Werthmann-Werkstätten bieten fast blinden Menschen Teilhabe am Arbeitsleben
6. Juni ist Sehbehindertentag
- Kreis Olpe, 06.06.2021
- Verschiedenes
Kreis Olpe. In Deutschland gibt es laut Schätzungen mehr als eine Million sehbehinderte Menschen. Am Sonntag, 6. Juni, ist Sehbehindertentag. Dieser Aktionstag soll auf die Bedürfnisse und Probleme von Menschen mit Sehbehinderung aufmerksam machen. Die Werthmann-Werkstätten des Caritasverbandes Olpe schaffen auch Angebote für Menschen mit Sehbehinderung.

Von den 650 Beschäftigten (Menschen mit Behinderung) haben 14 eine Sehbeeinträchtigung. Die Beeinträchtigungen reichen von der völligen Erblindung bis zu einem geringen Sehvermögen. In einigen Fällen sind diese Beschäftigten schon mit der Beeinträchtigung in die Werkstätten gekommen, in anderen Fällen hat sich das Sehvermögen im Laufe der Zeit verschlechtert.

An allen vier Standorten in Attendorn, Lennestadt, Olpe und Welschen Ennest gibt es individuelle Unterstützungsmöglichkeiten in Form von Leitsystemen. In der Abteilung Attendorn sind in nahezu allen Bereichen Beschäftigte mit Sehbeeinträchtigung beschäftigt.
Melanie Schiffer, Abteilungsleiterin der Abteilung Attendorn, berichtet: „Alle Beschäftigten haben einen individuell angepassten Arbeitsplatz, der es ihnen durch umfangreiche Unterstützungsangebote ermöglicht, trotz der Beeinträchtigung des Sehvermögens am Arbeitsleben teilzuhaben.“
Horst-Günter Pionczewski bereits seit 1974 in den Werthmann-Werkstätten tätig. Er arbeitet mit großer Freude in der Schreinerei der Abteilung. Im Laufe der Jahre hat sich seine Sehleistung verschlechtert, so dass er nur noch wenig Sehvermögen hat. Dies hält ihn jedoch nicht von der Arbeit in der Schreinerei ab. Er unterstützt bei der Herstellung der Schlauchbrücken, unter anderem ist er an der Kreissäge und Quernutfräse tätig.

Mehmet Kazak aus Wenden ist seit 2006 im Büroservice der Abteilung tätig. Durch die völlige Erblindung ist er auf Begleitung und Unterstützung innerhalb der Werkstatt angewiesen. Auf den Laufwegen dienen Handläufe als Orientierung. Freudestrahlend berichtet er von der Unterstützung der Kollegen in der Gruppe: „In einem Gruppengespräch haben wir entschieden, dass es Paten untereinander gibt. So bekomme ich das Material, Getränke und Essen von meinen Paten gebracht. Es ist schön, sich auf die Kollegen verlassen zu können.“
Auch Mitarbeitende erhalten durch Mobilitätstrainer Schulungen im Umgang mit sehbeeinträchtigten Beschäftigten. Zunächst erfolgt eine Bestandsaufnahme vor Ort, um individuelle Gefährdungen zu identifizieren. Auch das Einnehmen einer Mahlzeit in völliger Dunkelheit soll dazu beitragen, sich in die Rolle eines Blinden hineinzuversetzen.
