Grüne fordern mehr Tier- und Naturschutz bei ASP-Zäunen
Stellungnahme aus Siegen und Olpe
- Kreis Olpe, 17.09.2026
- Politik
Kreis Olpe/Siegen. Die Grünen-Kreisverbände Olpe und Siegen-Wittgenstein fordern mehr Tier- und Naturschutz beim Bau der Schutzzäune gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP). In einem gemeinsamen Positionspapier legen sie fünf Vorschläge vor, mit denen Tierleid und ökologische Auswirkungen der kilometerlangen Zaunanlagen in Südwestfalen reduziert werden sollen.

Die grundsätzliche Notwendigkeit von Maßnahmen zur Bekämpfung der Tierseuche stellen die Grünen dabei nicht infrage. „Effektiver Seuchenschutz und die Wahrung von Tier- und Artenschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden – sie müssen Hand in Hand gehen“, heißt es in der Stellungnahme.

Hintergrund sind die umfangreichen Schutzmaßnahmen nach dem ASP-Ausbruch in der Region. Inzwischen sind Kerngebiete in den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein vollständig umzäunt. Die Zäune sollen verhindern, dass möglicherweise infizierte Wildschweine die Gebiete verlassen und das Virus weitertragen. Die Grünen sehen durch die rund 1,20 Meter hohen Zäune allerdings mögliche Auswirkungen auf andere Wildtierarten und deren Lebensräume.

Als ersten Schritt fordern die Kreisverbände deshalb ein wissenschaftlich begleitetes Wildtiermonitoring. Dabei sollten unter anderem Wildwechsel, mögliche Barrierewirkungen sowie Unfall-, Stress- und Verfangstellen erfasst werden. Auf Grundlage dieser Daten könnten anschließend problematische Zaunabschnitte angepasst werden.
An geeigneten Stellen könnten nach Ansicht der Grünen etwa spezielle Durchlässe für andere Wildtiere geprüft werden – allerdings nur, wenn gewährleistet sei, dass diese für Wildschweine einschließlich Frischlingen nicht passierbar seien.

Die Zaunverläufe sollten daraufhin überprüft werden, ob Tiere insbesondere während längerer Trockenperioden von wichtigen Wasserstellen abgeschnitten werden könnten. Gegebenenfalls müssten Trassen kleinräumig verändert oder kontrollierte Zugänge geschaffen werden.
Zudem verlangen die Grünen mehr Transparenz. Aktuelle Zaunverläufe sollten in digitalem Kartenmaterial öffentlich einsehbar sein. Besonders kritisch beurteilen die Kreisverbände den weiteren Zaunbau rund um die Sperrzone II und verlangen eine ausführlichere Begründung für dessen Notwendigkeit.

Gleichzeitig sprechen sie sich für verbindliche Kriterien zum späteren Rückbau aus. Sobald einzelne Zaunabschnitte für die Seuchenbekämpfung nicht mehr benötigt würden, sollten diese nach Vorstellung der Grünen vollständig entfernt werden. Das Positionspapier haben die beiden Kreisverbände an Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen sowie an die Landräte Andreas Müller (Siegen) und Theo Melcher (Olpe) versendet.
