Gesund, schnell, lecker und günstig kochen? - Eva Hennes: „Das geht!“
Ernährungsberaterin gibt Tipps
- Kreis Olpe, 07.03.2023
- Verschiedenes
- Von Lorena Klein
Kreis Olpe/Flape. Wird es heute die aufwändige Gemüsepfanne oder doch lieber die schnelle Tiefkühlpizza? Und macht der weitere Zuckerwürfel im Kaffee noch einen großen Unterschied? Gewohnheit und Alltagsstress stehen einem ausgewogenen Speiseplan häufig im Weg. Doch ist das wirklich so? LokalPlus hat zum Tag der gesunden Ernährung am Dienstag, 7. März, die Oecotrophologin Eva Hennes in ihrer Küche in Flape besucht.

Gesunde Ernährung - was bedeutet das eigentlich? Was ist „gesund“ und was „ungesund“?
Eine optimale Ernährung kann auf den einzelnen Menschen bezogen sehr individuell aussehen. Grob kann man aber sagen: Alles, was die Natur uns gibt, ist gesund, und alles, was in der Industrie verarbeitet wurde, eher nicht. Wir sind ein Bio-Werk. Für Chemie in der Nahrung hat der Körper keine Werkzeuge. Am besten ist ein Korb voll Buntes aus der Natur.
Gesund und günstig - muss sich das in Zeiten steigender Lebensmittelpreise ausschließen?




Definitiv nicht. Es gibt sogar Rechenbeispiele, dass man günstiger liegt als mit Tiefkühl-Pizza und Co., wenn man nur frische Lebensmittel einkauft und verwertet. Der Einkauf sollte gezielt und bedarfsgerecht sein. Dabei reicht es, wenn man sich einmal in der Woche die Frage stellt „Was koche ich?“ und darauf achtet, möglichst farbenfroh einzukaufen. Mittlerweile weiß man, dass die sekundären Pflanzenstoffe fast sogar ausschlaggebender sind als Vitamine.
In der Fastenzeit verzichten viele auf Süßigkeiten. Welche gesunden Alternativen gibt es?
Fasten ist für viele so ein strenges Wort und stellt vor allem den Verzicht in den Vordergrund. Vielleicht kann man einfach mal den industriellen Zucker weglassen und mit natürlichen Süßen arbeiten. Als gesunde Süßigkeit statt Keks oder Kuchen bieten sich zum Beispiel Nüsse und Studentenfutter an - oder ein Riegel hochwertige Schokolade ab 60 Prozent Kakaoanteil, die man sich im Mund zergehen lässt.
Wie gelingt schnelle Küche für „Koch-Faule“ und im stressigen Alltag?
Auch ich brauche schnelle gesunde Küche, denn ich arbeite in Vollzeit und habe zwei Kinder. Mittlerweile habe ich einen Fundus von etwa 1.000 Rezepten. Jedoch gilt: Alles was neu ist, muss man sich aneignen. Irgendwann kommt dann auch die Fingerfertigkeit hinzu. Bei schneller Küche ist Meal-Prep ein ganz großes Thema, das heißt zum Beispiel, Komponenten doppelt zubereiten und einfrieren. Planung ist alles.
Zu einer gesunden Ernährung gehört auch ausreichende Flüssigkeitsaufnahme. Wie viel sollte man am Tag trinken?
Wenn wir zusätzlich Obst und Gemüse verzehren, reichen 1,5 bis 2 Liter, am besten Wasser. Für ein bisschen Geschmack eignen sich verdünnte Säfte oder Infused-Water. Auch ein, zwei Tassen Kaffee, schwarz oder mit einem Schuss Hafermilch oder guter Bio-Kuhmilch, sind möglich. Dies gilt für den Durchschnittserwachsenen und ist auch altersbedingt.

Um bestimmte Lebensmittel kursieren verschiedenste Empfehlungen und Warnungen. Was ist ein verbreiteter Ernährungsmythos, der mittlerweile widerlegt werden kann?
Zum Beispiel die therapeutisch wichtige Kartoffel hat viele Jahre gelitten. Sie enthält viele wertvolle Stoffe und galt früher als Dickmacher und langweilig. Wenn man Kartoffeln kocht und kalt werden lässt, entfaltet sich beispielsweise eine besondere Stärke, die einen positiven Einfluss auf die Darmgesundheit hat. Ein sehr vielseitiges Lebensmittel, mit dem viele verschiedene Rezepte möglich sind.
Immer mehr Menschen haben Fleisch oder andere tierische Produkte von ihrem Speiseplan gestrichen. Welche Vor- und Nachteile hat eine vegetarische/vegane Ernährung?
Generell kann man sagen, dass eine pflanzenbasierte Ernährung hinsichtlich Gesundheit und Umwelt für uns alle das Beste ist. Daher stehe ich schon für eine vegetarische Ernährung, würde aber nie jemanden dazu überreden oder „missionieren“. Bei Fleisch und anderen tierischen Produkten geht es um Qualität und Quantität. Gefährlich finde ich allerdings, wenn Menschen sich dazu entschließen, vegan zu leben, und viele Fertigprodukte zu sich nehmen. Dabei ist vegane Küche sehr einfach.
Gesund fängt schon im Kindesalter an: Wie sieht ein gesundes Pausenbrot aus?

Wichtig sind für Kinder schöne Dosen, die sie sich selbst aussuchen. Der Inhalt sollte vor allem abwechslungreich sein, aber manche essen auch gerne immer dasselbe. Zum Beispiel kann man Spießchen mit feingemahlenem Vollkornbrot, Rohkost oder Obst zubereiten. Bei meinen Kindern sind auch Müsli mit Joghurt und Smoothies beliebt. Das kann man alles gemeinsam entdecken. Dafür sollten sich Eltern auch Zeit nehmen.
Gesunde Ernährung in unserer Gesellschaft - unterschätzt oder präsent?
Noch nicht präsent genug. Wenn ich mich nicht gut ernähre, läuft mein Motor nicht. Das Thema wird größer und man geht wieder mehr zum Ursprung, zum Beispiel mit eigenen Hochbeeten. Doch vor allem die Mediziner müssen wachgerüttelt werden. Hier würde ich mir mehr Offenheit und Zusammenarbeit wünschen, denn Ernährungsfehler zeigen sich nicht heute oder morgen, sondern Jahre später, wenn es „knallt“. Was meint, erst dann, wenn jahrelange Ernährungsfehler zum Ausbruch einer Erkrankung führen, zum Beispiel Diabetes mellitus Typ 2.
Dabei muss Ernährungsberatung nicht streng sein, sondern locker. Meine Vision ist es, die Theorie in die Praxis zu bringen, zum Beispiel mit Kochkursen. Das Ziel ist erreicht, wenn die Leute sagen: Ich fühle mich wohler, besser, fitter, es macht Spaß - und es schmeckt mir.
Ihr wünscht euch gesunde Rezepte, schnell und einfach zubereitet im Alltag? Dann guckt gleich nochmal bei LokalPlus rein: In einem LokalGenuss-Special präsentiert euch Koch-Expertin Melli Heuel einige Rezepte.
