„Hier ist meine Heimat. Hier will ich sterben.“
Rüdiger (54) lebt seit vier Wochen im Elisabeth-Hospiz in Altenhundem
- Kreis Olpe, 20.12.2015
- Verschiedenes
- Von Kerstin Sauer
„Das war mein größter Wunsch: Zurück ins Sauerland zu ziehen. Und hier zu sterben.“ Rüdiger wurde in Essen geboren, wuchs aber im Sauerland auf. Hier liegen seine Wurzeln, sagt er. Hier ist seine Heimat. Und hier will er im St.-Elisabeth-Hospiz in Altenhundem seine letzten Lebenstage verbringen.

„Hallo, ich bin der Rüdiger. Einfach nur Rüdiger.“ Offen, freundlich, vielleicht etwas angespannt wirkt Rüdiger bei der Begrüßung. Er öffnet die Tür zu seinem kleinen Reich: „Hier wohne ich“, sagt der 54-Jährige mit einer ausholenden Armbewegung. Auf dem Schränkchen links steht eine kleine Stereoanlage, flankiert von Trucks im Miniformat. Geradeaus ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen, eine Weihnachtskarte lugt unter dem Papierstapel hervor.
Rechts an der Wand reihen sich 70 CDs aneinander, „hauptsächlich Country-Musik“, sagt Rüdiger. Daneben das schmale Bett, die Bettwäsche bezogen mit schwarz-gelber BVB-Garnitur. „Ich mag den BVB“, sagt Rüdiger, fügt aber sofort hinzu „Tom Astor mag ich mehr“ und zeigt auf die Riesen-Sammlung von Autogrammkarten mit persönlicher Widmung, die die Wand zieren. Mittendrin: Ein „Sauerland“-Schild.
Und da Rüdiger immer den Wunsch hatte, zurück ins Sauerland zu ziehen, stellte er sich im Elisabeth-Hospiz in Altenhundem vor. Doch der Schritt über die Türschwelle, so erinnert er sich, war schwer: „Ich dachte auf einmal: Will ich das überhaupt? Alles aufgeben und hier einziehen?“

Mehr als eine Stunde sprach er mit Einrichtungsleiterin Monika Kramer. Und plötzlich, so sagt er und streckt beide Daumen in die Höhe, „war alles klar: Hier möchte ich hin und hier will ich sterben.“ Und nach einem kurzen Zögern fügt er leise hinzu: „Da, wo ich mich wohlfühle. Da, wo meine Heimat ist. Ich will im Sauerland sterben.“
Rüdiger wirkt nicht verzweifelt. Ängstlich. Im Gegenteil: Als er von seinem Tagesablauf berichtet, wird er lebhaft: „Nach dem Aufstehen genieße ich erstmal meinen Kaffee“, sagt er und deutet auf die kleine Kaffeemaschine auf dem Schränkchen. „Dann mache ich hier meinen Rundgang: Jeden Morgen zünde ich in der Kapelle eine Kerze an und danke, dass ich den Tag noch erleben darf.“

Danach geht er in die Gemeinschaftsküche und frühstückt mit den Mitarbeitern, bevor er sich wetterfest anzieht und raus geht: „Ich bewege mich gerne. Gehe gerne in den Wald, mit meinem Fernrohr, oder auch mal in den Ort.“ Gelegentlich besucht er auch die Senioren im Josefinum, das eine Etage unter dem Hospiz liegt.
Das Grinsen will nicht mehr von seinem schmalen Gesicht weichen. Am Sonntag, 13. Dezember, so erzählt Rüdiger, habe auf einmal sein Telefon geklingelt. „Wer ist denn da“, habe er gefragt. Die simple Antwort: „Hier ist Tom Astor!“ Mehr als eine halbe Stunde telefonierte Rüdiger mit seinem Idol. Erzählte, wie es ihm geht, stellte und beantwortete Fragen.
Eine Überraschung, die die Mitarbeiter des Hospizes organisiert hatten. Ihnen hat Rüdiger es also auch zu verdanken, dass Tom Astor, mit bürgerlichem Namen Wilhelm Bräutigam aus Schmallenberg, ihm eine Weihnachts-CD, das Autogramm und einen Button schickte. „Ich bin gesprungen wie ein kleines Kind“, sagt Rüdiger und strahlt übers ganze Gesicht.
Leben und Sterben im Hospiz
