Nach Cyberangriff: Wie die Kommunen mit dem Systemausfall umgehen
„Richten uns darauf ein, dass Ausfall länger dauert“
- Kreis Olpe, 31.10.2023
- Verschiedenes
Kreis Olpe. Der Hackerangriff auf das Rechenzentrum der Südwestfalen-IT in Siegen (LokalPlus berichtete), an das alle kommunalen Verwaltungen in der Region angeschlossen sind, legt weiterhin die heimischen Rathäuser weitgehend lahm. LP gibt einen Überblick, wie der Stand der Dinge am Dienstagvormittag, 31. Oktober, ist.

Generell gilt: Die Internet-Auftritte der Städte, Gemeinden und des Kreises sind nicht erreichbar. Das bedeutet, dass alle Dienstleistungen, die über die Homepage einer Kommune angeboten werden, zum Beispiel die Sperrmüllanforderung, derzeit nicht nutzbar sind. Auch die E-Mail-Kommunikation ist nicht möglich. Zudem sind fast alle Verwaltungen nicht telefonisch unter den gewohnten Rufnummern erreichbar.
Für dringende Angelegenheiten sind zwei Telefonnummern neu eingerichtet worden: (02761) 82 72 24 und (02761) 83 65 64. Es ist den Beschäftigten am Bürgertelefon nicht möglich, direkt Auskunft zu individuellen Anliegen zu geben oder Anrufer weiter zu verbinden. Die Nummern sind von montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr und montags bis donnerstags zusätzlich von 14 bis 16 Uhr erreichbar – ausgenommen an Allerheiligen.
„Wir richten uns darauf ein, dass der Ausfall länger dauert“, sagte Pressesprecherin Stefanie Gerlach. Wer auf öffentliche Leistungen angewiesen ist, kann wohl aufatmen. „Es ist Monatsende. Die meisten Zahlungen sind raus, zum Beispiel der Unterhaltsvorschuss“, so Gerlach.





Die Verwaltung der Hansestadt postet auf ihrer Facebook-Seite: „Uns sind derzeit einfach die Hände gebunden, was die überwiegenden Verfahren im Rathaus angeht. Die Stadtverwaltung Attendorn hat den Vorteil, während der Servicezeiten telefonisch erreichbar zu sein. Aus diesem Grund hat sich die Stadtverwaltung Attendorn dazu entschlossen, das Rathaus nicht zu schließen.“
Die Verwaltung appelliert aber an die Bürger, auf vermeidbare Gänge ins Rathaus zu verzichten und lieber den telefonischen Weg zu suchen - am besten über die Direktdurchwahl der Sachbearbeiter, ansonsten über die Rathaus-Zentrale (02722) 64-0.
Die Stadtverwaltung Drolshagen (alle Dienststellen inkl. Bürgerbüro) bleibt geöffnet. Die Telefonzentrale ist während der Öffnungszeiten unter (0151) 14 19 39 50 erreichbar; bei Bedarf wird ein Rückruf vereinbart.
E-Mails können zentral an drolshagen@t-online.de gerichtet werden. Sie werden zeitnah intern weitergeleitet. Die Notrufnummer des Wasserwerks lautet (01 71) 536 50 81.



Der Finnentroper Bürgermeister Achim Henkel teilt mit, dass die Gemeinde alle neuen Informationen auf ihren Kanälen in den sozialen Medien (Facebook, Instagram) veröffentlichen wird. Unter der Handynummer (0175) 15 00 818 ist die Gemeinde zu den üblichen Bürozeiten erreichbar.
Bei Rechnungen, die postalisch an die Gemeinde geschickt werden, ist die Bezahlung gesichert. Wie es bei den Sozialleistungen für die Bürger aussieht, konnte Henkel im Gespräch mit LokalPlus nicht genau sagen. Er betonte, dass Gespräche mit den Banken stattfinden und nach Lösungen gesucht werde.
Tina Rump von der Gemeindeverwaltung Kirchhundem: „Es ist eine absolute Katastrophe. Direkt am Montagmorgen und auch am Dienstag wurde der Krisenstab zusammengerufen.“ Der Angriff habe auf alle erhebliche Auswirkungen. Priorität sei gerade, dass der Zahlungsverkehr aufrechterhalten wird.
„Wir planen jetzt von Tag zu Tag. Wir wissen nicht, wie lange es geht, aber so geht es ja allen Verwaltungen.“ Die Ratssitzung in Kirchhundem am Donnerstag, 2. November, findet statt. In welchem Umfang die Tagesordnung beibehalten werden kann, sei noch unklar.
Die Gemeindeverwaltung ist zu den regulären Öffnungszeiten des Rathauses über die Info-Telefonnummer (02723) 718 23 63 erreichbar. Die Bereiche Wasser, Abwasser, Tiefbau und Bauhof haben Rufbereitschaft unter der Nummer 01577 / 363 47 74. Die Gemeinde bittet, persönliche Vorsprachen zu vermeiden. Anliegen können per E-Mail an rathaus@feuerwehr-kirchhundem.de oder per Post an die Gemeindeverwaltung geschickt werden.

Notbesetzung herrscht derzeit im Lennestädter Rathaus. Die Erreichbarkeit sei aber auf jeden Fall gesichert, betonte Pressesprecher Martin Steinberg. Bis auf Weiteres ist die Stadtverwaltung nur über die Telefonnummer (02723) 71 97 323 erreichbar, und zwar zu den regulären Öffnungszeiten des Rathauses.
Der Infoschalter im Rathaus ist zu den regulären Öffnungszeiten besetzt. Die Stadtverwaltung bittet jedoch darum, von Besuchen abzusehen. Schon jetzt kündigt die Verwaltung an, dass die für Mittwoch, 8. November, geplante Ratssitzung bis auf Weiteres verschoben wird.
„Wir versuchen einen Notbetrieb aufzubauen und stellen uns darauf ein, dass der Ausfall länger dauert. Das zeigen die Erfahrungen in anderen Fällen“, sagte Olpes Bürgermeister Peter Weber auf LP-Anfrage. Am Dienstagmorgen hat der Stab für außergewöhnliche Ereignisse getagt und es gab eine Personalversammlung.
Alle Mitarbeitenden sind im Dienst. „Wer nicht seine übliche Arbeit tun kann, der wird anderweitig beschäftigt“, so Weber. Für dringende Anliegen ist die Notfalltelefonnummer (0171) 79 47 670 eingerichtet. Den November-Sitzungsblock möchte die Verwaltung trotz des Ausfalls des Ratsinformationssystems durchziehen. „Ob wir aber den Haushalt wie geplant einbringen können, das steht noch nicht fest“, so der Bürgermeister.

Für Notfälle kann die Verwaltung über die Nummer (0151) 57 96 36 85 erreicht werden. Diese sollte nur in dringenden Fällen genutzt werden. „Wir versuchen, so schnell wie möglich wieder auf den Bürgerkanälen erreichbar zu sein“, so Bastian Dröge, Fachbereichsleiter Zentrale Dienste.
Die Gemeinde sei dabei, neue E-Mail-Adressen einzurichten, die spätestens ab Donnerstag genutzt werden können. Auch an einer Ersatz-Website werde gearbeitet. „Wir bereiten uns auf alle Eventualitäten vor“, so Dröge. Das Rathaus bleibt weiterhin geöffnet. „Sobald es Neuerungen gibt, werden wir das über Facebook bekanntgeben“, ergänzt Nicole Williams. Dies sei momentan der zentrale Kommunikationskanal der Gemeinde.
