Sehr geehrte NRW-Politiker - das war wohl nix...

Kommentar zur finanziellen Lage der Kitas


  • Kreis Olpe, 20.02.2026
  • Politik , Schule & Bildung
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 von LokalPlus
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Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Wüst, verehrte Entscheidungsträger der Landesregierung, ein Satz mit X – das war wohl nix…


Lange haben die Kitas in NRW auf eine Revision des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) gewartet. Und gehofft. Dass die Situation in den Kindergärten endlich entschärft wird. Dass es finanzielle Entlastungen gibt. Dass ihre Arbeit endlich als die honoriert wird, die sie ist: grundlegend, wertvoll und ausschlaggebend für die weitere Bildung und Entwicklung von Kindern.

Angst vor der Zukunft - wer kann das überleben?

Die Chance, Kitas und ihren Mitarbeitern die Wertschätzung und Unterstützung zukommen zu lassen, die sie verdienen, haben Sie vertan. Dort, wo dringend Geld für die Betreuung und Bildung der Jüngsten unserer Gesellschaft, für die Entlastung von Familien und für die absolut notwendige Unterstützung von Kita-Mitarbeitern benötigt wird, haben Sie und Ihre Regierung schon in der Vergangenheit den Rotstift angesetzt – und die Chance zu justieren auch jetzt nicht genutzt. Die Finanzierungslücke für Träger wird immer größer, kleinere Kitas bangen um ihre Zukunft.

Dass Sie selbst ein Kindergartenkind waren, Herr Wüst, ist ja nun schon ein paar Jahre her. Bei mir auch. Unsere Erinnerungen werden sich ähneln: Kinder kamen damals etwa mit vier Jahren in den Kindergarten, blieben bis mittags und der Stühlchenkreis war immer das Highlight des Tages. Bisschen basteln, bisschen bauen, bisschen buddeln. Und dann kam auch schon wieder die Mama, die meist nicht berufstätig war, um das Kind abzuholen.

Nur betreuen? Bitte auch erziehen und fördern!

Ich kann Ihnen versichern, lieber Herr Wüst, liebe politischen Entscheidungsträger: Heute ist es anders. Immer jünger sind die Kinder, die in der Kita angemeldet werden, haben manchmal noch nicht mal ihren ersten Geburtstag gefeiert. Werden frühmorgens gebracht und spätnachmittags abgeholt, müssen gewickelt, gefüttert, schlafen gelegt werden.

Mehr Kinder besuchen länger die Kita. „Herausforderndes Verhalten“, wie es so schön heißt, nimmt zu, die Möglichkeiten für Erzieher, damit umzugehen, nehmen ab. Immer öfter haben Kinder Förderbedarf, brauchen eine besondere Betreuung. Stühlchenkreise? Nur noch eine schöne Erinnerung an längst vergangene Zeiten. Heute fordern Dokumentationspflichten, Anträge, 1:1-Betreuungen und Gespräche ihren Raum. Ach ja: Die Kita-Mitarbeiter sollen Kinder außerdem nicht nur betreuen, sondern gerne auch noch erziehen und fördern.

„Randzeiten“ - ein hübscher Witz...

Sie überlegen, dass die Fachkräfte von ungelernten Mitarbeitern in den Randzeiten unterstützt werden? Eine gute Idee! Aber was, wenn ich fragen darf, sind Ihrer Meinung nach „Randzeiten“? Morgens, wenn die Kinder gebracht werden, sich teilweise nicht von den Eltern trennen können und herzzerreißend weinen? Oder mittags, wenn bis zu 70 Kinder gleichzeitig beim Mittagessen versorgt werden sollen? Oder meinen Sie vielleicht die Schlafenszeit – ein Kleinkind zum Schlafen hinzulegen ist doch schließlich ein „Klacks“, oder?

Kitas sind keine Verwahrstationen, geschätzter Herr Wüst, verehrte Entscheidungsträger. Kitas sind elementar wichtig für die weitere Entwicklung des Kindes, die Basis der Gesellschaft. Hier zu sparen, hier „auf Lücke“ zu planen, wird uns irgendwann um die Ohren fliegen.

Was bleibt zu sagen? Die Hoffnung auf Einsicht stirbt zuletzt...

In diesem Sinne schicke ich meine besten Wünsche - nicht nach Düsseldorf, sondern in jede einzelne Kita im Land.

Kerstin Sauer

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