Mehr als Verzicht: „Es tut dem Körper und der Seele gut“
Christliche Fastenzeit und muslimischer Ramadan – zwei Kollegen erzählen
- Kreis Olpe, 26.02.2026
- Glaube & Religion
- Von Lorena Klein
Kreis Olpe/Altenhundem. Die christliche Fastenzeit und der muslimische Fastenmonat Ramadan laufen in diesem Jahr nicht nur parallel, sondern haben auch an genau demselben Tag begonnen: Mittwoch, 18. Februar. Das kommt nur sehr selten vor. Auch LokalPlus-Vertriebsmitarbeiterin Sabrina Müller und Ramin Adeeb, IT-Kollege beim Mutterunternehmen Ontavio, fasten – und erzählen, was das für sie bedeutet.


Während der christlichen Fastenzeit geht der Winter meist in den Frühling über – Aschermittwoch fällt frühestens auf Anfang Februar, der späteste Termin für Ostern ist Ende April. Der muslimische Ramadan verschiebt sich jedes Jahr um einige Tage nach vorne und kann somit zu jeder Zeit im Jahr stattfinden. Die Termine für die Fastenzeiten orientieren sich in beiden Religionen nach dem Mond.
Der Ramadan erstreckt sich, abhängig vom Mond, über 29 bis 30 Tage. Der erste Fastentag war diesmal der 19. Februar, nachdem mit der Sichtung der Mondsichel bereits am Vorabend der Fastenmonat eingeläutet wurde. Muslime, die fasten, verzichten in diesem Zeitraum jeweils von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen und Trinken, auch Rauchen ist nicht erlaubt. Jeden Abend, wenn die Sonne untergangen ist, findet dann das Fastenbrechen statt und Muslime kommen zusammen, um gemeinsam zu speisen.





Beliebte Treffpunkte sind die hiesigen Moscheen, wo große Buffets aufgetischt werden. „Dieses Gemeinschaftsgefühl beim Fastenbrechen ist besonders schön“, betont Ramin Adeeb. „Es ist ein religiöser Brauch, bei dem vor allem die Zeit mit Familie und Freunden im Vordergrund steht.“
Im Islam sei es üblich, ab dem Teenager-Alter mit dem Fasten zu beginnen, erklärt Ramin. „Kinder, Schwangere, alte und kranke Menschen sind davon ausgenommen“, ergänzt der 33-Jährige und unterstreicht: „Man sollte sich beim Fasten auch nicht gegenseitig unter Druck setzen, gerade jüngere Menschen nicht. Jeder geht da seinen persönlichen Weg.“
Das Fasten gibt Ramin viel. Auch wenn der Körper sich in den ersten Tagen meist erstmal umgewöhnen müsse, falle der Verzicht tagsüber mit der Zeit immer leichter. „Es ist eine Frage von Geduld und Disziplin und zeigt einem auch, wie stark man sein kann“, weiß Ramin. „Letztendlich tut es dem Körper und der Seele gut“, findet er.



Mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens, das in diesem Jahr vom 20. bis zum 22. März stattfindet, wird schließlich das Ende der Fastenzeit gefeiert. Dazu gehört auch, dass Muslime an Bedürftige spenden. „Meine Familie und einige Freunde starten zum Beispiel eine gemeinsame Spendenaktion – denn in unserer Heimat Afghanistan gibt es viele bedürftige Menschen.“
Wenn der Ramadan endet, dauert die insgesamt 40-tägige christliche Fastenzeit noch etwas. Ostern wird am 5. und 6. April gefeiert. Sabrina Müller verzichtet bis dahin auf Alkohol, Süßigkeiten, industriellen Zucker und Fleisch. Während die Fastenzeit früher an sehr viel strengere Regeln geknüpft war, hat sie heutzutage für viele Christen einen freiwilligen Charakter und ist individuell gestaltbar.
„In meinem persönlichen Umfeld fasten tatsächlich nur wenige“, erzählt Sabrina. Sie selbst habe sich vor einigen Jahren von einer Bekannten inspirieren lassen – und seitdem Jahr für Jahr etwas dazu genommen, worauf sie in der Fastenzeit verzichtet.
„Am Anfang fällt es schon etwas schwer – zum Beispiel das Stück Schokolade abends wegzulassen oder wenn andere um einen herum etwas essen, worauf man auch Lust hätte“, beschreibt die 39-jährige Katholikin. „Nach einer Zeit habe ich dann allerdings gar nicht mehr das Gefühl, das mir etwas fehlt. Außerdem isst man viel gesünder und fühlt sich dadurch deutlich fitter.“
Die Fastenzeit nutzt Sabrina auch als Gelegenheit, sich selbst wieder ein bisschen zu erden. „Schließlich leben wir hier wirklich im Überfluss. Und wenn man das Fasten dann 40 Tage durchgezogen hat, macht das auch stolz.“ Durch den Verzicht würde einiges danach viel intensiver schmecken, so ihr Eindruck. „Eine richtige Belohnung für die Mühe und das Durchhaltevermögen!“

Egal ob christliches Fasten oder Ramadan – Ramin und Sabrina sind sich einig: Auch wenn Verzicht für viele erstmal nach etwas Negativem klingt, bringt er für sie viele Vorteile und wertvolle Erfahrungen.
