IHK‑Konjunkturumfrage: Iran‑Konflikt stoppt die Wachstumshoffnungen

Klimaindex sinkt von 96 auf 93 Punkte


Topnews
IHK-Vizepräsident Christian F. Kocherscheidt (l.), IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Thilo Pahl (M.) und IHK-Referatsleiter Stephan Häger präsentierten die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage. von IHK Siegen
IHK-Vizepräsident Christian F. Kocherscheidt (l.), IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Thilo Pahl (M.) und IHK-Referatsleiter Stephan Häger präsentierten die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage. © IHK Siegen

Kreis Olpe/Siegen. „Der eskalierte Iran‑Konflikt und die damit sprunghaft gestiegenen Energiepreise haben den zu Jahresbeginn erkennbaren Hoffnungsschimmer auf Wachstum zunichtegemacht. Gleichwohl stehen die Unternehmen in unserer Region aktuell noch auf einem erfreulich robusten Fundament. Dieses gerät jedoch mit jeder weiteren Krisensituation zunehmend unter Druck.“


Anzeige karriere-suedwestfalen.de

So kommentiert IHK‑Vizepräsident Christian F. Kocherscheidt die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage, die am Mittwoch, 13. Mai vorgestellt wurden. An der Umfrage beteiligten sich 429 Unternehmen aus den Kreisen Siegen‑Wittgenstein und Olpe mit mehr als 34.000 Beschäftigten.

Der Konjunkturklimaindex, der sich aus Lagebeurteilung und Geschäftserwartungen zusammensetzt, sinkt im Vergleich zum Jahresbeginn um drei Punkte auf 93 Punkte. Damit bleibt er unter dem langfristigen Mittelwert der vergangenen 20 Jahre.

Erwartungen vorsichtiger

Die aktuelle Geschäftslage wird von der Mehrheit der Unternehmen (57 %) als befriedigend eingeschätzt. 21 % bewerten ihre Lage als gut, 22 % als schlecht. Insbesondere Industrie, Groß‑ und Einzelhandel sowie das Dienstleistungsgewerbe melden eine stabilere Lage als zuletzt.

Deutlich skeptischer fällt der Blick auf die kommenden Monate aus. Zwar rechnet die Mehrheit mit einer gleichbleibenden Entwicklung, der Anteil der Pessimisten ist jedoch spürbar gestiegen. Christian F. Kocherscheidt: „Bei zahlreichen Betrieben ist die Ausgangslage noch robust. Gleichzeitig wächst die Verunsicherung durch geopolitische Risiken und steigende Kosten. Für viele Betriebe gilt: Der Standort Deutschland ist zu teuer, zu langsam und zu kompliziert.“

Risiken bleiben hoch

Als größte Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung nennen die Unternehmen aktuell die Energie‑ und Rohstoffpreise (83 %). Es folgen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (68 %), die Arbeitskosten (65 %) sowie die Inlandsnachfrage (60 %).

IHK‑Hauptgeschäftsführer Dr. Thilo Pahl: „Die deutlich gestiegenen Energiepreise erhöhen den wirtschaftlichen Druck auf die Betriebe. Wenn globale Transportwege unter Druck geraten, bleiben nicht nur Lieferungen aus, auch Energie‑ und Transportkosten steigen schlagartig. Strukturelle Reformen sind unerlässlich – nicht zuletzt, weil sich geopolitische Spannungen nicht kurzfristig auflösen werden.“

Die Investitionsneigung bleibt gedämpft: 34 % der Unternehmen planen geringere Investitionen, lediglich 11 % wollen mehr investieren. Auch die Beschäftigungspläne sind zurückhaltend. Während 61 % von einer stabilen Beschäftigtenzahl ausgehen, rechnen 29 % mit einem Rückgang.

Blick auf die einzelnen Branchen

20 % der Industrieunternehmen berichten von einer guten und 58 % von einer befriedigenden Geschäftslage. Die Tendenz der Auftragseingänge hat sich spürbar verbessert. Auch die Auslastung der Produktionskapazitäten ist gestiegen. Gleichzeitig fallen die Geschäftserwartungen pessimistischer aus.

Das Baugewerbe weist weiterhin die beste Lagebewertung aller Wirtschaftszweige auf. Viele Unternehmen berichten von einer guten Auslastung, die überwiegend aus vorhandenen Aufträgen getragen wird. Gleichzeitig fällt der Blick auf die kommenden Monate skeptischer aus.

Im Groß‑ und Einzelhandel hat sich die Situation stabilisiert, bleibt aber angespannt. Der Einzelhandel leidet nach wie vor unter einer ausgeprägten Kaufzurückhaltung der Verbraucher und wachsendem Margendruck. Viele Kunden verschieben größere Anschaffungen.

Zahlreiche unternehmensnahe Dienstleister berichten noch von einer stabilen Auftragslage, gleichzeitig nehmen Zurückhaltung und Preisdruck jedoch zu. Besonders das Verkehrsgewerbe leidet erheblich unter den Kraftstoff‑ und Energiekosten. Die haben sich insgesamt nur leicht eingetrübt. Im Gastgewerbe ist die Lage dagegen deutlich angespannter. Hohe Kosten, Fachkräftemangel und eine ausgeprägte Konsumzurückhaltung prägen die Situation.

Artikel teilen: