Vortrag in Grevenbrück: Mensch und Wald – ein gespanntes Verhältnis

Auf Einladung des Kreisheimatbundes


Dr. Bernward Selter (l.) mit der Kreisheimatpflegerin Susanne Falk (r.) und der Vorsitzenden des Kreisheimatbundes Andrea Arens. von Markus Arens
Dr. Bernward Selter (l.) mit der Kreisheimatpflegerin Susanne Falk (r.) und der Vorsitzenden des Kreisheimatbundes Andrea Arens. © Markus Arens

Grevenbrück. Gut 100 gespannte Zuhörer hat der Historiker Dr. Bernward Selter (Wald und Holz NRW, Zentrum für Wald und Holzwirtschaft) jetzt bei seinem Vortrag im KulturBahnhof Grevenbrück mit auf eine informative Zeitreise zur Entwicklung des Waldes im westfälischen Raum genommen.


Seine wesentliche These zum Aspekt der Nachhaltigkeit bei der Nutzung des Waldes lautete ernüchternd: Weder im Mittelalter noch in der Neuzeit gab es diese Nachhaltigkeit, da der Mensch den Wald als Lebens- und Wirtschaftsraum rigoros ausnutzte.

In den früheren Jahren verhinderte vor allem die Einheit von Land- und Forstwirtschaft eine nachhaltige Bewirtschaftung. „Der Wald war wie leergefegt“, lautete ein Fazit von Dr. Bernward Selter. Alles, was der Wald hergab, wurde vom Menschen in Anspruch genommen. Man spricht deshalb geradezu von einem ‚hölzernen Zeitalter‘.


Dr. Selter während seines Vortrags im Kulturbahnhof Grevenbrück. von Andrea Arns
Dr. Selter während seines Vortrags im Kulturbahnhof Grevenbrück. © Andrea Arns

Es begann mit dem Wald als Viehweide. Laub und Knospen wanderten in die Tiermägen und besonders die Eicheln waren für die Schweinemast unentbehrlich. Laub diente als Streu im Stall. Teils wurde Oberboden aus dem Wald in Soden (Plaggen) abgestochen und im Stall ausgelegt und im Frühjahr mit den Ausscheidungen der Tiere vermischt als Dünger aufs Feld gebracht.

Das wichtigste Produkt des Waldes bestand im Nutzholz. Es fand seinen Einsatz als Brennstoff, dann beim Bau von Werkzeugen und Gebäuden. Statistisch lässt sich errechnen, dass die etwa 33.040 im Jahre 1836 im Herzogtum Westfalen vorhandenen Haushalte mehr als 385.000 Kubikmeter an Brennholz benötigten.

Das Zeitalter der Metalle (Bronze, Eisen) ist nicht denkbar ohne die Holz- bzw. Waldnutzung. Dass auch dafür Unmengen an Bäumen gefällt wurden, macht das Verhältnis deutlich: Für einen Gewichtsanteil Roheisen wurden ca. 25 Gewichtsanteile Holz benötigt.

Förster Lorenz Lüke-Sellhorst (mit Mikro links), Kreisheimatpflegerin Susanne Falk und Dr. Selter bei der Aussprache im Anschluss an den Vortrag. von Andrea Arens
Förster Lorenz Lüke-Sellhorst (mit Mikro links), Kreisheimatpflegerin Susanne Falk und Dr. Selter bei der Aussprache im Anschluss an den Vortrag. © Andrea Arens

Ein Erlass des hessischen Großherzogs Ludwig beschreibt 1810 einen desolaten Zustand des Waldes im Amt Olpe: „Der größte Teil der Waldungen in Unserem Amte Olpe ist durch Teilung in kleine Stücke, durch forstwirtschaftliche Behandlung, durch Mangel am Forstschutz und durch ungeregelte Weideberechtigungen verwüstet, und unabsehbares Elend droht dieser Gegend, wenn nicht unverzüglich zweckmäßige Gegenmittel ergriffen werden.“ Dieser Ausbeutung des Waldes versuchte man mit Beschränkungen der Produktionszeiten sowie Holzkohlesperren beizukommen.

Siegeszug der Fichte

In der Neuzeit begann begann in Südwestfalen der „Siegeszug der Fichte als Brotbaum“ und mit ihr die Umwandlung des Waldes zu einem Holzproduktionswald. Diese Art des Waldes führte und führt allerdings dazu, dass in Folge von Sturmschäden, Trockenheit und Borkenkäferbefall der Fichte der Boden geradezu unter den Füßen weggezogen wurde und die Natur Südwestfalens zur Zeit von Kahlflächen geprägt wird.

Der Schwerpunkt bei der Aussprache im Anschluss an den Vortrag lag auf der drängenden Frage nach der Zukunft des Waldes im Sauerland. Heiß diskutiert wurde die Frage nach dem zukünftigen „Brotbaum“ der Forstwirtschaft. Genannt wurden Douglasie, Küstentanne, aber auch Laubbäume wie zum Beispiel die Esskastanie.

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