Heimische Spediteure klagen: Müssen künftig fast das Doppelte bezahlen

Erhöhung der Mautgebühr


  • Kreis Olpe, 16.11.2023
  • Straße & Verkehr
  • Von Nicole Voss
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Bei der Erhöhung der Dieselpreise hat es Proteste gegeben. Was passiert jetzt? von Nicole Voss
Bei der Erhöhung der Dieselpreise hat es Proteste gegeben. Was passiert jetzt? © Nicole Voss

Kreis Olpe. Die Bundesregierung hat das Gesetz zur Regelung der Mautgebühren novelliert und die Erhöhung zum 1. Dezember 2023 abgesegnet. Bislang richten sich die Abgaben nach der Größe der Lkw und werden dementsprechend pro Kilometer berechnet. Zukünftig wird die Lkw-Maut an die Höhe des Co2-Ausstosses gekoppelt. LokalPlus hat nachgefragt, was das für Spediteure bedeutet?


Neu ist auch, dass ab Juli 2024 die Maut für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen (bisher Mautpflicht ab 7,5 Tomnnen berechnet wird. Handwerksbetriebe sind davon ausgeschlossen. Emissionsfreie Fahrzeuge sind bis zum 31. Dezember 2025 von der Mautpflicht befreit.

Ab dem 1. Januar 2026 zahlen sie einen um 75 Prozent reduzierten Mautteilsatz für die Kosten der Infrastruktur – zuzüglich der Mautteilsätze für Luftverschmutzung und Lärmbelastung. So soll der Umstieg auf klimaneutrale Antriebe beschleunigt werden.

Mehreinnahmen von 26,6 Milliarden Euro in drei Jahren

Die Bundesregierung rechnet mit Mehreinnahmen von 26,6 Milliarden Euro im Zeitraum von 2024 bis 2027 allein durch die Differenzierung der Lkw-Maut. Weitere 3,9 Milliarden Euro kommen durch die Ausdehnung der Mautpflicht auf Lkw ab 3,5 Tonnen und die Einführung der Emissionsklassen hinzu.

Was bedeutet die Mauterhöhung für die Spediteure?

Kevin Mankel, Abteilungsleiter Regionalverkehr bei Heuel Logistic: „Ab Dezember zahlen wir 84 Prozent mehr. Für einen Sattelzug bedeutet das eine Erhöhung von 19 auf 35 Cent pro Kilometer. In der täglichen Disposition haben wir etwa 220 bis 250 Fahrzeuge. Wir müssen die Erhöhung an unsere Kunden weitergeben und die geben es an den Endverbraucher – also an uns weiter. Ich nenne das Steuererhöhung. Es war bekannt, dass das kommen wird, aber so richtig hatte das keiner mehr auf dem Schirm. Unsere Kunden informieren wir mit einer Power-Point-Präsentation.“

Rainer Albers, Spediteur aus Bracht, der schon bei den Dieselpreisen öffentlich auf die Barrikaden ging, ist hörbar erbost: „Das ist völliger Irrsinn. Wir machen uns in Deutschland nur noch lächerlich. Es sieht so aus, als sollten die deutschen Spediteure kaputt gemacht werden.

Die Maut soll ja für Bahnausbau verwendet werden. Der Verteilerverkehr, der die Güter der Bahn übernehmen soll (ab 3,5 Tonnen), ist ja zukünftig auch mautpflichtig. Alles durchdacht. Zu befürchten ist dann aber auch, dass einige die Bundesstraßen meiden und durch die Dörfer fahren werden, um Mautgebühren zu sparen. Es könnte durchaus auch passieren, dass Auflieger vermehrt auf Parkplätzen abgestellt werden, um kostengünstiger zur Firma zurück zu fahren. Drei Achsen kosten weniger als fünf.“

Geschäftsführung der Spedition Heisiep

Bernd-Marius Heisiep: „Das bedeutet, dass wir zukünftig fast die doppelten Gebühren zahlen. Wir könnten nicht auf Elektro umsteigen. Die Reichweite der Lkw wäre etwa 400 Kilometer und die Infrastruktur zum Laden ist nicht vorhanden. Nach Rücksprache mit dem Energieversorger kam die Absage, dass es an unseren Standorten nicht möglich sei, E-Ladesäulen zu installieren. Wir treten an unsere Kunden und hoffen auf Zustimmung bei Preiserhöhungen.

Wir haben 21 Fahrzeuge, die müssen wir auch haben. Wenn die Gebühren in die Sanierung der Straßen oder die Infrastruktur investiert würden, wäre es nachvollziehbar, aber hierbei wird ja die Bahn subventioniert.“

Bernhard Heisiep: „Die neu eingeführte Co2-Komponente soll dazu führen, dass die Spediteure animiert werden, Co2-freie Antriebe kaufen. Würden wir gerne machen, aber wenn wir Elektrofahrzeuge anschaffen, möchten wir die auch gerne auf unserem Betriebsgelände laden. Die Anlagen brauchen 185 Kilowatt – zum Vergleich: für Autos sind Anlagen mit 11 bis 22 Kilowatt nötig.

Die Netze sind so ausgelegt, dass es nicht möglich ist, solche Anlagen in größeren Mengen zu bauen, schon gar nicht in ländlichen Regionen. Die Sache hat noch einen Haken: Ein Elektro-Lkw wiegt rund vier Tonnen mehr - zwei Tonnen werden uns dann vom Staat geschenkt, die wir mehr laden dürften. Das sind aber immer noch acht Prozent weniger als jetzt. Die Kosten für Elektro-Lkw sind zudem - ebenso wie für Wasserstoff-betriebenen Fahrzeuge - dreimal so hoch.

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