Wie viel kostet Polarisierung unsere Demokratie? (Teil I)

Schüler-Kolumne „Die Meinung von morgen“


  • Kreis Olpe, 17.03.2026
  • Schule & Bildung , Verschiedenes
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Symbolfoto. von Adobe Stock / Grafik: Ralph Schneider
Symbolfoto. © Adobe Stock / Grafik: Ralph Schneider

Kreis Olpe. LokalPlus gibt mit der Kolumnen-Reihe „Die Meinung von morgen“ Schülerinnen und Schülern aus dem Kreis Olpe eine eigene Stimme. Wöchentlich teilen Jugendliche unterschiedlicher Schulen aus dem Kreis Olpe ihre Gedanken zu Themen, die sie bewegen – von Demokratie über Digitalisierung bis hin zu Alltag, Freizeit und persönlichen Perspektiven.


Anmerkung der Redaktion: Wegen der Länge des Textes haben wir den Artikel geteilt. Teil II erscheint am Dienstagnachmittag, 24. März.

Alina Mühlhaus ist 18 Jahre alt und lebt in Drolshagen. Sie hat vergangenes Jahr ihr Abitur am Städtischen Gymnasium in Olpe. Sie schreibt:

Junge Menschen gelten als unsolidarischer und selbstsüchtiger, wenn sie später ins Arbeitsleben einsteigen als die jungen Erwachsenen der vorherigen Generationen, und legen dann auch noch Wert auf eine Work-Life-Balance.

Bürgergeldempfängern wird Faulheit und Arbeitsunwilligkeit nachgesagt. Sie lägen dem Staat nur auf der Tasche und es sei nicht fair, dass sie das Geld, das die hart arbeitende Gesellschaft in Form von Steuern zahlt, einfach so bekommen.

Menschen mit Migrationshintergrund werden als kriminell oder gewaltbereit betitelt. Sie kämen nach Deutschland, hielten sich nicht an deutsche Gesetze und würden trotzdem noch finanziell vom Staat unterstützt.

Das Gehirn sucht nach Mustern

Das sind nur drei Beispiele von bestimmten Gruppen, die für gesellschaftliche Probleme verantwortlich gemacht werden. Dabei tragen solche Vorurteile und Pauschalisierungen in der politischen Debatte oft dazu bei, dass bestimmte Gruppen zu einem „Sündenbock“ werden.

Es scheint so, als würde gerade in aufgeladenen politischen Zeiten gegen bestimmte Gruppen gehetzt, weil es eine einfache Klärung der Schuld-Frage ist.

Solche Gruppen scheinen bei der Jagd nach dem einfachen Schuldigen leichter verdaulich zu sein als gesellschaftlich privilegierte Gruppen. Und da scheint es für manche einfacher zu sein, alle über einen Kamm zu scheren. Eine Art Automatismus, denn unser Gehirn sucht nach Mustern.

Ein Beispiel: Kriminalität und Migration

Als Beispiel möchte ich das Vorurteil, dass Menschen mit Migrationshintergrund kriminell seien, anführen, weil die Migrationsdebatte auch in der aktuellen Regierung ein großes Thema ist. Runtergebrochen: Man müsse „illegale“ Migration stoppen, Grenzen strenger kontrollieren und Rückführungen und Ausweisungen vorantreiben. So werde Deutschland wieder nach vorne gebracht. Diese Wortwahl suggeriert, dass Migranten dafür verantwortlich sind, dass Deutschland zurückhängt.

Vielleicht ist es daher für manche Menschen auch leichter, mit dem Finger auf Menschen mit Migrationshintergrund zu zeigen, wenn es um die Kriminalität in Deutschland geht. Denn das Vorurteil muss ja stimmen, wenn die Regierung so stark durchgreifen will, oder nicht?

Nein, nicht unbedingt. Oft lassen sich solche Vorurteile durch Zahlen und Fakten schnell widerlegen. Ich finde es sehr wichtig, dass man erstmal recherchiert, bevor man Thesen, die auf Vorurteilen fußen, in die Welt setzt.

Das Bundeskriminalamt hat im Dezember letzten Jahres das Bundeslagebild 2024 zum Thema „Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass von circa 1,97 Millionen Tatverdächtigen circa 697.000 (35,4 Prozent) nichtdeutsche Staatsbürger und 1,27 Millionen (64,6 Prozent) deutsche Staatsbürger tatverdächtig waren.

Kriminalität ist unabhängig von der Herkunft

Dabei muss natürlich dazugesagt werden, dass auch Menschen mit Migrationshintergrund die deutsche Staatsbürgerschaft haben können und nicht alle nichtdeutschen Staatsbürger einen Migrationshintergrund haben. Trotzdem zeigt die Statistik deutlich: Herkunft allein sagt nichts über Kriminalität aus.

Außerdem scheinen viele zu denken, dass mit der Migration ein Zuwachs an Kriminalität einhergeht. Dabei ist die Kriminalitätsrate in den letzten Jahren gleichbleibend verlaufen. Die Anzahl der polizeilich erfassten Straftaten betrug z.B. 1993 insgesamt rund 6,75 Millionen und im Jahr 2024 insgesamt rund 5,84 Millionen. So ist also trotz mehrerer Flüchtlingswellen und stetiger Migration die Kriminalität leicht gesunken.

Was ich mit den Zahlen klar machen möchte, ist, dass die Kriminalitätsrate nicht an die Migrationsrate geknüpft ist. Kriminalität hat nichts mit der Herkunft eines Menschen zu tun. (Teil II folgt am 24. März)

Alina Mühlhaus macht sich Gedanken zur Demokratie. von privat
Alina Mühlhaus macht sich Gedanken zur Demokratie. © privat

Alina Mühlhaus

(Die hier veröffentlichten Inhalte geben die Position der Autorin/des Autors wieder und entsprechen nicht notwendigerweise der Ansicht der Redaktion.)

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