Wenn Frost und Glätte den Verkehr im Kreis Olpe lahmlegen

Abschleppdienst im Dauereinsatz


  • Kreis Olpe, 13.01.2026
  • Straße & Verkehr , Wetter
  • Von Nils Dinkel
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Beim Abschleppdienst Bormann ist im Winter immer ordentlich zu tun. von privat
Beim Abschleppdienst Bormann ist im Winter immer ordentlich zu tun. © privat

Kreis Olpe. Frostige Nächte, glatte Straßen und Schneefall: Der Winter hat den Kreis Olpe in den vergangenen Wochen fest im Griff – und sorgte für Hochkonjunktur bei den Abschleppdiensten. Beim Abschleppdienst Bormann ist derzeit richtig viel zu tun.


„Der Winter bringt für uns eine deutliche Mehrbelastung“, sagt Geschäftsführer Holger Christ. „Bei Kälteeinbrüchen verdoppelt sich unser Tagesgeschäft oft.“ Mal ist es die Batterie, die in der Kälte ihren Dienst versagt, dann ein liegengebliebener Lkw, ein Auto im Graben oder die Bergung nach einem Unfall.

Die Einsatzfahrzeuge des Drolshagener Unternehmens sind im gesamten Kreisgebiet unterwegs, teils auch darüber hinaus. Aktuell verzeichnet Bormann täglich rund 60 bis 70 Einsätze – verteilt über Früh-, Spät- und Mittagschicht.

Drei Einsatzschwerpunkte

Die Gründe für die vielen Einsätze im Winter sind vielfältig, lassen sich für Holger Christ aber klar einteilen. „Ein Drittel sind Unfälle durch nicht angepasste Geschwindigkeit bei Schnee und Eis“, sagt er. Besonders tückisch seien Höhenlagen, Schneeverwehungen und schattige Straßenabschnitte, in denen sich plötzlich Glätte bilde. „Da, wo es eben noch trocken war, ist es im nächsten Moment spiegelglatt.“

Chef Holger Christ fährt jeden Tag selbst raus, um Menschen zu helfen, die Probleme mit ihren Fahrzeugen haben. von privat
Chef Holger Christ fährt jeden Tag selbst raus, um Menschen zu helfen, die Probleme mit ihren Fahrzeugen haben. © privat

Ein weiteres Drittel seien technische Defekte. „Metall wird bei extremer Kälte spröde. Gerade bei älteren Fahrzeugen, die bereits angegriffen sind, brechen dann Bauteile schlichtweg“, erklärt Christ.

Das letzte Drittel betreffe die Elektrik: „Bei Minusgraden gehen Batterien in die Knie – vor allem bei Hybriden und Hochvoltfahrzeugen.“ Viele dieser Fahrzeuge benötigen eine funktionierende 12-Volt-Starterbatterie, um das gesamte System überhaupt hochzufahren. „Ist die leer, steht das Auto – egal, wie modern es ist.“

Keine Hotspots – Einsätze überall

Einen klassischen Unfallschwerpunkt gibt es laut Christ im Kreis Olpe nicht. „Das verteilt sich erstaunlich gleichmäßig. Wir sind überall unterwegs.“ Das Einsatzgebiet reicht für Versicherungen und Automobilclubs bis nach Siegen, teils in den Märkischen Kreis, in den Kreis Altenkirchen oder in den Oberbergischen Kreis.

Viele Einsätze, so der Unternehmer, ließen sich vermeiden. Ein häufiger Fehler: falsche Sicherheit durch Technik. „Immer mehr Leute fahren Allrad und glauben, das sei ein Allheilmittel. Ist es aber nicht“, warnt Christ. Gerade in Kurven verhalte sich ein Allradfahrzeug anders als ein klassischer Frontantrieb. „Die Hinterachse kann eher ausbrechen, das Fahrzeug schiebt nach außen.“

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Beim Abschleppdienst Bormann ist im Winter immer ordentlich zu tun.

Auch moderne Hybrid- und Elektrofahrzeuge stellten Fahrer vor neue Herausforderungen. „Der Elektromotor hat seine volle Leistung sofort – unabhängig von der Geschwindigkeit. Dazu kommt das höhere Gewicht durch die Batteriesysteme. Viele fahren Kurven wie mit dem alten Verbrenner. Physikalisch will das Auto dann geradeaus – und landet im Graben.“

Auf extreme Wetterlagen ist der Betrieb vorbereitet. Wenn viele Notrufe gleichzeitig eingehen, entscheidet der Disponent über die Reihenfolge. „Ein Fahrzeug ohne Heizung auf der Straße kann schnell zur Gefahr werden, das kann ein medizinischer Notfall werden. Solche Fälle haben Priorität vor jemandem, der sicher zu Hause feststeckt.“

Der Chef fährt selbst raus

Trotz Bürodienst und Verantwortung sitzt Holger Christ regelmäßig selbst im Fahrerhaus. „Ein Mitarbeiter sollte wissen, dass er einen Chef hat, der die Arbeit beherrscht und alles zeigen kann“, sagt er. „Man sollte Ahnung von der Materie haben – deshalb fahre ich grundsätzlich jeden Tag auch selbst mit raus.“

Auch diesen Bus brachte der Abschleppdienst Bormann im vergangenen Jahr wieder auf die Straße. von Nils Dinkel
Auch diesen Bus brachte der Abschleppdienst Bormann im vergangenen Jahr wieder auf die Straße. © Nils Dinkel

Sein wichtigster Rat an alle Verkehrsteilnehmer im Kreis Olpe: „Fahren Sie nicht um jeden Preis.“ Gerade auf Nebenstrecken ohne Winterdienst kämen viele Menschen in Schwierigkeiten – oft, weil sie stur dem Navigationsgerät folgen. „Da liegt meterhoch Schnee, und trotzdem wird weitergefahren, bis man feststeckt. Wir können auch nicht zaubern – auch wir haben irgendwann unsere Leistungsgrenze.“

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