Weniger Geld, höhere Kosten: Kita-Teams gehen auf dem Zahnfleisch
So spitzt sich die Lage zu: Ein Besuch im Kindergarten Arche in Elspe
- Kreis Olpe, 20.02.2026
- Verschiedenes , Schule & Bildung
- Von Kerstin Sauer
Kreis Olpe / Elspe. Es war eine Schocknachricht für die Kitas in NRW: Während die Kosten für Kita-Träger steigen und steigen, senkt die Landesregierung die KiBiz-Pauschalen (KiBiz = Kinderbildungsgesetz) für die Kitas. Eine politische Entscheidung im fernen Düsseldorf, die teilweise dramatische Auswirkungen auf Träger, Mitarbeiter, aber auch Eltern und Kinder hat. LokalPlus war zu Besuch im Kindergarten Arche in Elspe, der zu den WIR-KITAs gehört, und hat nachgefragt: Was bedeuten die Pläne für den Kita-Alltag?


Es ist Mittwochmorgen. Petra Grawinkel, Leiterin der Arche, steht mit vier Kolleginnen aus den einzelnen Gruppen zusammen. Sie stimmen sich ab: Wie viele Kinder sind heute da, wie viele Kolleginnen? Wer ist zum Mittagessen angemeldet, wer bleibt wie lange?
„Das müssen wir jeden Morgen machen“, erklärt Petra Grawinkel, denn: „Fehlen Mitarbeiter krankheitsbedingt, versuchen wir, den Dienstplan anzupassen. Wir arbeiten ja ohnehin in Schichten, da die Kinder bis zu 45 Stunden bleiben“. Soll heißen: Wer kann wo einspringen? Wer kann länger bleiben, wer im Notfall auf seinen freien Tag verzichten?
Falls nicht genug Mitarbeiter da sind, ist die ungeliebte, aber manchmal notwendige Konsequenz eine Bedarfsabfrage bei den Eltern, wer sein Kind heute zu Hause betreuen kann. Was nicht immer gut ankommt, weiß Petra Grawinkel: „Verständlicherweise. Die Eltern verlassen sich auf die Kita, sind oft auf die Betreuung angewiesen.“
Die Kommunikation sei hier der Schlüssel: „Den Eltern muss erklärt werden, dass wir wirklich alles unternehmen, um den Kita-Betrieb am Laufen zu halten. Wenn es aber absolut nicht geht, müssen wir auch Einschränkungen vornehmen und Betreuungszeiten reduzieren.“

Schon alleine aus rechtlichen Gründen, so erklärt Claudia Sternberg, als Regionalleitung bei den WIR-KITAs für die Arche zuständig. Denn: „Das Team hat eine Aufsichtspflicht. Wenn zu wenige Mitarbeiter da sind, wird die Betriebserlaubnis – die Grundlage für die Arbeit in den Kitas – unterschritten. Dann muss etwas passieren, und dies immer in Abstimmung mit uns als Träger. Wir melden dann an das Jugendamt und Landesjugendamt.“
Die Arche in Elspe ist mit 82 Kindern eine große Kita. „Je größer die Einrichtung, desto eher können die Mitarbeiter Ausfälle kompensieren“, weiß Claudia Sternberg. Kleinere Kitas hätten mit der Situation noch mehr zu kämpfen. Und, so führt sie aus: „Es geht in einer Kita ja nicht nur um die Betreuung. Jede Einrichtung ist ein kleines Unternehmen, das organisiert werden muss.“ Das fange bei Elterngesprächen an, gehe über Gebäudemanagement bis hin zu simplen alltäglichen Abläufen.
Die Arbeit als Erzieher ist fordernd. Bei Gruppengrößen von bis zu 25 Kindern, die individuell gesehen, liebevoll betreut und gefördert werden wollen, ist -gerade bei personellen Fehlzeiten - eine Überforderung auf allen Seiten vorprogrammiert. Kinder zeigen diese Überforderung oft durch herausforderndes Verhalten. Und alle Familien bringen ihre Geschichten mit in die Kita - Erlebnisse, Sorgen, Handicaps, den Spagat zwischen Familie und Beruf.

Nicht nur Inklusionskinder brauchen dabei eine enge Begleitung – in diesen Rahmenbedingungen kaum leistbar, vor allem mit Blick auf die Belastung der Mitarbeiter. Claudia Sternberg erklärt: „Der Krankenstand ist hoch. Zum einen aufgrund der psychischen Belastung, aber auch, weil besonders in den Wintermonaten viele Krankheiten in den Kitas umhergehen und sich Mitarbeiter anstecken.“
Und trotzdem: Petra Grawinkel versucht – wie viele andere Kita-Leitungen – den Betrieb in Elspe am Laufen zu halten. „Wenn es zum Beispiel ab donnerstags eng wird, sagen wir: Komm, bis zum Wochenende schaffen wir das. Oder wenn das Wetter gut ist, wissen wir: Wir können raus gehen, da können die Kinder toben.“
Aber wie lange kann ein Team diese Dauerbelastung ertragen? Die Leiterin antwortet sofort: „Wir versuchen alles. Doch sobald ich merke, dass die Mitarbeiter am Limit sind, muss ich die Bremse ziehen.“
