In den Verwaltungen müssen 22.000 Computer überprüft werden

Interview mit SIT-Verbandsvorsteher Theo Melcher


  • Kreis Olpe, 08.11.2023
  • Verschiedenes
  • Von Wolfgang Schneider
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Symbolfoto. von pexels.com
Symbolfoto. © pexels.com

Kreis Olpe. Der durch den Cyberangriff auf die Südwestfalen-IT entstandene Schaden für die betroffenen Kreise, Städte und Gemeinden ist noch nicht zu beziffern. Wann die Systeme in den Kreis- und Rathäusern wieder funktionieren, ist noch nicht absehbar. Das erklärte der Olper Landrat Theo Melcher, der auch Verbandsvorsteher der Südwestfalen-IT ist, im Gespräch mit LokalPlus.


Hackerangriffe können generell jeden treffen. Aber gab es konkrete Schwachstellen, die die SIT verwundbar gemacht haben?

„Das ist nicht seriös zu beantworten. Die Analyse dazu läuft noch und ich hoffe möglichst bald auf valide Ergebnisse. Aber natürlich muss es irgendwo einen Punkt gegeben haben, an dem die Hacker ansetzen konnten.“

Auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen liest man zahlreiche negative Kommentare von SIT-Mitarbeitern. Da heißt es, viele Mitarbeitern seien demotiviert und hätten innerlich gekündigt. Gibt es personelle und/oder strukturelle Probleme bei der SIT?

„Auf der letzten Personalversammlung habe ich keine schlechte Stimmung unter den Beschäftigten gespürt. Und in der jetzigen Situation arbeiten alle sehr engagiert. Der stellvertretende Geschäftsführer macht einen guten Job und der neue Geschäftsführer ist bereits bestellt.“

Landrat Theo Melcher ist auch Verbandsvorsteher der Südwestfalen-IT. von Nils Dinkel
Landrat Theo Melcher ist auch Verbandsvorsteher der Südwestfalen-IT. © Nils Dinkel

Ist eine Lösegeldforderung von den Tätern eingegangen?

„Die haben die Systeme der SIT verschlüsselt und in einer Nachricht auf Englisch mitgeteilt, dass wir Kontakt zu ihnen aufnehmen können. Das haben wir nicht getan. Eine konkrete Forderung hat es nicht gegeben.“

Ist es sinnvoll, dass alle Kommunen in der Region auf einen einzigen Dienstleister setzen?

„Der Zweckverband ist der Ausdruck des gemeinsamen Bestrebens und erleichtert die Arbeit. In anderen Bundesländern gibt es sogar – im Gegensatz zu NRW – überhaupt nur ein oder zwei IT-Dienstleister. Experten sagen: Eine Vielzahl an kleinen Dienstleistern ist nicht sinnvoll, sondern die Bündelung der Expertise in großen Einheiten.“

Normalbetrieb nicht absehbar

Welche Konsequenzen zieht die SIT bzw. ziehen die Verbandsmitglieder aus dem Vorfall?

„Das steht jetzt noch nicht fest. Wir wollen auf die Empfehlungen der Sachverständigen warten und dann entscheiden, was zu tun ist.“

Ist schon absehbar, wann die Kommunen wieder die SIT-Dienstleistungen nutzen und normal arbeiten können?

„Das ist aktuell noch überhaupt nicht absehbar. Wir versuchen, die Dinge sukzessive wieder ans Laufen zu bringen. Aber das ist eine enorme Aufgabe. Um das mal an Zahlen zu verdeutlichen: In den Verwaltungen der betroffenen Kommunen müssen 1.400 Server und etwa 22.000 Rechner gescannt und überprüft werden. Wenn wir wieder bestimmte Dienstleistungen anbieten können, werden wir das rechtzeitig kommunizieren.“

Es klemmt bei der Kommunikation

Sie stehen im Austausch mit den Verwaltungschefs im Kreis Olpe und in Südwestfalen. Wo klemmt es Ihrer Einschätzung nach am meisten?

„Natürlich klemmt es grundsätzlich schon bei der Kommunikation, denn normaler E-Mail-Verkehr ist nicht möglich und viele Telefonanlagen sind ausgefallen. Dass die Zulassungsstelle und die Führerscheinstelle nicht wie gewohnt arbeiten können, trifft natürlich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger. Gleiches gilt für die Bearbeitung von Bauanträgen oder beim Meldewesen.“

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