Wie KI und Digitalisierung die Schule neu formen

Neue Kolumne „Die Meinung von morgen“


  • Kreis Olpe, 30.12.2025
  • Schule & Bildung , Verschiedenes
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LokalPlus startet die neue Kolumnen-Reihe „Die Meinung von morgen“ und gibt damit Schülerinnen und Schülern aus dem Kreis Olpe eine eigene Stimme. von Adobe Stock / Grafik: Ralph Schneider
LokalPlus startet die neue Kolumnen-Reihe „Die Meinung von morgen“ und gibt damit Schülerinnen und Schülern aus dem Kreis Olpe eine eigene Stimme. © Adobe Stock / Grafik: Ralph Schneider

Kreis Olpe. LokalPlus startet die neue Kolumnen-Reihe „Die Meinung von morgen“ und gibt damit Schülerinnen und Schülern aus dem Kreis Olpe eine eigene Stimme. Wöchentlich teilen Jugendliche unterschiedlicher Schulen aus dem Kreis Olpe ihre Gedanken zu Themen, die sie bewegen – von Demokratie über Digitalisierung bis hin zu Alltag, Freizeit und persönlichen Perspektiven.


Merle Nicklaus ist 16 Jahre alt und lebt in Meinerzhagen. Sie besucht die Einführungsphase (EF) des St.-Ursula-Gymnasiums in Attendorn. Lotta Römer, ebenfalls 16 Jahre alt, kommt aus Helden. Auch sie geht am St.-Ursula-Gymnasium Attendorn in die EF. Sie schreiben:

Kaum ein anderes Thema polarisiert Schulen derzeit so stark wie die rasante Ausbreitung von künstlicher Intelligenz. Durch die Digitalisierung verändert sich der Schulalltag grundlegend - das merken auch wir selbst. Schüler*innen lernen auf neue Weise und Lehrkräfte gestalten den Unterricht mithilfe digitaler Materialien.

Diese Entwicklung eröffnet Chancen für kreatives Lernen, birgt jedoch zugleich die Gefahr, dass Bequemlichkeit und Abhängigkeit das selbstständige Denken verdrängen. Wie schmal ist der Grad zwischen Fortschritt und Kontrollverlust wirklich?

Echte Fortschritte

Die Realität zeigt, dass viele Schüler*innen digitale Helfer nicht nur als Unterstützung nutzen, sondern als Abkürzung. Hausaufgaben werden automatisiert erledigt und Texte entstehen per Knopfdruck.

Gleichzeitig eröffnen digitale Lernplattformen neue Möglichkeiten, wie individuelles Lernen, direktes Feedback und passgenaue Übungen. Für uns sind das echte Fortschritte, die ohne KI so nicht denkbar wären.

Tablets verbinden all diese Möglichkeiten unmittelbar mit dem Unterricht. Doch genau das stellt Lehrkräfte vor eine doppelte Herausforderung. Sie müssen nicht nur den Einsatz der Geräte koordinieren, sondern auch einschätzen, ob eine Leistung eigenständig oder mithilfe einer KI entstanden ist. Diese Unsicherheit erschwert faire Bewertung und zeigt, dass Schulen dringend klare Regeln brauchen.

Skepsis bleibt

Auch Zahlen bestätigen die gemischte Stimmung. Laut einer Umfrage der Vodafone Stiftung aus dem Jahr 2024 sehen 73 1 Prozent der Jugendlichen KI als Chance. Gleichzeitig bleibt ein nicht unerheblicher Teil skeptisch und fürchtet Risiken. Wir verstehen beide Seiten, denn auch wir erleben sowohl die Vorteile als auch die offenen Herausforderungen.

Aus unserer Sicht fehlt vor allem eines: echte Kompetenz im Umgang mit KI. Wir nehmen wahr, dass viele KI nutzen, ohne zu verstehen, was dahintersteckt oder wo Grenzen liegen. Zwar wurde auch an unserer Schule mit KI experimentiert und die Lehrer erhielten bereits eine Fortbildung zu diesem Thema, klare Vorgaben für die Schüler fehlen jedoch.

Merle Nicklaus und Lotta Römer (l.). von privat
Merle Nicklaus und Lotta Römer (l.). © privat

Denkbar wäre, dass man bereits in der fünften Klasse eine grundlegende KI-Kompetenz erwirbt, vielleicht sogar in Form eines „KI-Führerscheins“, der zeigt, dass man weiß, wie verantwortungsvoller und kritischer Einsatz funktioniert.

Es braucht verbindliche Regeln

Für die Umsetzung wäre wichtig, dass Schulen verbindliche Regeln zum KI-Gebrauch entwickeln und Lehrkräfte ausreichend geschult werden. Vor allem jedoch braucht es eine gemeinsame Haltung. KI soll ein Werkzeug bleiben, nicht der Ersatz für eigenes Denken.

Für uns zeigt sich der Konflikt heute deutlicher denn je. KI kann Lernprozesse erleichtern, aber sie kann uns auch bequem machen. Damit sie ein Werkzeug bleibt und nicht zum Ersatz für eigenes Denken wird, braucht es eindeutige Vorschriften und Aufgaben, die Eigenleistung sichtbar machen.

Am Ende hängt die Zukunft der Digitalisierung nicht von der Technik ab, sondern davon, ob wir bereit sind, Verantwortung für unser Lernen zu übernehmen.

Merle Nicklaus und Lotta Römer

(Die hier veröffentlichten Inhalte geben die Position der Autorin/des Autors wieder und entsprechen nicht notwendigerweise der Ansicht der Redaktion.)

„Die Meinung von morgen“ – Mach mit!

Du bist Schülerin oder Schüler an einer Schule aus dem Kreis Olpe und möchtest an dem Projekt „Die Meinung von morgen“ teilnehmen oder interessierst dich dafür? Dann schreib uns gerne eine E-Mail an: info@lokalplus.nrw, Betreff: Die Meinung von morgen

Wir freuen uns auf dich!

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