„Magnus hat mir viel hinterlassen“: Eine Mutter über Sucht und Verlust
Sohn mit 19 an Drogen verloren
- Kreis Olpe, 16.08.2026
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Kreis Olpe. „Er ist gegangen. Aber er hat mir etwas hinterlassen, das mich bis heute trägt.“ Wenn Bianca B. über ihren Sohn Magnus spricht, sind da Trauer, Liebe und Dankbarkeit. 2017 starb der damals 19-Jährige an den Folgen seiner Drogensucht. Heute erzählt seine Mutter ihre Geschichte, um anderen Mut zu machen und dafür zu sensibilisieren, dass hinter jeder Sucht ein Mensch und eine Familie stehen.

Magnus war ein herzlicher junger Mann, erinnert sich seine Mutter. Sie hatte ihn alleine großgezogen, unterstützt von den Großeltern. Mutter und Sohn standen sich nahe. „Wir konnten eigentlich immer über alles reden.“
Doch mit der Volljährigkeit veränderte sich Magnus. Gemeinsam mit Freunden experimentierte er zunächst weitgehend unbemerkt mit Drogen. Aus dem Ausprobieren wurde regelmäßiger Konsum. Er schwänzte die Schule und entfernte sich zunehmend von seinem bisherigen Leben. Als Bianca B. ihren Sohn eines Morgens schwer berauscht zu Hause fand, brach für sie eine Welt zusammen.

Es folgten Jahre zwischen Hoffnung und Rückschlägen. Opiate und später synthetische Drogen bestimmten Magnus' Alltag, Entgiftungen, psychiatrische Aufenthalte und Therapien folgten. Seine Mutter versuchte zu verstehen, was mit ihrem Sohn geschah. „Ich wollte die Dynamik verstehen und wissen, was in meinem Sohn passiert. Und ich wollte ihm helfen.“
Doch sie musste lernen, Grenzen zu setzen. Dreimal setzte sie ihren Sohn vor die Tür. „Nicht, weil ich ihn nicht liebte. Sondern weil ich irgendwann auch mich selbst schützen musste.“

Halt fand Bianca B. bei der Angehörigengruppe „Zusammen-Halt“ von Caritas-AufWind und in Gesprächen mit Suchtberaterin Claudia Bucher. „Ich habe gelernt, auch auf mich selbst zu achten. Nur wenn ich mich selbst nicht aus dem Blick verliere, kann ich für andere da sein.“

Auch Magnus kämpfte weiter gegen seine Erkrankung. Nach einer Langzeittherapie nahm er zeitweise Unterstützung bei der Suchtberatung in Anspruch. Doch, so Bucher: „Der Sog der Sucht war stärker.“

Umso wertvoller sind für Bianca B. heute die Erinnerungen an die letzten Monate mit ihrem Sohn. Magnus lebte bei einem Freund, arbeitete zeitweise in einem Supermarkt, wollte den Führerschein machen und dachte über das Abitur nach. Mutter und Sohn kamen sich wieder näher.
„Diese Monate waren ein großes Geschenk.“ Sie feierten gemeinsam Weihnachten, trafen sich, redeten und lachten. Einen Tag vor seinem Tod hatten beide noch Kontakt. Am 12. Mai 2017 starb Magnus an den Folgen eines Drogenmischkonsums.
„Magnus hat mir ein Vermächtnis hinterlassen, denn ich bin aus meinem Hamsterrad ausgestiegen. Ich muss nicht mehr nur funktionieren.”
Fast zehn Jahre später überwiegen für Bianca B. die tröstlichen Erinnerungen. Der Tod ihres Sohnes hat ihr Leben verändert. „Magnus hat mir ein Vermächtnis hinterlassen, denn ich bin aus meinem Hamsterrad ausgestiegen. Ich muss nicht mehr nur funktionieren.“
Gemeinsam mit Claudia Bucher setzt sie sich heute für mehr Prävention, niedrigschwellige Hilfen und einen offenen Umgang mit Suchterkrankungen ein. Ihr Appell: „Wir dürfen Sucht nicht stigmatisieren. Hinter jeder Suchterkrankung steht ein Mensch – und hinter jedem Drogentoten eine Familie.“



