Wachdienst am Biggesee: Mit dem DLRG-Boot auf Kontrollfahrt

Mit der Ortsgruppe Oberhundem unterwegs


  • Kreis Olpe, 11.08.2018
  • Von Christine Schmidt
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Ehrenamtlich sind die DLRGler an Wochenenden am Biggesee im Einsatz. von Christine Schmidt
Ehrenamtlich sind die DLRGler an Wochenenden am Biggesee im Einsatz. © Christine Schmidt

Kreis Olpe. 25 Grad Celsius – und heute ist tatsächlich der „kälteste“ Tag der Woche. Die Sonne knallt auf den Biggesee, der in dem Licht funkelt. Schon am Straßenrand stehen die Autos mit unterschiedlichsten Nummernschildern - hunderte Badegäste liegen am Ufer. Um im Notfall für diese vor Ort zu sein, leistet die DLRG hier am Wochenende Wachdienst – ehrenamtlich. Weil es ihr Hobby ist. LokalPlus-Volontärin Christine Schmidt hat die DLRG-Ortsgruppe Oberhundem am Sonntag, 5. August, besucht.


„Obwohl heute nicht sehr viel los ist“, sagt Carsten Picker, Vorsitzender der Ortgruppe Oberhundem. An den anderen Tagen hingegen sei es hier richtig voll gewesen. Jetzt ist es überschaubar – den Leuten reiche es mit der Hitze, lacht Picker. Er ist heute zum dritten Mal mit seiner Truppe aus Oberhundem angereist – samt DLRG-Boot. „Albatros“ heißt es.

Carsten Picker, der auch in Oberhundem wohnt, ist seit 1986 DLRG-Mitglied. Der 43-Jährige arbeitet in der Logistik der Firma Mennekes. Nach Feierabend und am Wochenende tauscht er seine Arbeitskleidung gegen eine kurze Hose und das rote DLRG-T-Shirt. Mit einer Sonnenbrille und einer Kappe auf seinem Kopf, die sein helles Haar verbirgt, kann der Dienst beginnen.
An Land tauchen lernen
Zum heutigen Einsatzteam gehören die Erwachsenen. Niklas, Basti, Gina und eben Carsten. Aber auch zwei „JETis“ (Jugendeinsatzteam) sind mit an der Wachstation, Hanna und Katharina. Die zwei lernen gerade Leinenführung mit Basti, einem ausgebildeten Einsatztaucher. Mit einem langen orangenen Seil gibt er ihnen durch kurze ruckartige Bewegungen Zeichen.

Das eine Ende des Seils hält der Taucher unter Wasser, das andere Ende hat der Leinenführer im Boot. So kann der Führer von oben Zeichen geben. Unter anderem, in welche Richtung getaucht werden soll oder ob es den Tauchern im Wasser gut geht. Basti übt mit den zwei Mädels aber natürlich an Land. Der Rest der DLRG-Gruppe sitzt am großen Tisch und sucht Schatten unter einem Sonnenschirm, das Funkgerät in der Mitte platziert.

Immer wieder rauschen neue Einsatzmeldungen durch den Lautsprecher, für den Laien kaum zu verstehen. Für die DLRG bleibt es an diesem Tag ruhig. „Es ist wirklich erstaunlich, dass hier an der Bigge so wenig passiert“, sagt Picker. Denn Badeseen und Flüssen könne man natürlich mit einem Bad nicht vergleichen. Große Temperaturunterschiede, Wellen, Wind, steinige Ufer – alles kann für Badegäste schnell gefährlich werden.
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In Deutschland gab es in diesem Jahr schon viele Todesfälle durch Ertrinken. Einer der größten Faktoren, warum das Schwimmen im offenen Gewässer riskant ist, sei die Tatsache, dass viele ihre Kraft unterschätzen, sagt Carsten Picker mit zusammengepressten Lippen. Vom einen Ufer zum anderen könne einem schnell die Puste ausgehen.

„So wie dahinten“, sagt der DLRG-Vorsitzende und zeigt auf einen einsamen Schwimmer im Wasser, der weit vom Ufer entfernt ist. Mit Argusaugen erkennen die DLRGler auch aus 100 Meter Entfernung einen winzigen Punkt sofort als Schwimmer. „Obwohl man natürlich nicht jede Ecke im Blick haben kann“, sagt der Oberhundemer und lässt seine Hände auf den Tisch fallen. „Das kann man an dem großen See gar nicht leisten.“

Wer hier zum Baden hinkommt, sollte sich bewusst sein, dass es keine „Rundumbetreuung“ gibt. Aber die Rettungsschwimmer versuchen, ihre Augen und Ohren überall zu haben. Pickers Blick geht auch sofort Richtung Yacht-Hafen, als ein kleines Kind laut weint – aber keine Gefahr.
Auch Tiere müssen gerettet werden
Zu dem Aufgabengebiet der DLRG gehört so ziemlich alles: Ob Pflaster kleben, aufgeschürfte Beine verarzten, die Begleitung von Regatten, technische Probleme bei Seglern oder auch Hilfeleistung für die Rettungsdienste – die Szenarien sind ganz unterschiedlich. „Unsere Hauptaufgabe hat nur zum Teil mit den Badegästen zu tun“, erklärt Picker. „Wir kümmern uns auch um Tiere oder wetterbedingte Einsätze wie Überschwemmungen.“

