„Warum schauen wir weg, wenn Kinder in der Schule nichts mehr essen?“

Milch wieder in Schulen und Kigas bringen


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Hille Hansmann-Machula weiß, dass Milch kein Getränk, sondern ein Nahrungsmittel ist und möchte dass es in Schulen und Kigas angeboten wird. von Nicole Voss
Hille Hansmann-Machula weiß, dass Milch kein Getränk, sondern ein Nahrungsmittel ist und möchte dass es in Schulen und Kigas angeboten wird. © Nicole Voss

Weringhausen. Hille Hansmann-Machula hat eine Vision: Sie möchte die Milch wieder an den Schulen und Kindergärten etablieren. Die Weringhauserin kann ihren Wunsch auch begründen. „Für mich gehört Milch zur kindlichen Ernährung dazu. Milch ist kein Getränk, sondern ein Nahrungsmittel. Es muss ja auch nicht viel sein.“


Im Jahr 2021 waren es noch 100 von 2.000 Schulen in NRW, die Schulmilch im Programm hatten. Konsequenz: Die Firma Campina verabschiedete sich als Lieferant vom Markt. Seitdem ist die Milch aus den Schulen und Kindergärten quasi verschwunden.

Eine Tatsache, die Hille Hansmann-Machula so nicht hinnehmen möchte. Eine Idee ist es, dass Milch, gekoppelt an das Schulobst-Programm angeboten wird und die Schulen und Kindergärten zwei- bis drei Mal pro Woche beliefert werden. In einigen Schulen gibt es die Milch, gefördert durch das Landwirtschaftsministerium NRW, kostenlos.

Eine Vision wäre es, dass die milch bereit steht und sich die Kinder einfach bedienen können. von Pixabay.com
Eine Vision wäre es, dass die milch bereit steht und sich die Kinder einfach bedienen können. © Pixabay.com

Laut Hille Hansmann-Machula nicht besonders zielführend, da es ein sehr großer Aufwand sei, sich jedes Jahr neu für das Förderprogramm zu bewerben und nur ein ausgewählter Kreis an Kindern in den Genuss komme. Ferner plädiert die Weringhauserin dafür, dass die Eltern einen geringen Anteil dazu zahlen, da Milch wie alle landwirtschaftlichen Lebensmittel einen Wert habe. Wenn sie kostenlos sei, gehe das Bewusstsein dafür verloren.

Hille Hansmann-Machula beschäftigt sich seit 1999 für die Landesvereinigung Milch NRW mit Schulmilch im Unterricht. Seinerzeit nutzte die Hauswirtschaftsmeisterin als einzige in den Kreisen Olpe und Siegen die Gelegenheit zu einer Weiterbildung. Seitdem ist die Landwirtin im Nebenerwerb regelmäßig in Kindergärten und Schulen zu Gast, gibt ihr Wissen weiter und zählt auch die Vorzüge der Milch als Nahrungsmittel auf.

Früher selbstverständlich

Gerne erinnert sich die Hauswirtschaftsmeisterin an die Zeiten, in denen es selbstverständlich war, Milch in Schulen und Kindergärten zu bestellen. „Das war auch dem Einsatz der Lehrer und der Hausmeister zu verdanken. Heute ist es schwieriger, da es nicht mehr an jeder Schule einen Hausmeister gibt, sondern einer für mehreren Schulen zuständig ist“, erklärt Hille Hansmann-Machula, die auch mahnt: „Viele Kinder essen in der Schule nichts mehr. Warum schauen wir weg?“

Die Kinder mitnehmen

Hansmann-Machula ist der Überzeugung: „Wir müssen die Kinder mitnehmen und ihnen Milch, Joghurt und Müsli schmackhaft machen.“ Bei der Frage, wie das gelingen könne, bringt sie die einzige Hofmolkerei im Kreis Olpe, „Volle Kanne“ in Drolshagen, ins Spiel.

Beim Gemeinschaftsbetrieb der Familien Alterauge und Engels in Drolshagen gebe es nur einen kurzen Weg von der Kuh bis zur fertigen Trinkmilch, Sahne oder zum Joghurt. Die Milch werde in unmittelbarer Nähe schonend pasteurisiert und zu Milchprodukten verarbeitet, die dann in einem Umkreis von ca. 50 Kilometern im Regal landen können. Die kurzen Wege ermöglichen maximale Frische und besten Geschmack. Mit einem Partner für die Logistik an der Seite könnte das Vorhaben gelingen. Dafür macht sich Hille Hansmann-Machula weiterhin stark.

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