„Geburt ist ein wunderbares Schauspiel der Natur“

Tag der Hebamme: Ein Interview


  • Kreis Olpe, 04.05.2023
  • Verschiedenes
  • Von Kerstin Sauer
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Kreis Olpe/Lennestadt. Hebammen sind wichtige Wegbegleiter und Unterstützer gerade für werdende und frisch gebackene Mütter. Helfen bei der Vorbereitung auf die Geburt, während der Geburt und in den ersten Wochen danach, stehen den jungen Familien zur Seite und helfen ihnen bei den ersten Schritten in ein Leben mit Säugling. Am Freitag, 5. Mai, ist Tag der Hebamme. Zeit, einmal beim Team der Hebammenpraxis Lennestadt nachzufragen: Welche Aufgaben gehören eigentlich zu diesem Berufsbild - und wie ist die Versorgung im Kreis Olpe?


Kindern auf die Welt zu helfen – das klingt auf den ersten Blick nach einem Traumberuf. Ist der Beruf der Hebamme ein Traumberuf?

Das kommt natürlich immer darauf an, wovon man träumt. Aber für uns ist es mehr als ein Beruf. Wir machen es von Herzen gerne. Auch nach vielen Jahren Erfahrung machen wir die Hebammenarbeit immer noch mit Freude und Begeisterung.

Welche Aufgaben gehören zum Berufsbild der Hebamme?

Die Hauptaufgabe von Hebammen ist es, Frauen in, während und nach der Schwangerschaft zu begleiten, Geburten zu betreuen und die Familien in der Zeit nach der Geburt zu unterstützen – im Wochenbett und in der gesamten Stillzeit. Hebammen geben teilweise Vorbereitungs- sowie Rückbildungskurse und begleiten Frauen und Familien individuell nach Bedarf.

Wie ist die Situation im Kreis Olpe: Gibt es genug Hebammen für die werdenden Mütter?

Wir glauben, es kann immer noch mehr Hebammen geben, vor allem hier auf dem Land. Dort ist es nicht ganz einfach, eine wohnortnahe Betreuung gewährleisten zu können. Aber man muss sagen, dass die Situation hier im Kreis Olpe wahrscheinlich etwas besser, natürlich noch nicht gut genug ist, als in anderen Regionen oder vor allem in großen Städten. Dennoch wünschen wir uns auf jeden Fall noch mehr Nachwuchs, denn Arbeit wird es immer geben.

Außerdem arbeiten Hebammen meistens für sich, ein Netzwerk untereinander wäre schön, um sich austauschen und weitere Ideen der Betreuung umsetzen zu können. Durch den Kontakt im Krankenhaus merken wir schon, dass wir Hebammen alle genug zu tun haben und es einfach wunderbar wäre, weitere junge Menschen für den Beruf der Hebamme begeistern zu können.

Das Team der Hebammenpraxis Lennestadt: (hinten v.l.) Melanie Buchmann, Barbara Scholl, (vorne v.l.) Natalja Neu und Hannah Mertens (es fehlt Monika Wennerscheid). von privat
Das Team der Hebammenpraxis Lennestadt: (hinten v.l.) Melanie Buchmann, Barbara Scholl, (vorne v.l.) Natalja Neu und Hannah Mertens (es fehlt Monika Wennerscheid). © privat

Entscheiden sich viele junge Menschen für diesen Beruf?

Es gab Zeiten, da musste man lange auf einen Ausbildungsplatz zur Hebamme warten. Jetzt hat es sich etwas geändert: Durch die Akademisierung der Hebammenausbildung – das heißt, wenn man sich jetzt entscheidet, Hebamme zu werden, muss man dies an einer Hochschule oder Universität studieren - gibt es mehr Studienplätze, die besetzt werden können.

Dennoch ist dann fraglich, ob die studierten Hebammen weiterhin die originäre Hebammenarbeit leisten wollen oder doch eher in die Forschung oder Lehre gehen. Eine Zahl haben wir noch nicht, aber es könnte mehr Menschen geben, die sich für den Beruf der Hebamme entscheiden.

Ist die Hebamme ein typischer Frauenberuf oder gibt es auch männlichen Nachwuchs?

Früher war der Beruf der Hebamme ein typischer Frauenberuf, jedoch hat sich auch das etwas geändert. Es gibt durchaus Männer, die den Beruf erlernen und darin arbeiten. Immerhin gibt es ja auch Gynäkologen und nicht nur Gynäkologinnen. Die Welt ist eben etwas bunter geworden, und das ist ja auch spannend.

Mit welchen Schwierigkeiten haben Hebammen zu kämpfen?

Durch die immer höheren Versicherungskosten, die von Jahr zu Jahr steigen, ist der Zweig der Freiberuflichkeit weniger geworden. So können wir beispielsweise keine/kaum Beleggeburten oder Hausgeburten anbieten. Wir mussten unsere Arbeit anpassen. Unter anderem deshalb arbeiten drei von uns vier Hebammen angestellt im St.-Josefs-Hospital in Lennestadt.

Leidtragende der Einschränkungen sind, wie so oft, immer die Frauen und Familien. So haben die Frauen hier im Umkreis bisher leider nicht mehr die freie Wahl des Geburtsorts, sondern müssen ins nächstliegende Krankenhaus gehen. Welches sich hoffentlich nicht ganz so weit vom Wohnort befindet, vor allem wenn immer weitere kleine Krankenhäuser geschlossen werden, weil sich Geburtshilfe nicht mehr „rentiert“.

Ist die Geburt heute eher Wirtschaft als Wunder?

Es ist leider alles nur noch eine Wirtschaft. Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett wird von vielen nicht mehr als etwas Natürliches angesehen. Obwohl es immer wieder ein Wunder der Natur ist, wenn neues Leben entsteht, geboren wird oder auf dieser Welt ankommen darf. Doch wir müssen es erneut begreifen und weitergeben. Denn wie heißt ein Spruch, der durch die Hebammen-Ausbildung getragen hat: „Geburt ist ein wunderbares Schauspiel der Natur, bei dem wir staunenden Zuschauer sein dürfen.“

Tag der offenen Tür

Die Hebammenpraxis Lennestadt lädt am Freitag, 5. Mai, von 11 bis 18 Uhr zum Tag der offenen Tür ein. Neben Yoga mit Hannah wird das Prager Eltern-Kind-Programm (PEKiP) mit Anna Montrone vorgestellt. Infos gibt es unter Tel. 02723/6536 oder info@hebammenpraxis-lennestadt.de.

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