Keine Privatangelegenheit: Mehr Fälle häuslicher Gewalt im Kreis Olpe
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- Kreis Olpe, 19.04.2023
- Verschiedenes
- Von Lorena Klein
Kreis Olpe. Für manche Menschen sind die eigenen vier Wände kein sicherer Ort mehr. Sie sind Opfer häuslicher Gewalt. Jedes Jahr gibt das „Netzwerk gegen häusliche Gewalt“ einen Überblick über Zahlen und Entwicklungen im Kreis Olpe – so auch wieder am Mittwoch, 19. April, im Kreishaus in Olpe.


„Der Kreis Olpe hat bei Straftaten mit 62 Prozent die beste Aufklärungsquote in NRW“, begann Sabine Nosiadek, Koordinatorin des Netzwerks und Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Olpe, mit einem Ergebnis der Kriminalstatistik 2022. Doch diese spiele bei häuslicher Gewalt eher eine geringere Rolle – denn hier seien die Täter meist bekannt.
Häufig sind es die (Ehe-) Partner, von denen verschiedene Formen physischer und psychischer Gewalt ausgehen, wie Schläge, Drohungen, Beschädigung von Eigentum, strenge Verbote und Kontrollen. Häusliche Gewalt hat viele Gesichter und kann innerhalb der Familie, des Haushalts oder auch in Relation zum Ex-Partner stattfinden.





„In den letzten Jahren ist die Kriminalität stark angestiegen. Davon ist natürlich auch die häusliche Gewalt nicht ausgeschlossen“, berichtete Michael Kopsan, Opferschutzbeauftragter der Kreispolizeibehörde Olpe. So wurden im vergangenen Jahr 291 Fälle häuslicher Gewalt im Kreis verzeichnet – ein Anstieg von etwa 28 Prozent im Vergleich zum Jahr 2021 mit 226 Fällen.
Im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt seien 2022 zudem insgesamt 124 Wohnungsverweise und Rückkehrverbote verhängt worden. Diese verschaffen den Opfern Zeit und Schutz und werden von der Polizei kontrolliert.
„Häusliche Gewalt setzt sich aus vielen Straftaten zusammen“, erklärte Michael Kopsan. Im Kreis seien vorsätzliche Körperverletzungen (wie Schläge), gefährliche Körperverletzungen (zum Beispiel unter Verwendung von Gegenständen) sowie Bedrohungsdelikte, bei denen Opfer in der Regel mit dem Tode bedroht werden, im vergangenen Jahr am häufigsten aufgetreten.
Insgesamt gab es 208 weibliche und 106 männliche Opfer häuslicher Gewalt, wobei letzterer Anteil deutlich gestiegen sei.

Auch die Frauenberatungsstelle des Vereins „Frauen helfen Frauen“ Olpe steht Opfern häuslicher Gewalt zur Seite. Außerdem Frauen, die Gewalt in der Schule oder am Arbeitsplatz sowie sexuelle Belästigung erlebt haben, betonte Anette Pfeifer von der Frauenberatungsstelle. Der Bedarf an Beratungs- und Unterstützungsangeboten sei auch 2022 sehr hoch gewesen. Insgesamt haben 1.512 persönliche oder telefonische Einzelberatungsgespräche und 321 digitale Gespräche stattgefunden.
Durch die Zusammenarbeit mit der Polizei konnten 31 weibliche Opfer häuslicher Gewalt an die Frauenberatungsstelle vermittelt werden, 23 entschieden sich für eine Beratung. Insgesamt 89 Prozent aller Mädchen und Frauen, die sich an die Beratungsstelle wenden, tun dies aufgrund physischer, psychischer oder sexualisierter Gewalt. Sie stammen aus allen sozialen Schichten.
Einige Betroffene warten zudem auf eine Psychotherapie. „Wir überbrücken diese Wartezeit. Das kann allerdings gerade bei Traumatisierten sehr lange dauern“, so Anette Pfeifer. Bis zu zwei Jahre können dabei vergehen.

Auch die schwierige Wohnungssuche kann betroffenen Frauen zusätzliche Steine in den Weg legen. Das merkt vor allem das Frauenhaus, das ebenfalls unter der Trägerschaft von „Frauen helfen Frauen“ steht. Die Aufenthaltsdauer der Frauen in der Unterkunft habe sich verändert, berichtet Sylvia Rath vom Frauenhaus.
Im Schnitt dauere die Wohnungssuche ein halbes Jahr, gerade im Kreis Olpe sei die Situation problematisch. Nach dem Aufenthalt im Frauenhaus beziehen 19 Prozent eine neue Wohnung.
Im vergangenen Jahr hat das Olper Frauenhaus 39 Frauen und 43 Kinder aufgenommen, 62 Prozent der Frauen waren dabei im Alter von 26 bis 40 und Kinder meist nicht älter als 14. Häufig kommen sie aus anderen Kreisen, aber mit 13 Prozent sei der Anteil von Frauen aus dem Kreis Olpe gestiegen, so Rath.

„Die Straftaten häuslicher Gewalt spielen sich hinter verschlossenen Türen ab, sind aber keine Privatangelegenheit“, hob Gleichstellungsbeauftragte Sabine Nosiadek abschließend hervor. Sie wirkten sich auf unsere ganze Gesellschaft aus. So soll zukünftig vor allem der Schutz von Kindern besonders in den Blick genommen werden. „Es ist wichtig, das Thema sichtbar zu machen.“
Bundesweites Hilfetelefon:
Seit zehn Jahren können sich von Gewalt betroffene Frauen an das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ wenden: Tel. 08000 116 016
Auch für Männer, Ehepartner und Familien gibt es Beratungsmöglichkeiten im Kreis Olpe.


