Was ihr seht – Was wir fühlen

Schüler-Kolumne „Die Meinung von morgen“


  • Kreis Olpe, 24.02.2026
  • Schule & Bildung , Verschiedenes
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Symbolfoto. von Adobe Stock / Grafik: Ralph Schneider
Symbolfoto. © Adobe Stock / Grafik: Ralph Schneider

Kreis Olpe. LokalPlus gibt mit der Kolumnen-Reihe „Die Meinung von morgen“ Schülerinnen und Schülern aus dem Kreis Olpe eine eigene Stimme. Wöchentlich teilen Jugendliche unterschiedlicher Schulen aus dem Kreis Olpe ihre Gedanken zu Themen, die sie bewegen – von Demokratie über Digitalisierung bis hin zu Alltag, Freizeit und persönlichen Perspektiven.


Züleyha Yildiz ist 16 Jahre alt und lebt in Attendorn. Sie besucht die 11. Klasse der St.-Ursula- Gymnasiums in Attendorn. Sie schreibt:

Manchmal habe ich das Gefühl, dass Erwachsene uns am Handy sehen und sofort auf Alarmstufe Rot schalten.„Du bist den ganzen Tag am Handy!“ „Eure Generation kann ja gar nicht mehr ohne Handy!“ „Immer nur dieses Handy. Ihr lebt doch in eurer eigenen kleinen Bubble!“ Handy Handy Handy.

Wir haben es alle schon gehört, aber vielleicht ist das Problem nicht das Handy, sondern die Perspektive darauf. Social Media ist kein anderes Universum, in das wir nur flüchten, wenn es uns mal schlecht geht. Es ist ein Ort der Zugehörigkeit. Wir treffen Menschen, die dieselben Träume, Probleme und Hobbys haben wie wir.

Für sehr viele ist es ein Ort, an dem man sich weniger einsam fühlt. Wo man Menschen mit demselben Humor findet. Wo man Menschen findet, die sich in derselben Situation befinden oder wo man einfach man selbst sein kann, ohne ein schlechtes Gewissen.

Eine neue Art von Druck

Natürlich gibt es auch Schattenseiten: Ablenkung, Druck und Vergleiche. Aber darüber wissen wir Bescheid, wahrscheinlich besser als manche Erwachsene glauben. Wir wissen, dass es uns beeinflussen kann, und wir versuchen, damit umzugehen.

Nur darf man nicht vergessen: Erwachsene vergleichen sich auch – nur auf andere Art. Auf der Arbeit, in Gesprächen, mit Erwartungen, die von außen kommen. Bei uns passiert das halt digital. Der Druck ist nicht neu, er sieht nur anders aus.

Viele unterschätzen, dass wir die erste Generation sind, die alles gleichzeitig lernt: Mit Druck umgehen, mit dem Leben umgehen, aufwachsen – und das tun wir online und offline. Erwachsene erwarten von uns, dass wir das Handy richtig nutzen, aber was „richtig“ eigentlich heißt, das sagt uns niemand.

Verständnis statt Vorwurf

Wir probieren aus. Wir machen Fehler. Wir lernen. Das ist eine Gemeinsamkeit mit allen anderen Generationen. Nur wir tun es halt mit WLAN. Dass wir am Handy sind, ist uns ja klar. Wir verstecken das nicht mal. Aber es wäre viel hilfreicher, wenn Eltern nicht nur jammern würden, sondern auch interessiert fragen würden.

Viele von uns wären sogar froh, wenn Eltern wirklich verstehen wollen würden, was wir da machen – statt nur anzunehmen, dass es sinnlos ist. „Was tust du eigentlich so am Handy?“ „Weshalb bist du so oft am Handy?“ Solche Fragen zeigen Interesse, nicht Vorwurf.

Liebe Eltern, bitte nicht nur Grenzen setzen, sondern auch Gespräche suchen. Es bringt uns nichts, wenn ihr viermal am Tag sagt: „Du bist viel zu oft am Handy.“ Wie lange wir am Handy sind, können wir selbst sehen.

Verbunden auf eine andere Weise

Was wir aber manchmal nicht sehen, ist, wie ihr euch dabei fühlt – dass ihr Angst habt, dass wir uns isolieren oder euch nicht mehr brauchen. Das verstehen wir. Wirklich. Manchmal wirkt es für euch bestimmt so, als würden wir hinter dem Bildschirm verschwinden, dabei versuchen wir nur, unsere Welt zu sortieren und ein bisschen Kontrolle zu behalten.

Aber isoliert sind wir nicht. Wir sind verbunden, nur auf eine andere Weise, als ihr es kennt. Wir brauchen Eltern, die uns zutrauen, verantwortungsbewusst zu werden. Nicht über Nacht, aber Schritt für Schritt. Und wir brauchen Eltern, die sehen, dass das Handy nicht der Feind ist – sondern ein Teil unserer Welt.

Züleyha Yildiz

(Die hier veröffentlichten Inhalte geben die Position der Autorin/des Autors wieder und entsprechen nicht notwendigerweise der Ansicht der Redaktion.)

„Die Meinung von morgen“ – Mach mit!

Du bist Schülerin oder Schüler an einer weiterführenden Schule aus dem Kreis Olpe und möchtest an dem Projekt „Die Meinung von morgen“ teilnehmen oder interessierst dich dafür? Dann schreib uns gerne eine E-Mail an: info@lokalplus.nrw, Betreff: Die Meinung von morgen.

Wir freuen uns auf dich!

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