Wie kann Schule gewaltfrei werden? Zwei Schulen erproben neues Konzept

Zusammenarbeit mit der Polizei


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Die Bigge-Lenne-Gesamtschule Finnentrop. von privat
Die Bigge-Lenne-Gesamtschule Finnentrop. © privat

Finnentrop/Attendorn. Freude bei der Bigge-Lenne-Gesamtschule Finnentrop und der Hanseschule Attendorn: Die Schulen wurden als zwei von 20 Pilotschulen des Landes NRW für die Teilnahme am Projekt „miteinander.stark.sicher – gemeinsam für eine gewaltfreie Schule“ ausgewählt.


Was bedeutet das Projekt, wer finanziert es und was kommt auf die Schulen zu?

Das Projekt „miteinander.stark.sicher – gemeinsam für eine gewaltfreie Schule“ ist das neue Gewaltpräventionsprojekt für einen gewaltfreien Schulalltag, das am Mittwoch, 23. September, von NRW-Innenminister Herbert Reul und NRW-Schulministerin Dorothee Feller präsentiert wurde.

Das Konzept beinhaltet Deeskalationstrainings für schulisches Personal und Schüler sowie Gespräche mit Polizeibeamten auf den Schulhöfen. Initiiert wurde es vom Ministerium des Innern und des Ministeriums für Schule und Bildung NRW.

Im Kreis Olpe wurden im schulischen Umfeld 2024 laut Kriminalstatistik der Kreispolizeibehörde Olpe 55 Straftaten verzeichnet, 24 davon waren Gewaltdelikte. Im Vergleich zu 2022 und 2023 ist das ein neuer Tiefpunkt. Doch die Statistik zeigt: „Gewaltfrei“ sind die Schulen im Kreis Olpe nicht – das ist das gesetzte Ziel des Präventionskonzeptes.

Symbolfoto von Microsoft Copilot – mit KI erstellt
Symbolfoto © Microsoft Copilot – mit KI erstellt

Das Projekt zielt darauf ab, Gewalt vorzubeugen, Vertrauen in die Polizei zu stärken und Lehrkräften Sicherheit im Umgang mit Aggressionen und Auseinandersetzungen zu geben.

Die Konzeption ist unterteilt in drei Säulen: Säule 1 umfasst die Unterstützung des Schulpersonals bei Fragen der Vorsorge, des Umgangs mit Gewalt sowie der Nachsorge (Deeskalationstrainings). Säule 2 beinhaltet die Unterrichtseinheiten für die Schüler, Säule 3 die Schulhofgespräche.

Mit der Polizei ins Gespräch kommen

Bezeichnend für das Konzept ist die enge Zusammenarbeit mit der Polizei, die aktive Rollen übernimmt, um die Ziele zu erreichen. So werden Beamte der Kreispolizeibehörde Olpe Unterrichtseinheiten für ein respektvolles und gewaltfreies Miteinander gemeinsam mit den Lehrern leiten und im Rahmen der Schulhofgespräche Präsenz auf dem Pausenhof zeigen – nicht zur Kontrolle, sondern als Einladung für die Schüler zum lockeren Gespräch.

Symbolfoto von Nils Dinkel
Symbolfoto © Nils Dinkel

An der Bigge-Lenne-Gesamtschule (BLG) in Finnentrop sieht man die Teilnahme an dem Projekt vor allem als Chance. Thorsten Vietor, Schulleiter der Gesamtschule, freut sich, dass „seine“ Schule dabei ist und verweist darauf, dass die Schule in dem Bereich schon aktiv sei. „Wir haben ein Gewaltpräventionskonzept, das bereits in den Klassen 5 startet. In den Klassen 7 wird bereits Sozialkompetenztraining angeboten, auch weil die Kinder bei manchen Dingen überfordert sind.“

In Klasse 7 gebe es zudem Konzepte, bei denen Sozialkompetenzen beispielsweise naturverbunden erlebbar gemacht werden. Die Angebote ziehen sich altersgerecht durch die Jahrgänge. Dabei werden auch auch Beratungen in geschützten Räumen angeboten.

