„In turbulenten Zeiten brauchen die Leute Stabilität und Verlässlichkeit“

CDU-MdB Müller zieht Zwischenbilanz


  • Kreis Olpe, 03.11.2023
  • Politik
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CDU-MdB Florian Müller zieht nach zwei Jahren im Bundestag Halbzeitbilanz. von Wolfgang Schneider
CDU-MdB Florian Müller zieht nach zwei Jahren im Bundestag Halbzeitbilanz. © Wolfgang Schneider

Kreis Olpe. Im September 2021 holte der Drolshagener CDU-Politiker Florian Müller das Direktmandat im heimischen Wahlkreis und zog in den Bundestag ein. Gut zwei Jahre später, zur Hälfte der Legislaturperiode, zieht er Zwischenbilanz. Die fällt, wen wundert es, zweigeteilt aus. Persönlich sieht er sich beim Einsatz für die Region auf einem guten Weg, aber die Regierungspolitik gefällt ihm gar nicht.


Die Ampelkoalition beschäftige sich zu sehr mit Randthemen und zu wenig mit den wirklichen Problemen im Land, kritisiert der Christdemokrat. Statt über Cannabis-Legalisierung zu diskutieren, müsse das derzeit alles überstrahlende Thema Migration beherzt angegangen werden, fordert Müller beim Pressegespräch am Donnerstagnachmittag, 2. November, in Sondern.

Mehr Verlässlichkeit

Mit der großen Zahl an Flüchtlingen sei Deutschland überfordert. Um den Zustrom zu regulieren, müsse man dafür sorgen, dass Asylanträge nicht hier, sondern in den Herkunfts- und Transitländern gestellt werden könnten. Zudem sei es wichtig, dass die wirtschaftlichen Anreize für Asylbewerber abgesenkt würden. Wenn das nicht gelinge, bestehe die Gefahr, dass bald wieder Turnhallen belegt werden müssen. Und das sorge dann auch dafür, dass „die Akzeptanz des wichtigen Gutes Asylrecht“ leide.

Von der Politik generell wünscht sich Florian Müller mehr Verlässlichkeit: „Jeder aktive Politiker muss sich seiner Verantwortung für die Demokratie bewusst sein. In turbulenten Zeiten brauchen die Leute Stabilität und Verlässlichkeit. Auch hier bei uns im Sauerland machen sich die Leute Sorgen um ihren Wohlstand und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das muss Sorgen machen.“

Florian Müller nahm am 26. Oktober 2021 an der konstituierenden Sitzung des Bundestags teil. von Büro Florian Müller
Florian Müller nahm am 26. Oktober 2021 an der konstituierenden Sitzung des Bundestags teil. © Büro Florian Müller

In den zwei Jahren als Bundestagsabgeordneter hat sich Florian Müller vor allem der Verkehrspolitik gewidmet. Er sieht es als wichtige Aufgabe, „die unterschiedlichen Ansprüche an Mobilität in der Stadt und auf dem Land zu versöhnen“. So sei das Auto in ländlichen Gegenden wie dem Sauerland auch in Zukunft das Verkehrsmittel der Wahl. Der CDU-Politiker ist kein Fan des 49-Euro-Tickets. „Das sorgt für Verluste der Verkehrsunternehmen und wird nur selten genutzt. Die 4 bis 5 Milliarden Euro, die das Ticket kostet, sollten besser in den bedarfsgerechten ÖPNV investiert werden.“

Am Herzen liegen dem Drolshagener, der „der Region eine Stimme geben“ will, vor allem junge Familien und deren Wohnwünsche. „Bezahlbares Bauen und Wohnen muss mehr in den Fokus rücken. Da gibt es zu viele Auflagen und Vorschriften, die die Preise in die Höhe treiben.“ Wenn man die Anforderungen an die energetische Sanierung von Gebäuden nicht auf ein tragbares Maß absenke, seien Gebrauchtimmobilien für junge Familien kaum finanzierbar. Müller: „Dann stehen demnächst viele Häuser leer.“

MdB Florian Müller aus Drolshagen hat den neuen Parlamentskreis Schützenwesen initiiert. von Marco Urban
MdB Florian Müller aus Drolshagen hat den neuen Parlamentskreis Schützenwesen initiiert. © Marco Urban

Der 36-Jährige hat sich mit der Arbeit in der Opposition arrangiert. „Um als Bundestagsneuling seinen Platz zu finden, ist Oppositionsarbeit hilfreich und sinnvoll“, so Müller. Auch als Opposition könne man einiges bewegen, findet er und nennt als Beispiel den Parlamentskreis Schützenwesen, der im Bundestag auf seine Initiative hin gegründet worden ist.

Nach zwei Jahren mit mehr als 800 Terminen in Berlin und im Wahlkreis sowie etwa 300 bearbeiteten Bürgeranfragen hat Florian Müller die Freude an der Politik nicht verloren – im Gegenteil: „Für mich ist das keine Arbeit, sondern eine Aufgabe, die mich jeden Tag aufs Neue erfüllt.“

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