„Pflege darf nicht stehenbleiben, sondern muss sich weiterentwickeln“

Interview zum Tag der Pflege


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Tobias Quast ist Pflegedirektor der GFO-Kliniken Südwestfalen. von GFO-Kliniken Südwestfalen
Tobias Quast ist Pflegedirektor der GFO-Kliniken Südwestfalen. © GFO-Kliniken Südwestfalen

Olpe/Kreis Olpe. „Our nurses. Our future. The economic power of care.“ Das ist diesmal das Motto des Tages der Pflege, der jedes Jahr am 12. Mai stattfindet. Doch was ist die Stärke der Pflege? Und wie sieht deren Zukunft aus? Das beantwortet Tobias Quast, Pflegedirektor der GFO-Kliniken Südwestfalen, im Interview.


Die Pflegekammer hat jüngst mehr Planungssicherheit für Pflegekräfte gefordert. Wie ist das vor Ort umsetzbar?

„Erster Schritt: Genug Personal haben, um die Dienste adäquat zu besetzen. Das funktioniert in der Sollplanung bei uns auch überwiegend gut. Aber, Mitarbeitende können natürlich auch spontan erkranken. Wenn zu viele Mitarbeitende gleichzeitig ausfallen, kann dies auch ein Springerpool nicht abdecken.

Führung auf Augenhöhe

Zweiter Schritt: Bei uns sind Wünsche an die Dienstplanung, der Tausch von Diensten und die Honorierung zusätzlicher Dienste Teil der Philosophie. Wir haben es so geschafft, relativ stabile Dienstpläne hinzubekommen. Dritter Schritt: Ein sehr „rundes“ Betriebsklima. Mitarbeitende sollten mit ihren Sorgen, Wünschen und Ideen gesehen werden. Führung muss auf Augenhöhe geschehen.“

„Our nurses. Our future“ lautet ein Teil des Mottos des Tags der Pflege. Wie ist denn die Pflege in den GFO-Kliniken Südwestfalen für die Zukunft gerüstet?

„Sehr gut. Wenn man über die Zukunft der Pflege spricht, sollte man drei Säulen betrachten: ausreichend Pflegepersonal, qualifiziertes Pflegepersonal und beste Arbeitsbedingungen. An diesen drei Säulen versuchen wir zu arbeiten.

Die Ausbildung ist der allerwichtigste Baustein zur Mitarbeitergewinnung bei uns. Wir investieren dort sehr viel, haben steigende Ausbildungszahlen. Unsere Auszubildenden haben nach erfolgreichem Examen eine Übernahmegarantie. Somit sichern wir uns eine Konstante gegenüber der natürlichen Fluktuation.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Parallel gilt es genau hinzuschauen, was Themen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeht, um jungen Menschen über flexible Modelle die Möglichkeit zu geben, nach einer Schwangerschaft oder Elternzeit schnell wieder ins Berufsleben einsteigen zu können. Auch wichtig ist es, älteren Mitarbeitenden zu ermöglichen, möglichst lange im Beruf zu bleiben. Das ist das Thema Quantität.“

Was ist genau die Stärke der Pflege?

„Flexibilität, Engagement, hohe Fachlichkeit und ein gewisses Durchhaltevermögen. Das wären die Adjektive, welche mir spontan in den Sinn kommen. Wobei es immer schwierig ist, so eine große Berufsgruppe mit ein paar Worten zu charakterisieren. Eine Pflegekraft in einer Senioreneinrichtung hat einen ganz anderen Schwerpunkt, eine ganz andere Intention, als eine Pflegkraft auf der Intensivstation, im ambulanten Dienst oder in der Psychiatrie.“

Seit ein paar Monaten gibt es in den GFO-Kliniken Südwestfalen eine Stabsstelle Pflegeentwicklung. In welche Richtung wird oder muss sich Pflege denn in Zukunft entwickeln?

„Pflege darf nicht stehenbleiben. Pflege muss die aktuellen gesellschaftlichen Möglichkeiten, die ihr gegeben werden, aufgreifen, mitentwickeln und aus ihrer ewigen „Ich-liege-am-Boden“-Mentalität herauskommen. Sie muss sich weiterentwickeln, weil die Gesellschaft sich entwickelt und die Patienten sich verändern.

Und mit der neuen Stabsstelle Pflegeentwicklung möchten wir genau da ansetzen und gemeinsam mit den Mitarbeitenden auf den Stationen Arbeitsabläufe kritisch hinterfragen, damit wir weiter vorankommen und am Ball bleiben.“

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