ende die seit jeher starke Industrieprägung des heimischen Wirtschaftsraumes deutlichen Schaden nehmen dürfte.“

An der IHK-Umfrage beteiligten sich 210 Industriebetriebe mit mehr als 28.000 Beschäftigten aus den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe. Von dem aus der Politik wiederholt prognostizierten Aufschwung sei die heimische Industrie meilenweit entfernt. Zuversicht fühle sich jedenfalls anders an als der derzeitige Zustand.
58 Prozent der Industriebetriebe in Siegen-Wittgenstein und Olpe geben fallende Inlandsaufträge an – eine Steigerung gegenüber dem Frühjahr um satte 27 Prozentpunkte. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (52 Prozent) melden auch rückläufige Auslandsaufträge – eine Steigerung um immerhin 21 Prozentpunkte.
Von einem ordentlichen Auftragsbestand kann in etlichen Firmen keine Rede mehr sein. Klaus Gräbener: „Sorge bereitet uns der spürbare Rückgang der Produktionsauslastung, den zahlreiche Unternehmen melden. Der Auslastungsgrad rutscht deutlich unter den Durchschnittswert der vergangenen 20 Jahre. Ein klares Indiz für die angespannte konjunkturelle Lage der heimischen Industrie.“

Meldeten im Frühjahr noch 41 Prozent der Betriebe eine Spitzenauslastung von mehr als 85 Prozent, sind es derzeit nur noch 29 Prozent. Der Anteil der Unternehmen, deren Produktionskapazität zu weniger als 70 Prozent ausgelastet ist, hat sich im Vergleich zum Frühjahr sogar verdoppelt, auf 34 Prozent.
Besonders bei den Metallerzeugern und den Herstellern von Metallerzeugnissen ist die Lage angespannt. In diesen Industriezweigen meldet mehr als ein Drittel der Betriebe einen niedrigen Auftragsbestand. Acht von zehn Unternehmen berichten von rückläufigen Auftragseingängen.
Der heimische Maschinenbau manövriert bisher etwas ruhiger durch die Krisen. Zwar gehen auch hier die Neuaufträge zurück, aber der Auftragsbestand und die Auslastung sind in weiten Teilen noch zufriedenstellend.




Der Auslandsumsatz der regionalen Industrieunternehmen ging in den ersten acht Monaten dieses Jahres um drei Prozent zurück – und damit auch der Exportanteil. Machte das Auslandsgeschäft zu Spitzenzeiten (2011) noch etwa 50 Prozent des Gesamtumsatzes aus, sind es aktuell nur noch knapp 42 Prozent. Die Auslandsnachfrage wird inzwischen von fast jedem zweiten Unternehmen als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung eingestuft.
Die finanzielle Lage der Industrieunternehmen bleibt weitestgehend stabil. Wie im Frühjahr melden sieben von zehn Betrieben eine unproblematische Finanzlage. Allerdings berichten doppelt so viele Unternehmen von einem erschwerten Fremdkapitalzugang (zehn Prozent) sowie von Eigenkapitalrückgängen (zehn Prozent).
