Schützenvereine für Frauen öffnen - oder lieber die Männerdomäne erhalten?

„Tradition rechtfertigt nicht Ungleichbehandlung“


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In Kirchhundem hat schon so manches weibliche Mitglied auf den Vogel angelegt. von Nicole Voss
In Kirchhundem hat schon so manches weibliche Mitglied auf den Vogel angelegt. © Nicole Voss

Kreis Olpe. Frauen im Schützenverein: Während sie bei einigen Vereinen im Kreis Olpe schon Jahre lang integriert sind, können sich andere noch nicht damit anfreunden, dass das weibliche Geschlecht mit marschiert, geschweige denn auf den Vogel schießt. LokalPlus hat bei zwei Vereinen nachgehört: Die Elsper haben die Idee gerade erst abgeschrieben, Kirchhundem hingegen hat seit Jahren Frauen als Mitglieder.


Ob mit Blick auf die Gleichberechtigung oder weil es an Mitgliedern mangelt: Die Beweggründe der Vereine, Frauen aufzunehmen, sind unterschiedlich. Auch beim Elsper Schützenverein stand das Thema zur Debatte, wurde allerdings mehrheitlich abgelehnt.

Claudius Kremer, Mitglied des Schützenvereins Elspe, hatte bei der Versammlung den Vorschlag gemacht, Frauen in den Schützenverein aufzunehmen. „Für mich ist das einfach nur logisch und ich denke, dass es Sinn macht“, so Kremer. Aus seiner Sicht sei es gleichberechtigt und auch im Interesse des Schützenvereins. „Es gibt doch dadurch keine Nachteile“, so der Elsper, „auch wir bekommen weniger junge Leute.“

Vorstand hatte mit Vorschlag gerechnet

Cremer erzählt, dass die Schützen seinen Vorschlag positiv aufnahmen. Der Vorstand habe sich aber schon vorab intern Gedanken gemacht. Es hieß, man habe nur darauf gewartet, dass ein solcher Vorschlag kommt.

Maximilian Ellinger, Vorsitzender des Schützenvereins Elspe. von privat
Maximilian Ellinger, Vorsitzender des Schützenvereins Elspe. © privat

Maximilian Ellinger, Vorsitzender des Schützenvereins, bestätigte auf LP-Nachfrage, dass ihn der Antrag nicht überrascht habe. „Was mich überrascht hat, ist, dass der Auftrag an den Vorstand, eine Satzungsänderung auszuarbeiten, mehrheitlich abgelehnt wurde. Ich hatte damit gerechnet, dass die Versammlung dafür votiert, dass der Vorstand sich ausgiebiger mit der Thematik beschäftigt.“

Er persönlich habe mit „Ja“ abgestimmt, könne es aber durchaus nachvollziehen, dass andere Vereinsmitglieder aus traditionellen Gründen dagegen seien. Ellinger: „Ich denke, dass wir die Aufnahme von Frauen in den Verein - langfristig gesehen - wieder auf der Tagesordnung haben.“

„Tradition rechtfertigt nicht Ungleichbehandlung“

Anders läuft es in Kirchhundem. Dort dürfen Frauen seit Jahren in den Schützenverein eintreten. Auch wenn die beiden Vorsitzenden Nico Hille und Gerrit Jaspers den Weg dorthin nicht persönlich mitbekommen haben: Beide sind absolute Befürworter. „Wir sind da offen“, sagt Gerrit Japsers, „So lange ich denken kann, dürfen in Kirchhundem Frauen mitwirken.“

Und Nico Hille fügt hinzu: „Die Frauen nehmen ja sowieso weitreichende Rollen im Verein an. Sie unterstützen viel im Hintergrund. Ich finde, Tradition rechtfertigt nicht Ungleichbehandlung.“ Es gebe keine Nachteile dadurch. Im Gegenteil: Erst beim letzten Schützenfest haben die Jungschützen sechs neue Damen angeworben, die schon mit auf Jungschützenfahrt waren.

Schützenverein hat große Bedeutung

Jaspers versteht, dass manche Vereine, wie Chöre zum Beispiel, strikt nur Männer oder Frauen aufnehmen. Der Schützenverein jedoch habe eine wichtige Bedeutung im Ort. Nicht nur das Fest der Schützen, auch Karneval und der Martinszug werden vom Schützenverein ausgerichtet, „da wirken ja auch viele Frauen mit, also dürfen die doch genauso Mitglied sein.“

Die beiden Vorsitzenden erzählen, dass es in der Geschichte bereits drei Jungschützenköniginnen gab und 2018 die bereits verstorbene Bärbel Löcker mit auf den Königsvogel gehalten habe. „Die Stimmung war super, wir hätten es ihr so gegönnt“, so Hille. Aktuell gehören dem Schützenverein Kirchhundem etwa 30 Frauen an.

Kreisoberst Markus Bröcher steht der Aufnahme von Frauen in Schützenvereinen neutral gegenüber. von Nicole Voss
Kreisoberst Markus Bröcher steht der Aufnahme von Frauen in Schützenvereinen neutral gegenüber. © Nicole Voss

Wie viele Frauen im Kreisgebiet Mitglied in einem Schützenverein sind, kann Kreisoberst Markus Bröcher nicht beantworten: Sie werden nicht explizit aufgeführt, „das würden wir für falsch halten. Es sind ja alle Vereinsmitglieder.“

Jeder Verein solle für sich entscheiden, ob er weibliche Mitglieder aufnehmen möchte. Bröcher: „Ich werde als Kreisoberst weder dagegen noch dafür sprechen. Ich sehe es ganz neutral und wertfrei und möchte dabei meine Neutralität wahren.“

Im Rheinland, so weiß Bröcher, sei es gang und gäbe, dass Vereine und Bruderschaften weibliche Mitglieder hätten. „Übrigens“, so schließt Markus Bröcher, „haben wir im Sauerländer Schützenbund eine Bundesschützenkönigin und über den Tellerrand hinausgeschaut, eine Europakönigin und eine Europaprinzessin. Da regt sich heute keiner mehr drüber auf.“

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