Sportvereine schlagen Alarm wegen drastischer Beitragserhöhungen

Offener Brief – Verdoppelung in zwei Jahren


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Archivfoto. von Nils Dinkel
Archivfoto. © Nils Dinkel

Bamenohl/Kreis Olpe. Mit deutlichen Worten wenden sich Sportvereine aus der Region gegen die geplanten massiven Beitragserhöhungen des Fußball- und Leichtathletik-Verbands Westfalen (FLVW). In einem offenen Brief äußert der geschäftsführende Vorstand der SG Finnentrop/Bamenohl große Sorge über die finanziellen Folgen der Entscheidung, die Verbandsbeiträge schrittweise deutlich anzuheben.


Konkret plant der FLVW, die Beiträge bereits im kommenden Jahr um 40 Prozent zu erhöhen, gefolgt von einer weiteren Steigerung um 60 Prozent im Jahr 2027. Für die SG Finn/Bam. bedeutet dies nach eigenen Angaben, dass sich der Jahresbeitrag aufgrund der Oberliga-Zugehörigkeit von derzeit 3.055 Euro auf 6.110 Euro verdoppelt.

Für einen Verein, der nahezu vollständig ehrenamtlich geführt werde und wirtschaftlich lediglich eine schwarze Null erwirtschafte, sei dies „ein Schlag ins Gesicht“.

Auch andere Vereine im Kreis Olpe wären stark betroffen. So würden sich die Beiträge unter anderem in der Kreisliga A von 485 auf 970 Euro, in der Bezirksliga von 1.140 auf 2.280 Euro und in der Landesliga von 1.530 auf 3.060 Euro erhöhen. Genannt werden beispielhaft auch die SG Serkenrode/Fretter, der FC Lennestadt sowie der SV 04 Attendorn.

Von Investitionen sollen Vereine profitieren

Der FLVW begründet die Erhöhungen damit, dass die zusätzlichen Einnahmen in die Sportinfrastruktur der Sportschule Kaiserau investiert werden sollen, wovon langfristig alle Vereine profitieren würden. Diese Argumentation stößt bei der SG Finn/Bam auf Unverständnis.

Viele Vereine kämpften seit Jahren mit steigenden Kosten, maroden Anlagen und fehlenden finanziellen Spielräumen. Die geplanten Investitionen in neue Kunstrasenplätze in Kaiserau wirkten daher aus Sicht der Verantwortlichen realitätsfern.

Zudem kritisiert der Verein, dass der Verband zunehmend den Kontakt zur Basis verliere. Als weitere Beispiele werden die umstrittene Wiedereingliederung von VfL Bochum II und Arminia Bielefeld II in die Oberliga sowie die nun beschlossene Beitragserhöhung genannt.

SG warnt vor gefährlichem Abwärtstrend

Die Sorge: Um die Mehrkosten aufzufangen, könnten Vereine gezwungen sein, Mitgliedsbeiträge oder Eintrittspreise zu erhöhen oder Angebote zu streichen. Dies wiederum könne zu sinkenden Mitglieder- und Zuschauerzahlen führen und einen gefährlichen Abwärtstrend auslösen – nicht nur im Fußball, sondern auch im Freizeit- und Gesundheitssport.

Besonders kritisch sehen die Vereinsverantwortlichen den Zeitpunkt: Die erste Beitragserhöhung tritt bereits zum 1. Januar 2026 in Kraft. Statt ruhiger Feiertage stehe für die ehrenamtlichen Vorstände nun die Frage im Raum, wie die zusätzlichen Ausgaben kurzfristig finanziert werden sollen.

Der offene Brief endet mit einem klaren Appell an den Verband, die Sorgen der Vereine ernst zu nehmen – bevor die Erhöhung für manche zur existenziellen Belastung wird.

Beschluss der Ständigen Konferenz

Die Ständige Konferenz des FLVW besteht aus Präsidium und den Vorsitzenden der 29 FLVW-Kreise und traf sich am Samstag, 13. Dezember. Hier fiel der Beschluss zur gestaffelten Beitragserhöhung. Betroffen hiervon sind alle Fachschaften von Fußball- über Leichtathletik- bis hin zu Freizeit- und Gesundheitssport-Vereinen.

„Durch konsequente interne Einsparmaßnahmen hat der FLVW gewährleistet, dass der laufende Betrieb stabil und gesichert ist. Mit Blick auf die allgemeine Kostenentwicklung können wir die Beiträge leider nicht mehr auf dem Niveau der vergangenen Jahre halten“, sagte FLVW-Präsident Manfred Schnieders. Dem FLVW gehören etwa 2.900 Vereine mit ca. 1,1 Millionen Mitgliedern an.

Rücksicht in der Corona-Zeit

FLVW-Kreisvorsitzender Joachim Schlüter sagte, dass dem Beschluss eine lange und ausführliche Diskussion hervorgegangen sei. Hintergrund der deutlichen Beitragserhöhungen seien aus seiner Sicht zwei Dinge:

Der Verband habe in den vergangenen Jahren – unter anderem in der Corona-Zeit, in der viele Vereine streckenweise keine Einnahmen hatten – auf Anpassungen verzichtet. „Das holt die Vereine jetzt ein bisschen ein“, so der Kreisvorsitzende.

Südwestfalen befürwortet Erhöhung

Und weiter: „Der Verband betreibt eine Sportschule, die sehr aufwändig ist. Dort sind 2027 und 2028 Investitionen im Bestand auszuführen. Mit der Beitragserhöhung sollen diese Investitionen zum Teil gestemmt werden.“

Er sagte, dass der Beschluss nicht einstimmig gefasst worden sei und laut Satzung eine zwei Drittel-Mehrheit ausreiche. Die südwestfälischen Fußballkreise hätten geschlossen für die Beitragserhöhung gestimmt.

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