Kampf gegen Rassismus - „Nur die Wäsche muss nach Farben sortiert werden“

Preisverleihung mit deutlichen Worten


  • Kreis Olpe, 24.10.2023
  • Politik
  • Von Wolfgang Schneider
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Nach der Preisverleihung (von links): Landrat Theo Melcher, Sami Gebremariam, Bettina Kleeschulte, Laudatorin Uta Hoffmann und Kulturausschuss-Vorsitzender Michael Hecken. von Wolfgang Schneider
Nach der Preisverleihung (von links): Landrat Theo Melcher, Sami Gebremariam, Bettina Kleeschulte, Laudatorin Uta Hoffmann und Kulturausschuss-Vorsitzender Michael Hecken. © Wolfgang Schneider

Kreis Olpe. Die Familie von Bettina Kleeschulte und Detlev Beckmann aus Helden sowie der Lennestädter Künstler Sami Gebremariam haben den Preis „Kein Platz für Extremismus und Rassismus“ des Kreises Olpe erhalten. Die Preisverleihung am Montag, 23. Oktober, im Olper Kreishaus war ein deutliches Zeichen gegen Alltagsrassismus und für das respektvolle Miteinander der Nationalitäten, Kulturen und Religionen.


Zur Patchworkfamilie von Bettina Kleeschulte und Detlev Beckmann gehören auch zwei Schwarze Söhne. Jesse und Bendix, inzwischen junge Erwachsene, haben Alltagsrassismus am eigenen Leib erlebt. Sie mussten abfällige Äußerungen ertragen, wurden misstrauisch beäugt, körperlich angegangen oder wegen ihrer Hautfarbe nicht in Diskotheken hereingelassen.

„Mal gegen Rassismus“

„Manchmal ist es nur ein Blick, eine Äußerung, die den Rassismus im Alltag ausmacht. Als Mutter habe ich oft Angst gehabt, wenn die beiden Jungs abends in Attendorn unterwegs waren“, berichtete Bettina Kleeschulte. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen kam der Familie die Idee zur Aktion „Mal gegen Rassismus“.

Das ehrenamtliche Projekt wurde gemeinsam mit dem Lennestädter Künstler Sami Gebremariam im März 2022 umgesetzt. 20 Teilnehmer malten beeindruckende Bilder, die die Vielfalt und Schönheit der Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen zeigen. „Bei dem Projekt wurde Kunst als Transportmittel für Toleranz und Entgegenkommen eingesetzt“, lobte Laudatorin Uta Hoffmann.

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Im Rahmen einer Feierstunde wurde der Preis „Kein Platz für Extremismus und Rassismus“ im Sitzungssaal des Olper Kreishauses verliehen.

Angesichts eines „bestürzenden Rechtsrucks in diesem Land“ brauche es Zivilcourage und Mut, wie ihn die Familie tagtäglich zeige, so Hoffmann. „Wir brauchen mehr Kleeschultes, Beckmanns und Gebremariams. Ihr seid ein leuchtendes Beispiel für gelungene Integration. Und seid euch gewiss: Ihr seid nicht allein.“

Kulturausschussvorsitzender Michael Hecken berichtete, alle vier eingereichten Vorschläge seien preiswürdig gewesen, doch mit der Auszeichnung des Projekts „Mal gegen Rassismus“ habe die Jury eine Bewerbung ausgewählt, die besonders hervorsteche.

„Nie als normal hinnehmen“

Landrat Theo Melcher ging in seiner Rede auf das aktuelle Kriegsgeschehen im Nahen Osten ein. Es sei abscheulich, wenn das bestialische Abschlachten von Kindern von einigen Extremen bejubelt werde. Er hoffe inständig, „dass kein Kind, ob israelisch oder palästinensisch, mehr zu Tode kommt“, so der Landrat.

Mit Blick auf die Erfahrungen der Preisträger prangerte der Landrat den Alltagsrassismus an: „Aufgrund von Hautfarbe, Augenform, Barttracht oder anderen völlig unerheblichen Merkmalen angestarrt, abgelehnt, benachteiligt zu werden, das wollen wir nie als normal hinnehmen. Es bringt nichts, Menschen auf ihre Hautfarbe zu reduzieren. Denn sympathische, offene Menschen sind vor allem innen drin bunt.“

Das Rapper-Trio Mo und seine Brüder sorgte für die musikalische Umrahmung der Feierstunde. von Wolfgang Schneider
Das Rapper-Trio Mo und seine Brüder sorgte für die musikalische Umrahmung der Feierstunde. © Wolfgang Schneider

Eindrucksvolle Worte fand am Ende Preisträgerin Bettina Kleeschulte: „Ich wünsche mir Veränderung – und zwar ganz schnell. Ich wünsche mir, dass die alte Tugend Zivilcourage wieder Thema für jeden wird. Das einzige, was nach Farben sortiert werden muss, sollte die Wäsche sein.“

Durch die Auftritte des Siegener Rapper-Trios „Mo und seine Brüder“ erhielt die Preisverleihung einen ebenso tiefsinnigen wie unterhaltsamen Rahmen. Das Preisgeld von 2.000 Euro werden Kleeschulte, Beckmann und Gebremariam übrigens für Projekte in Haiti, Äthiopien und Tansania spenden.

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