Gegen die Scham, für den Schutz der Opfer: „Es braucht noch mehr Hingucker“
Netzwerk gegen häusliche Gewalt informiert
- Kreis Olpe, 09.04.2026
- Verschiedenes , Blaulicht
- Von Lorena Klein
Kreis Olpe. Wenn die eigenen vier Wände kein sicherer Ort mehr sind, von vertrauten Menschen eine Gefahr ausgeht, dann spricht man von häuslicher Gewalt. Sie kann körperlicher, psychischer oder sexueller Art sein, offensichtlich oder schleichend. Im Rahmen der jährlichen Pressekonferenz hat das Netzwerk gegen häusliche Gewalt im Kreis Olpe am Donnerstag, 9. April, im Olper Kreishaus über Zahlen und Entwicklungen im vergangenen Jahr informiert.

Das Netzwerk gegen häusliche Gewalt gibt es im Kreis Olpe seit 2002 und verknüpft zahlreiche Beratungs- und Anlaufstellen, Einrichtungen und Institutionen in der Region. Jedes Jahr, wenn die neue Polizeiliche Kriminalstatistik für den Kreis Olpe veröffentlicht worden ist, blickt auch das Netzwerk kurze Zeit später auf das vergangene Jahr zurück.
Bei häuslicher Gewalt handele es sich nicht um einen eigenen Straftatbestand, sondern um ein breites Feld von Delikten, erklärte Kriminalhauptkommissarin und Opferschutzbeauftragte Simone Klewes. Einen Großteil der erfassten Delikte der Kreispolizeibehörde Olpe machte 2025 einfache (61 Prozent) und gefährliche Körperverletzung (15 Prozent) aus. Stalking, Bedrohung, sexuelle Übergriffe, Beleidigung und Sachbeschädigung sowie andere Formen von körperlicher und psychischer Gewalt können ebenfalls zu häuslicher Gewalt zählen.




Mit insgesamt 268 angezeigten Fällen von häuslicher Gewalt im Kreis Olpe war die Anzahl 2025 etwas geringer als im Jahr davor (282). Jedoch wurden im vergangenen Jahr 109 Wohnungsverweise bzw. Rückkehrverbote ausgesprochen – 16 mehr als 2024. Die angezeigten Fälle im Jahr 2025 umfassten 306 Geschädigte. 64 Prozent der Opfer waren weiblich, 79 Prozent erwachsen und 63 Prozent deutsch.
Von den Tätern waren 72 Prozent männlich, 87 Prozent erwachsen und 61 Prozent deutsch. Besonders häufig fand die Gewalt innerhalb von (ehemaligen) Partnerschaften statt, doch auch Gewalt innerhalb der Familie spielte eine große Rolle.
Anette Pfeifer berichtete von der Arbeit in der Frauenberatungsstelle Olpe des Vereins „Frauen helfen Frauen“. Insgesamt 367 Frauen und Mädchen erhielten im vergangenen Jahr Unterstützung in Form von Einzelberatungen. Mehr als 1.600 Beratungsgespräche wurden allein geführt, dazu kamen viele weitere Angebote und Veranstaltungen rund um Aufklärungsarbeit, Prävention und Sichtbarkeit.

Die ratsuchenden Mädchen und Frauen haben körperliche und psychische Gewalt (63 Prozent), sexualisierte Gewalt (24 Prozent), sexuelle Belästigung (8 Prozent) und digitale Gewalt (8 Prozent) erlebt. 95 Prozent der Täter waren männlich.
Eine Zufluchtsstelle für Frauen und Kinder in akuter Gefahr ist das Frauenhaus Olpe, ebenfalls getragen vom Verein „Frauen helfen Frauen“. 2025 konnte es 41 Frauen und 45 Kinder beherbergen, die wegen des Schutzaspekts aus anderen Kreisen und Bundesländern kamen.

„Die Frauen, die zu uns gekommen sind, waren im vergangenen Jahr erheblich jünger“, berichtete Sozialpädagogin Vanessa Dorn. Insgesamt 97 Anfragen musste das Frauenhaus ablehnen – meistens, weil alle Zimmer voll waren. Dann wurde gemeinsam geschaut, wo die Hilfesuchenden stattdessen unterkommen können. Doch vielen anderen Frauenhäusern in Deutschland geht es ähnlich.
„Wohnraum oder alternative Anschlussmöglichkeiten für die Frauen sind wirklich Mangelware.”
Ein ganz großes Thema ist bezahlbarer Wohnraum. Das spürt auch das Frauenhaus anhand der Aufenthaltsdauer der Bewohnerinnen, die keine eigene Wohnung finden. „Wohnraum oder alternative Anschlussmöglichkeiten für die Frauen sind wirklich Mangelware“, betonte Vanessa Dorn.
Ein Hilfsangebot in Lebenskrisen, als Täter oder als Opfer häuslicher Gewalt, ist auch die Jungen- und Männerberatungsstelle „Echte Männer reden“ des Katholischen Sozialdienstes im Kreis Olpe. Im vergangenen Jahr suchten dort 63 Klienten Unterstützung. Das zweiköpfige Beratungsteam spürt einen Anstieg der Anfragen und hat deshalb jetzt auch eine Warteliste.

„Generell bewegen sich die Zahlen auf einem ähnlichen Niveau. Jedoch ist das Dunkelfeld ein riesiges Problem“, fasste Sabine Nosiadek, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Olpe und Koordinatorin des Netzwerkes gegen häusliche Gewalt, zusammen und verwies auf eine aktuelle Dunkelfeldstudie, laut der nur ein Bruchteil aller Gewalterfahrungen angezeigt wird. „Auch das Thema Prävention kommt viel zu kurz“, so Nosiadek.
„Viele Frauen haben unglaublich Angst, den Täter anzuzeigen“, sagte Anette Pfeifer. „Eine Anzeige ist jedoch immer sehr wichtig. Deshalb wäre es gut, wenn es noch mehr Hingucker geben würde, die Vorfälle bei der Polizei melden.“ Das bekräftigte auch Simone Klewes von der Polizei: „Schamgefühl spielt da eine ganz große Rolle. Deshalb ist Zivilcourage so wichtig!“
Hilfsangebote im Überblick
- Tel.: 02761 / 17 22
- E-Mail: info@frauenberatungsstelle-olpe.de
Frauenhaus Olpe
- Tel.: 02761 / 83 46 84
- E-Mail: frauenhausolpe@gmx.de
Bundesweites Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“
- Tel.: 116 016 (rund um die Uhr, kostenlos, mit Dolmetscher-Service)
Jungen- und Männerberatung Olpe
- Tel.: 02761 / 8 36 80
