Teure Treter und Lieblingsstücke: Arbeitsalltag eines Schuhmachers
LP-Serie „Handwerk mit Rarität“
- Kreis Olpe, 11.01.2024
- Verschiedenes
- Von Lorena Klein
Kreis Olpe/Siegen. Von fast vergessenen Künsten bis zu traditionellem Handwerk: In unserer LokalPlus-Serie stellen wir seltene Handwerksberufe vor. Den Beruf des Schuhmachers üben heutzutage nur noch wenige Menschen aus – Patrick Rasche ist einer von ihnen. Der 32-jährige Orthopädieschuhmacher betreibt einen Reparaturservice in Siegen.

Halb Laden, halb Werkstatt. So lässt sich der Schuhservice Rasche mitten in der Siegener Innenstadt mit wenigen Worten beschreiben. Während im vorderen Bereich allerlei Lederwaren in den Regalen und auf dem Verkaufstisch liegen, wird hinter der Holztheke geschliffen, geklebt und geflickt. Ein dezenter Geruch von Leder liegt in der Luft.
„Wir reparieren Schuhe, Taschen, Gürtel und andere Lederwaren – alles, was so anfällt“, zählt Inhaber Patrick Rasche auf. Seit dreieinhalb Jahren ist der gebürtige Hünsborner mit seinem Schuhservice in Siegen tätig, seit einem Jahr an einem neuen Standort. Hier hat Patrick Rasche zusätzlich auch den Schlüsselservice des vorherigen Ladenbesitzers übernommen. Außerdem gibt es eine Annahmestelle für reparaturbedürftige Waren in Hünsborn.




Sein Weg zum Beruf des Orthopädieschuhmachers sei mehr ein Zufall als ein lange feststehender Plan gewesen, erinnert sich Patrick Rasche. Nach einem Praktikum entschied er sich für die Ausbildung, von der Ausbildung ging es in die Selbstständigkeit. Erst im Nebenerwerb, dann vollständig.
Eigene Produkte fertigt der Schuhmacher mittlerweile nicht mehr an. Sein Fokus liegt voll und ganz auf der Reparatur beschädigter oder in die Jahre gekommener Lederwaren. Und heute, an seinem ersten Arbeitstag nach der Weihnachts- und Winterpause, gibt es auch sofort wieder alle Hände voll zu tun.

Wo drückt der Schuh meistens? Häufig seien es abgelaufene Absätze, Sohlen mit schwindendem Profil oder durchgescheuertes Innenfutter, das repariert werden müsse, erklärt Patrick Rasche.
Mit Geräten wie Schleif- und Poliermaschinen, Absatz- und Sohlenpressen und einer großen Nähmaschine gibt es für fast jedes Problem eine Lösung. 14 Jahre Berufserfahrung tun ihr Übriges, damit der junge Schuhmacher Sorgenkinder wieder in brauchbare Treter verwandeln kann.

Doch nicht nur das Handwerk selber, sondern vor allem der Austausch mit den Kunden sind für Patrick Rasche das A und O. „Sie erhalten eine fachmännische Beratung und eine ehrliche Meinung, ob die Reparatur einen Sinn hat.“ Mit dem Hintergrundwissen als gelernter Orthopädieschuhmacher könne er dabei auch auf gesundheitliche Aspekte eingehen.
Eine „bunte Mischung“ findet den Weg in seine Werkstatt: vom klassischen Schuh bis zum Reitstiefel, vom Gürtel bis zur Lederhose und vom hochwertigen Designer-Produkt bis zum langjährigen Lieblingsstück. „Die Kunden kommen mit 15-Euro-Schuhen und mit 1.500-Euro-Schuhen“, betont Patrick Rasche. Auch Nachhaltigkeit sei ein wichtiges Thema, das immer mehr in den Köpfen ankomme.
Teilweise übersteigen die Reparaturkosten sogar den eigentlichen Wert des Stücks, erzählt Patrick Rasche. Umso größer ist dann meist der Wert der Erinnerungen, der damit verknüpft ist. Oder es handele sich um Produkte, die es so nicht mehr zu kaufen gibt. Mit vielen verschiedenen Kunden und reparaturbedüftigen Waren bleibe sein Arbeitsalltag immer abwechslungsreich.
- Montag, 8. Januar: Der Instrumentenbauer
- Dienstag, 9. Januar: Der Reitsportsattler
- Mittwoch, 10. Januar: Die Raumausstatterin
- Donnerstag, 11. Januar: Der orthopädische Schuhmacher
- Freitag, 12. Januar: Der Papiermacher
