Letzter Ausweg Suizid: Schweigen schützt nicht – es gefährdet Leben

Schwerpunkt-Thema zur Wanderausstellung im Kreis Olpe, Teil 1


  • Kreis Olpe, 26.03.2026
  • Gesundheit & Medizin
  • Von Nils Dinkel
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Depressionen sind eine der häufigsten Ursachen für den letzten Ausweg, den Suizid. von Pixabay.com
Depressionen sind eine der häufigsten Ursachen für den letzten Ausweg, den Suizid. © Pixabay.com

Kreis Olpe. Im Alten Lyzeum Olpe ist noch bis Freitag, 27. März, die Wanderausstellung „Suizid – keine Trauer wie jede andere. Gegen die Mauer des Schweigens“ zu sehen. Zum Thema Suizid hat LokalPlus mit Chefarzt Dr. medic. Bogdan Alin Caba, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der GFO Kliniken in Lennestadt und Olpe, über Ursachen, Warnsignale und die Bedeutung des offenen Gesprächs gesprochen.


Suizid ist eines der großen Tabuthemen unserer Gesellschaft – und ein sehr aktuelles. Laut Dr. medic. Caba starben 2024 rund 10.000 Menschen in Deutschland durch Suizid. Die Dunkelziffer sei deutlich höher. Damit ist Suizid eine der häufigsten nicht-natürlichen Todesursachen – noch vor Verkehrsunfällen.

Doch warum fällt es dennoch so schwer, darüber zu sprechen? „Weil Suizid und psychische Erkrankungen immer noch schambehaftet sind“, sagt Arzt. Viele Angehörige und Betroffene fühlten sich allein gelassen. Das Schweigen aber – da ist sich Caba sicher – fördere Isolation, und Isolation steigere das Suizidrisiko.

Das St.-Josefs-Hospital in Altenhundem hat einen neuen Schwerpunkt auf Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie gelegt. von Nils Dinkel
Das St.-Josefs-Hospital in Altenhundem hat einen neuen Schwerpunkt auf Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie gelegt. © Nils Dinkel

Ein weit verbreiteter Mythos hält sich hartnäckig: Wer Suizidgedanken anspricht, bringe Betroffene erst auf „dumme Ideen“. „Das Gegenteil ist wahr“, verdeutlicht Dr. medic. Caba. Studien zeigten, dass offenes, direktes Ansprechen entlastet und das Risiko deutlich senkt.

Viele Betroffene wollten nicht sterben – aber sie wollten nicht mehr so weiterleben wie bisher. Sie sähen in ihrer verzweifelten Situation keine Alternative. „Wenn wir nachfragen, öffnen wir eine Tür. Wir zeigen: Du bist nicht allein.“

Depression ist ein zentraler Faktor

Depressionen sind einer der häufigsten Gründe für Suizidgedanken. Betroffene erleben die Welt wie einen „schwarzen Tunnel ohne Licht“. Dazu können weitere Erkrankungen wie bipolare Störungen, Suchterkrankungen, Psychosen, Persönlichkeitsstörungen und akute Krisen wie Trennungen oder schwere Lebensumbrüche kommen.

Auch ältere Menschen sind laut Dr. medic. Caba gefährdet, wenn depressive Symptome mit beginnenden Gedächtnisstörungen zusammentreffen.

Warnsignale ernst nehmen

Außenstehende können viel bewirken – wenn sie aufmerksam sind. Zu typischen Warnsignalen gehören, so Dr. medic. Caba sozialer Rückzug, Interessenverlust, Isolation, starke Niedergeschlagenheit oder ungewöhnliche Unruhe, plötzliche Ruhe nach langer Krise, „Ordnen der Angelegenheiten“: Versicherungen kündigen, Besitz aufteilen und Äußerungen von Hoffnungslosigkeit oder dem Wunsch „nicht mehr da zu sein“.

Besonders gefährlich seien Situationen, in denen Betroffene unter Realitätsverzerrungen oder starker Angst leiden.

Trauer nach Suizid ist „keine wie jede andere“

Die Wanderausstellung, die noch bis Freitag, 27. März, in Olpe zu sehen ist, rückt auch die besondere Trauer der Hinterbliebenen in den Mittelpunkt. Sie bleiben zurück mit quälenden Fragen: Hätten wir etwas merken müssen? Haben wir versagt? Warum hat er oder sie uns das angetan? „Diese Trauer ist tiefer und dauert häufig länger“, so Caba. Viele Angehörige kämpften ein Leben lang mit der Suche nach Antworten.

Bundesweit entstehen neue Hilfsangebote: 24/7-Krisennummern, Krisendienste, Seelsorge, niedrigschwellige psychiatrische Ambulanzen. Doch für Caba bleibt der wichtigste Schritt ein persönlicher: „Wir müssen reden. Schweigen tötet – Ansprechen rettet Leben.“

In einem zweiten Bericht stellt Dr. Caba die Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der GFO Kliniken in Lennestadt näher vor. Diesen könnt ihr ab 19 Uhr hier lesen.

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