Trotz Trockenheit: Biggetalsperre noch überdurchschnittlich gut gefüllt
Wesentlich höherer Ab- als Zufluss
- Kreis Olpe, 14.08.2026
- Verschiedenes
- Von Nils Dinkel
Kreis Olpe. Wochenlange Trockenheit, hohe Temperaturen und ausgedörrte Böden: Im Kreis Olpe ist der fehlende Regen inzwischen deutlich sichtbar. An der Biggetalsperre ist die Situation allerdings weniger angespannt, als es die Wetterlage vermuten lässt.

Der Speicher ist derzeit sogar etwas besser gefüllt als für Mitte August üblich. Dennoch zeigt sich an einer anderen Zahl, wie wichtig die Talsperren momentan für die Wasserversorgung sind: Sie geben aktuell zehnmal so viel Wasser ab, wie ihnen zufließt.
Nach Angaben von Britta Balt, stellvertretende Abteilungsleiterin der Unternehmenskommunikation beim Ruhrverband, befanden sich am Mittwoch, 12. August, rund 142 Millionen Kubikmeter Wasser in der Biggetalsperre. Damit sei sie zu mehr als 82 Prozent gefüllt.
Der Wert liege rund zwei Prozent über dem langjährigen Mittel für diese Jahreszeit. Von einem ungewöhnlich niedrigen Wasserstand könne derzeit also keine Rede sein. Auch für Besucher dürften sich deshalb im Vergleich zu anderen Jahren keine größeren Unterschiede ergeben, erklärt Balt.




Ob ein niedrigerer Pegel beispielsweise beim Baden, Segeln oder Paddeln wahrgenommen werde, sei allerdings auch eine subjektive Frage. Einschränkungen beim Baden sind dem Ruhrverband derzeit nicht bekannt.
Die aktuelle Hitze kann allerdings ein anderes Problem begünstigen: Cyanobakterien können sich bei entsprechenden Bedingungen massenhaft vermehren. Sollte daraus eine gesundheitliche Gefahr entstehen, könnten die zuständigen Gesundheitsbehörden ein Badeverbot aussprechen. Der Ruhrverband selbst sei dafür nicht zuständig.
Balt unterstreicht zudem, dass es sich bei der Massenentwicklung von Cyanobakterien um ein natürliches Phänomen handele. Sorgen um die grundsätzliche Wasserqualität müsse man sich wegen Hitze und Trockenheit nach den bisherigen Erfahrungen nicht machen.
Bereits die sehr trockenen Jahre seit 2018 hätten gezeigt, dass die Reinigungsleistung der Kläranlagen auch unter solchen Wetterbedingungen die vorgeschriebenen Anforderungen sicher einhalte. Wie außergewöhnlich trocken die derzeitige Situation dennoch ist, zeigt der Blick auf die Wasserbilanz.

Bigge und Lister sind schließlich nicht nur beliebte Freizeitziele, sondern erfüllen eine wichtige Funktion für die Wasserversorgung im Ruhrgebiet. Aktuell beträgt die Wasserabgabe aus den Talsperren laut Ruhrverband das Zehnfache des Zuflusses. Damit gleichen die Speicher die niedrigen natürlichen Abflüsse aus.
Auch für die Tierwelt können hohe Temperaturen zum Problem werden. In Bigge- und Listertalsperre selbst sieht der Ruhrverband derzeit allerdings keine besondere Gefahr für die Fische. Aufgrund der großen Wassertiefe gebe es ausreichend kalte Bereiche, in die sich die Tiere zurückziehen könnten.

Anders sehe es in flacheren Gewässern an der unteren Ruhr aus, wo hohe Wassertemperaturen Fische unter Stress setzen können. Eine akute Wasserknappheit müssen die Menschen nach Einschätzung des Ruhrverbands derzeit nicht befürchten.
Mit dem aktuellen Füllstand des gesamten Talsperrensystems könne die Wasserversorgung auch dann sichergestellt werden, wenn es in den kommenden Wochen und Monaten trocken bleiben sollte.
„Wasser ist keine Selbstverständlichkeit.”
Entwarnung für die Zukunft bedeutet das jedoch nicht. „Die gegenwärtige Situation gibt uns einen Vorgeschmack darauf, welche Herausforderungen der Klimawandel noch für uns bereithalten wird“, sagt Britta Balt.

Ihr Appell: „Wasser ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein kostbares Gut, mit dem wir achtsam umgehen müssen.“ Bestehende Entnahmeverbote, wie sie derzeit etwa für Ruhr und Lenne gelten, sollten unbedingt eingehalten werden, um die vorhandenen Wasserreserven zu schonen.