Chance, Anstrengungen zu unterstützen

Geplant sind in der Klasse 7 auch Gespräche der Schüler mit Polizeibeamten. Hintergrund ist, dass laut Strafgesetzbuch 14-Jährige bei Straftaten und Vergehen zur Rechenschaft gezogen werden. Weiterhin soll es Veranstaltungen mit Lehrern zur Deeskalation geben. Die Präsenz von Polizeibeamten auf dem Schulhof und Gespräche, die nicht anlassbezogen sind, sollen Vertrauen schaffen.

„Ich freue mich, dass die BLG die Chance bekommt, als eine der ausgewählten Schulen bei diesem Projekt zur Gewaltprävention dabei zu sein und unsere derzeitigen Anstrengungen in diesem Bereich damit weiter zu unterstützen“, sagt Thorsten Vietor.

Die Hanseschule Attendorn setzt sich gegen Rassismus ein. von privat
Die Hanseschule Attendorn setzt sich gegen Rassismus ein. © privat

Regina Fischer, Leiterin der Hanseschule Attendorn, freut sich über die Teilnahme: „Wir als Schulgemeinschaft sehen das Projekt “miteinander.stark.sicher – Gemeinsam für eine gewaltfreie Schule“ als große Chance, gemeinsam neue Wege zu gehen, um jegliche Formen von Gewalt an Schule vorzubeugen und ihr wirksam zu begegnen.“

Seit der Gründung werde an der Sekundarschule Attendorn die Präventionsarbeit großgeschrieben, berichtet Fischer: „Wir haben mittlerweile ein mehrdimensionales Konzept implementiert, das von ganz individuellen Projekttagen und Projektwochen zu Themen wie Rassismus, Mobbing, Sucht bis zu festgelegten Unterrichtsstunden wie „Lions Quest“ in den Jahrgängen 5/6 reicht.“

Auf Gefahren im Alltag vorbereiten

Sie verweist auf individuelle Teambildungstage und vielfältige Angebote für Kleingruppen sowie den Präventionsunterricht im Jahrgang 7, mit denen man die Jugendlichen bestmöglich und alltagsnah auf Gefahren im Alltag vorbereiten und ihnen zeigen wolle, wie ich wichtig es sei, in Gefahrensituationen „Nein“ zu sagen. Fischer: „Wir versuchen, unseren Schülerinnen und Schüler bei jeglicher Art von verbaler, psychischer oder physischer Art präventiv Handlungsoptionen aufzuzeigen, Beratung und Unterstützungssysteme als Anker zu nutzen.“

Komme es im Schulalltag zu „gewaltvollen“ Situationen, wüssten sich die Schüler Hilfe zu holen, so Fischer: „Bei vermeintlich kleinen Streitigkeiten durch Streitschlichter, bei „größeren Sorgen“ durch unser starkes Beratungsteam, bestehend aus Beratungslehrern, dem Team der Schulsozialarbeit und vielen engagierten Akteuren von der Klassenleitung bis zum Schulleitungsteam, sowie Kooperationspartnern.“

Seit jeher wird an der Sekundarschule Attendorn die Präventionsarbeit großgeschrieben. von privat
Seit jeher wird an der Sekundarschule Attendorn die Präventionsarbeit großgeschrieben. © privat

In den vergangenen Jahren habe es schon Präventionsabende für Eltern und Polizeisprechstunden für die Schülerschaft gegeben. Regina Fischer: „Durch das Projekt erhoffen wir uns eine noch engere und kontinuierlichere Zusammenarbeit. Für unsere Schüler wird der durch die Polizeipräsenz ausgestrahlte Sicherheits-/Nahbarkeitsfaktor sicher spannend und eine positive Auswirkung haben.

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