Konfliktfolgen für Touristen: Reisen in den Orient werden zum Risiko
Reisende aus dem Kreis Olpe zwischen Warten und Bangen
- Kreis Olpe, 02.03.2026
- Verschiedenes
- Von Claudia Wichtmannund Nils Dinkel
Kreis Olpe. Die angespannte Sicherheitslage im Nahen Osten trifft zunehmend auch Reisende aus der Region: Urlauber aus dem Kreis Olpe sitzen derzeit auf Kreuzfahrtschiffen in den Vereinigten Arabischen Emiraten fest, Flüge fallen aus und Reisepläne geraten ins Wanken. LokalPlus hat mit den Reisebüros „Der Kreuzfahrtenprofi“ und „Im Reisewerk“ gesprochen. Sie berichten von besorgten Kunden, eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten und einer Situation, deren Entwicklung kaum vorhersehbar ist.

Nach Angaben von Christiane Wurm vom Reisebüro „Der Kreuzfahrtenprofi“ sitzen derzeit Urlauber auf Schiffen in den Vereinigten Arabischen Emiraten fest – darunter auch Familien mit Kindern. Ein Schiff liege aktuell vor Doha, berichtet Christiane Wurm. Nur rund anderthalb Kilometer entfernt sei eine Drohne eingeschlagen.
Aus Sicherheitsgründen dürften Passagiere weder Balkone noch Außenbereiche nutzen, auch der Aufenthalt an Fenstern solle vermieden werden. „Im Inneren läuft der Betrieb relativ normal weiter, aber die Gäste sind faktisch eingesperrt und müssen abwarten“, sagt die Reiseexpertin. Der Luftraum sei gesperrt, Ausreisen seien derzeit nicht möglich, und auch von Weiterreisen in andere Länder würden dringend abgeraten.





Besonders problematisch könne die Lage für Reisende werden, die regelmäßig Medikamente benötigten oder auf spezielle Arzneimittel angewiesen seien. Auf den betroffenen Schiffen befänden sich allein sieben Kabinen mit 14 Gästen aus ihrem Kundenkreis.
„Im Inneren läuft der Betrieb relativ normal weiter, aber die Gäste sind faktisch eingesperrt und müssen abwarten.”
Reisebüros selbst seien in solchen Krisensituationen nur begrenzt handlungsfähig. Der Informationsfluss laufe hauptsächlich über die Reedereien und Behörden wie das Auswärtiges Amt. „Wir erhalten unsere Informationen im Grunde nur über die Medien“, so Wurm. Entscheidungen lägen bei den Veranstaltern; eingreifen könnten Vermittler nicht.

Derzeit verkehre in der Region praktisch nur noch TUI Cruises, während auch MSC Cruises noch ein Schiff vor Ort habe. Viele Kreuzfahrten seien jedoch bereits ausgesetzt worden, die Saison im Golfgebiet sei „mehr oder weniger durch“. Zahlreiche Schiffe würden in den kommenden Wochen in europäische Sommerfahrtgebiete verlegt. Eine Welle von Stornierungen beobachte sie bislang nicht.
Einige Kunden hätten ihre Reisepläne geändert und würden statt der Emirate andere Ziele anfliegen. Grundsätzlich könnten Reisebüros Reisen nicht eigenständig absagen, solange keine offizielle Anweisung vorliege.
Vorausschauender reagiert habe AIDA Cruises: Der Veranstalter habe seine aktuelle Orient-Saison 2025/26 bereits im Vorfeld wegen der politischen Lage komplett gestrichen. Dadurch seien Kunden dieses Anbieters aktuell nicht betroffen. Wie sich die Lage entwickelt, sei derzeit völlig offen. „Man kann nur hoffen, dass sich die Situation beruhigt“, sagt Christiane Wurm. Für den Herbst und Winter lasse sich noch keine Prognose treffen.
Auch das Reisebüro „Im Reisewerk“ ist von der aktuellen Lage stark betroffen. Derzeit seien keine aktuellen oder kurzfristigen Flugverbindungen mehr möglich, berichtet Inhaberin Rebecca Bugiel.

Das Team arbeite mit Hochdruck daran, Lösungen für Reisende zu finden, die sich derzeit in den Vereinigten Arabische Emiraten oder in den Drehkreuzen aufhalten. „Wir hatten heute Morgen eine Telefonkonferenz mit den Veranstaltern und versuchen, alles daran zu setzen, die Reisenden nach Hause zu holen“, so Rebecca Bugiel.
„Wichtig ist, dass wir für die Kunden da sind, Sorgen nehmen und Lösungen finden”
Auch Kunden, die kurzfristig in die Vereinigten Arabischen Emirate fliegen wollten, würden umfassend beraten. „Wichtig ist, dass wir für die Kunden da sind, Sorgen nehmen und Lösungen finden“, sagt die Reisebüro-Chefin.
Man habe am Morgen die Abreiselisten geprüft und gehe aktiv auf betroffene Kunden zu. Gleichzeitig meldeten sich viele Reisende bereits selbst im Büro. „Wir haben eine gut funktionierende Kommunikation.“
Viele Kunden riefen derzeit an, um ihre Reisen zu stornieren. Kunden hingegen, die ihre Abreise in die Region längerfristig planen oder ein späteres Reisedatum gebucht haben, rät Rebecca Bugiel, zunächst abzuwarten.

Die Veranstalter konzentrierten sich aktuell vor allem darauf, Reisende in akuten Notsituationen zu betreuen. Kunden, deren Reise erst in einigen Wochen oder Monaten anstehe, könnten sich weiterhin im Reisebüro beraten lassen und die Lage fortlaufend neu bewerten. Verbindliche Zusagen für kostenlose Stornierungen in weiter entfernten Zeiträumen könnten die Veranstalter derzeit noch nicht machen.
