Mehr Fragen als Antworten - da ist das Chaos vorprogrammiert...

LP-Kommentar zum Bund-Länder-Gipfel


Topnews
 von Grafik: Sarah Menn
© Grafik: Sarah Menn


Es ist beschlossen und verkündet: Der Lockdown wird bis zum 18. April verlängert, Gründonnerstag und Karsamstag sind Ruhetage. Punkt. Liest sich interessant und logisch – ist es aber nicht. Denn die Beschlüsse von Montag lassen bei vielen Bürgern mehr Fragen offen, als dass sie Antworten bieten…

Fangen wir bei dem „Ruhetag“ Gründonnerstag an: Was heißt das eigentlich für mich und Millionen weitere Arbeitnehmer in Deutschland? Und auch für die Arbeitgeber? Ist der Gründonnerstag jetzt ein zusätzlicher Osterfeiertag? Haben dann alle Arbeitnehmer frei?

Kontraproduktiv und fast schon chaotisch 

Muss ich mir dafür Urlaub nehmen, oder ist der Tag vor Karfreitag zumindest in diesem Jahr – ohne vorherige Absprache mit den Kirchen – zum gesetzlichen Feiertag deklariert worden? Was ist mit Banken, Werkstätten, Dienstleistern – alles zu? Und Ärzte, Apotheken – gibt es einen Notdienst und wer organisiert den kurzfristig?

Zumindest eins scheint festzustehen, auch wenn es nicht umfassend erklärt ist: Die Geschäfte einschließlich des Lebensmittelhandels sollen am Gründonnerstag ihre Pforten geschlossen halten. Ziemlich kontraproduktiv und fast schon chaotisch.

Das wird es zumindest, wenn den Bürgern ein Einkaufstag genommen wird. Stürmen jetzt alle Menschen am Mittwoch vor den Ruhetagen in die Geschäfte, um ihre Einkäufe zu erledigen? Oder am Karsamstag, an dem die Lebensmittel-Läden ja nochmal öffnen dürfen?

Für einen Sechs-Personen-Haushalt eine sportliche Herausforderung. Schon ohne zusätzlichen Ruhetage muss man so manches Mal erleben, wie einem der Einkaufswagen anderer Kunden in die Hacken rammt...

Wo gilt jetzt was, bitte schön?

Klar definiert ist bei dem Beschluss auch nicht, wo er Gültigkeit hat. NRW-weit? Oder in Kreisen mit Inzidenz über 100? Und was davon gilt jetzt im Kreis Olpe?

Als eine „schwere Geburt“ wurden die Gespräche bezeichnet. Die schwerste Geburt haben wohl die Gastronomen, die quasi unerwähnt bleiben. Haben die Gastwirte nach mittlerweile mehr als fünfmonatiger Zwangspause kein Recht auf eine Perspektive? Ist es wirklich nötig und gerechtfertigt, gute Hygienekonzepte einfach so übersehen?

Oder ist das, wie man langsam den Eindruck hat, Willkür? Wäre es nicht zielführender, zumindest die Außengastronomie öffnen zu lassen und damit Treffen im heimischen Wohnzimmer ein Stück weit einzugrenzen? Die wird es bei dem ein oder anderen nämlich garantiert geben. Und wer will das dann kontrollieren?

Ob das der richtige Weg ist....

Ich kann gut nachvollziehen, dass die Pandemie auch für Politiker eine immense Herausforderung ist. Aber mit unüberlegten, kontraproduktiven Einschränkungen, leeren Versprechungen und der Förderung der Perspektivlosigkeit ist es nicht getan. Wenn am Ende mehr Fragen als Antworten bleiben – wo, bitte, soll denn dann sonst alles enden außer im Chaos?

Übrigens: Sollten wir in der LokalPlus-Redaktion zumindest auf einige dieser Fragen eine Antwort finden, berichten wir selbstverständlich umgehend...

Nicole Voss

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