Dass das Leben von Personen gerettet werden musste, kam 2017 im gesamten Südsauerland Bezirk dreimal vor. Rund 8000 Stunden waren die Mitglieder im Einsatz. Hilfeleistungen bei Personen gab es im vergangenen Jahr 49. Die meisten Rettungsaktionen können dabei vom Boot aus gelöst werden. Um auch für die Schwimmer und Sportler auf dem See ansprechbar zu sein, sind die einzelnen Truppen zwischendurch immer mit dem Rettungsboot unterwegs.
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Das Seil wird losgebunden, der „Albatros“ von der Anlegestelle zurück ins Wasser geschoben. Carsten Picker, Gina und Katharina übernehmen die Kontrollfahrt. Die zwei Mädels schnallen sich die Rettungsweste über das rote Shirt. Dann geht es los. Picker fährt das Boot. Er ist ein etwas hellerer Hauttyp. Und eigentlich mag er die Hitze nicht so. „Ich fahre lieber bei richtig starkem Regen über den See“, lacht er.

Langsam schippert das Boot mitten über den Biggesee. Bloß nicht zu nah ans Ufer, aber der langjährige DLRGler ist Profi. Da heute endlich wieder ein Wind weht, sind auch viele Segler unterwegs. Einer nach dem anderen grüßt die DLRGler. Man kennt sich hier. „Die Segler sind auch froh, dass wir da sind, und umgekehrt“, grinst Picker, der am Lenkrad steht.
Nicht jeder Schrei bedeutet Hilfe
Am Ufer schreit ein Mädchen. „Man darf nicht jedes Quietschen beachten“, sagt der 43-Jährige – denn ob es sich um einen Ernstfall handelt, können die Lebensretter nach langer Erfahrung einschätzen. Der Gashebel wird nach vorn gedrückt, und das Boot nimmt weiter Fahrt auf. Es geht Richtung „Badestelle Schnüttgenhof“.

Die drei Rettungsschwimmer schauen immer wieder nach links und rechts an die Ufer, ob etwas Auffälliges zu beobachten ist. Ein Mann schwimmt zwischen den Segelbooten. Picker sagt dazu allerdings nichts mehr und schüttelt leicht den Kopf. „So etwas weiß man einfach, dass das gefährlich sein kann.“
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Wachdienst am Biggesee: Mit dem DLRG-Boot auf Kontrollfahrt
Genau wie Alkohol: Immer mehr Menschen sieht man mit riesigen bunten Matratzen auf dem Wasser treiben – Halter für Bier teilweise inklusive. Der Ortsgruppen-Vorsitzende erklärt, wie gefährlich es ist, in der Sonne Alkohol zu trinken und dann mit dem erhitzten Körper ins kalte Wasser zu springen: „Da macht der Kreislauf dann auch mal schnell den Abgang. Aber Alkohol macht die meisten eben überheblich“, seufzt Picker. 

Und schon eine Minute später macht ein junger Mann das Beispiel, wie es nicht sein sollte, vor und springt von seinem „Partyboot“ ins Wasser. Selbst wenn es an den Strandbädern eigene Badeaufsichten gibt, ist das keine Garantie, erklärt der Oberhundemer. „Bis die Aufsicht im Wasser ist und dann dahin geschwommen ist, das dauert.“
"Großer Haufen Beklopptheit"
Zurück an der Wachstation gibt es erst mal für alle hungrigen Rettungsschwimmer etwas vom Grill. Niklas ist heute der Meister am Grill. Die Wurst ins Brötchen gepackt, sitzt das Team zusammen. „Ja, zu unserem Hobby gehört schon viel Engagement, aber auch ein großer Haufen Beklopptheit“, sagt Carsten Picker. Die ganze Gruppe Rettungsschwimmer lacht. Spaß und Teamgeist: Genau deshalb sind auch alle mit Herzblut dabei. Die DLRG ist für alle ein tolles Hobby. Und die DLRG ist für sie eine tolle Gemeinschaft.
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Mit 16 Jahren ist die Ausbildung zum Rettungsschwimmer möglich. Dazu kommt die Erste-Hilfe-Ausbildung,. Damit hat man dann das „Rüstzeug“ für de weiteren Weg. Daran kann die Ausbildung zum Wasserrettungsdienst abgeschlossen werden oder auch eine Sanitätsgrundausbildung.

Die DLRG bietet zudem auch Spezialausbildungen wie die zum Einsatztaucher oder Bootsführer an. Jugendliche unter 16 Jahren gehören zum JET (Jugeneeinsatzteam) und werden auf die Einsätze als Lebensretter mit verschiedenen Übungen vorbereitet. Sie dürfen auch bei den Aufsichten dabei sein und bei kleinen Aufgaben assistieren.
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