Mein Anderssein ist keine Schwäche, sondern eine Stärke

Schüler-Kolumne „Die Meinung von morgen“


  • Kreis Olpe, 10.03.2026
  • Schule & Bildung , Verschiedenes
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Symbolfoto. von Adobe Stock / Grafik: Ralph Schneider
Symbolfoto. © Adobe Stock / Grafik: Ralph Schneider

Kreis Olpe. LokalPlus gibt mit der Kolumnen-Reihe „Die Meinung von morgen“ Schülerinnen und Schülern aus dem Kreis Olpe eine eigene Stimme. Wöchentlich teilen Jugendliche unterschiedlicher Schulen aus dem Kreis Olpe ihre Gedanken zu Themen, die sie bewegen – von Demokratie über Digitalisierung bis hin zu Alltag, Freizeit und persönlichen Perspektiven.


Ehi Onjefu ist 15 Jahre alt und lebt in Finnentrop. Sie besucht die Klasse 9a der Bigge-Lenne-Gesamtschule, Finnentrop. Sie schreibt:

Bevor ich überhaupt in Deutschland ankam, lernte ich schon im Flüchtlingslager, wie es sich anfühlt, ausgeschlossen zu werden. Ich war nur ein Kind und trotzdem haben mich andere Kinder wegen meiner Hautfarbe und Herkunft gemobbt. Kinder, die dieselbe Angst kannten, dieselbe Unsicherheit, dasselbe Verlangen nach einem sicheren Zuhause.

Wir waren alle im selben Boot, aber ich war trotzdem die Nicht-Akzeptierte. Das tat weh, auf eine Weise, die eine 7-Jährige gar nicht erklären könnte.

Fremd und ohne Sprache

Mit sieben stand ich dann in einem deutschen Klassenzimmer. Wieder fremd. Wieder ohne Sprache. Wieder ohne Freunde. Wieder dieses Gefühl, nicht reinzupassen. Rassismus begegnete mir leise, aber deutlich. Blicke, die zu lange dauerten, Kommentare, die man „nicht so gemeint“ hatte, Fragen, die mich daran erinnerten, dass ich anders war.

Ich erinnere mich noch genau an den Tag in der zweiten Klasse, an dem ich zum ersten Mal meinen Afro in die Schule trug. Meine Mutter hatte mein Haar wunderschön gestylt; meine Locken waren weich und voll, und der Duft von Kakaobutter fühlte sich für mich wie Zuhause an warm, familiär und sanft.

Doch kaum betrat ich das Klassenzimmer, kippte die Stimmung. Meine Mitschüler fingen an zu lachen, zu zeigen, die Nase zu zuhalten. Einige taten sogar so, als müssten sie sich übergeben, nur wegen des Geruchs der Kakaobutter. In wenigen Minuten wurde etwas, das mich stolz gemacht hatte, zu etwas, für das ich mich schämen sollte.

„Ein Teil von mir, den ich begrub...“

In der Pause hielt ich es nicht mehr aus. Ich rannte auf die Toilette, drehte den Wasserhahn auf und wusch mir die Kakaobutter mit kaltem Wasser aus den Haaren, meine Hände zitternd, während der Duft im Abfluss verschwand. Ich sah in den Spiegel und wünschte mir, ich könnte jemand anderes sein jemand, über den niemand lacht.

Nach diesem Tag trug ich mein natürliches Haar nie wieder. Nicht für viele Jahre. Es war nicht nur mein Afro, den ich versteckte es war ein Teil von mir, den ich begrub, weil die Welt mir gezeigt hatte, dass er „zu anders“ war.

Stark und stolz

Am schwersten war es, meine Mutter anzusehen. Sie kämpfte denselben Kampf ohne Deutsch, ohne ihre Familie, ohne Pause. Ich war ein Kind, aber ich konnte sehen, wie stark sie sein musste. Und manchmal tut es mir bis heute leid, dass sie das alles allein tragen musste.

Doch all diese Erfahrungen das Mobbing im Flüchtlingslager, die Blicke in der Schule, die Momente, in denen ich mich wegen meiner Hautfarbe oder meiner Haare kleinmachen wollte haben mich nicht zerstört. Sie haben mich stärker gemacht und mir gezeigt, wer ich wirklich bin.

Heute trage ich mein Haar wieder natürlich, stolz und offen. Ich habe gelernt, dass mein anders sein keine Schwäche ist, sondern meine Stärke.

Ehi Onjefu wurde durch ihre Erfahrungen geprägt. von privat
Ehi Onjefu wurde durch ihre Erfahrungen geprägt. © privat

Ehi Onjefu

(Die hier veröffentlichten Inhalte geben die Position der Autorin/des Autors wieder und entsprechen nicht notwendigerweise der Ansicht der Redaktion.)

„Die Meinung von morgen“ – Mach mit!

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Wir freuen uns auf dich!

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